12.3.2018

AK warnt vor Problemen bei sicherer Energieversorgung

Das Nachhaltigkeitsministerium hat geplante Förderungen für die Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK-Anlagen) gestoppt. Das hat zur Folge, dass FernwärmekundInnen künftig den Großteil der Kosten für diese wichtigen Kraftwerke tragen könnten. Gleichzeitig gibt es nach wie vor keine solide Regelung für die Sicherung von Kraftwerksreserven zur Stabilisierung des Stromnetzes. Die AK fordert von der Bundesregierung eine rasche und ausgewogene Lösung, um die Versorgungssicherheit bei Strom und Fernwärme weiterhin zu gewährleisten. 

Hocheffiziente Gaskraftwerke versorgen Haushalte, Gewerbe und öffentliche Einrichtungen nicht nur mit Strom, sondern auch mit Fernwärme. Sie sind aber auch für die Stabilität der Stromnetze essenziell. Derzeit können diese Kraftwerke aufgrund des schwierigen Umfelds aber kaum wirtschaftlich betrieben werden.  

Daher wurde im Zuge der Novelle des Ökostromgesetzes 2017 eine Förderung für KWK-Anlagen, die für die Versorgungssicherheit relevant sind, beschlossen. Die Förderung ist begrenzt auf vier Jahre, und die Kosten sollen auf alle StromverbraucherInnen verteilt werden. Ohne diese Förderung drohen Abschaltungen, Stilllegungen oder die FernwärmekundInnen müssten alleine die Kraftwerke finanzieren. „Das ist unzumutbar. Wie kommt die vergleichsweise kleine Gruppe der FernwärmekundInnen dazu, Kosten zu tragen, um die sichere Stromversorgung von über sechs Millionen StromkundInnen zu gewährleisten?“, so AK Energieexperte Josef Thoman. Auch in anderen Ländern – wie in Belgien oder Schweden – können KWK-Anlagen nicht kostendeckend produzieren und werden daher auch durch Förderungen unterstützt. 

Immer öfter stößt das Stromnetz an seine Grenzen. Dann müssen Kraftwerke bereitstehen, um die Leitungen zu entlasten. Allein im vergangenen Jahr war dies an über 300 Tagen der Fall. Da die Kraftwerksbetreiber mit diesen kurzfristigen Einsätzen kaum planen können, sind die Kosten aber hoch. „Besser wäre es die Kraftwerke für ihre Verfügbarkeit zu entschädigen. Mit einer so genannten Netzreserve-Regelung hätten die Kraftwerksbetreiber Planungssicherheit und einzelne Abrufe könnten damit deutlich günstiger erfolgen“, so Thoman. 

Die AK fordert von der Bundesregierung eine rasche und ausgewogene Lösung für die Versorgungssicherheit. „Die Kraftwerke sind sowohl für die Strom-Netzstabilisierung als auch die öffentliche Wärmeversorgung essenziell“, sagt Thoman. Die AK appelliert daher an die Bundesregierung, das EU-rechtliche Genehmigungsverfahren der KWK-Förderung voranzutreiben. Parallel dazu sind klare Rahmenbedingungen für die so genannte „Netzreserve“ zu schaffen, also vor allem eine strenge Prüfung der Kosten für die Leistungsbereitstellung.  

Warum Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger das EU-rechtliche Genehmigungsverfahren für die Förderung dieser hocheffizienten KWK-Anlagen in Österreich kurzerhand gestoppt hat, ist für die AK nicht nachvollziehbar. Vor allem deswegen, weil sie sich gleichzeitig nicht gegen ein insgesamt rund 175 Millionen Euro teures Rettungspaket ausgesprochen hat, mit dem knapp 300 kleine, unwirtschaftlichere Biogasanlagen weiter künstlich am Leben gehalten werden.

Hintergrund

Erneuerbare Energie wie Strom aus Windkraft und Photovoltaikanlangen ist stark witterungsabhängig. Da elektrische Energie nicht ausreichend gespeichert werden kann, sind für die sichere Versorgung auch Gaskraftwerke notwendig. Das gilt in Zeiten, wenn Windkraft und Photovoltaik nicht ausreichend Strom liefern, aber auch dann, wenn die Netze an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Die derzeit niedrigen Stromgroßhandelspreise führen dazu, dass die KWK-Anlagen kaum mehr wirtschaftlich betreibbar sind. Die Gaskraftwerke werden daher meist nur dazu eingesetzt, um das Netz zu stabilisieren, Versorgungsengpässe auszugleichen oder im Winter die Fernwärmekunden mit Wärme zu versorgen. Werden diese Kraftwerke aus betriebswirtschaftlichen Gründen ganz vom Netz genommen werden, drohen Engpässe in der Versorgung.