Junger Mann blickt traurig in die Zukunft © Photographee.eu, stock.adobe.com
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29.7.2021

Armutskrise verhindern – die Reichen können das!

„Aus der Gesundheitskrise, Beschäftigungskrise und Wirtschaftskrise darf nicht auch noch eine Armutskrise werden“, warnt AK Präsidentin Renate Anderl. 

„Wir haben umfassende Vorschläge gegen Armut erarbeitet und werden über den Sommer auch in Dialog mit anderen Institutionen und Gruppen treten. Wir brauchen jetzt eine breite Allianz, denn es kann nicht sein, dass in einem so reichen Land Eltern nicht wissen, ob ihre Kinder in der Schule und dann im Berufsleben Erfolg haben werden, weil sie sich keine Computer für Homeschooling und kein starkes Internet leisten können, von Urlaub ganz zu schweigen.“

Pressekonferenz

Über aktuelle Maßnahmen der Bundesregierung und die Vorschläge der AK berichteten Renate Anderl, Präsidentin der Bundesarbeitskammer und Wolfgang Mückstein, Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz in einer gemeinsamen Pressekonferenz.


Arbeitsplatz mit gerechter Entlohnung 

Das wirksamste Mittel gegen Armut ist ein Arbeitsplatz mit gerechter Entlohnung und fairen Arbeitsbedingungen, die nicht krank machen. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist daher die Arbeitsmarktpolitik.

Die AK fordert dazu:

  • Arbeitslosengeld von 55 auf 70 Prozent des Nettoeinkommens erhöhen
  • Mehr AMS-Personal für bessere Betreuung der Arbeitsuchenden
  • Mehr Chancen für Langzeitarbeitslose Wir erwarten, dass die 300 Mio. Euro für die Aktion Sprungbrett zusätzliches Geld sind.
  • Außerdem muss diese Aktion bis Ende der Legislaturperiode verlängert werden.
  • Volle Lohntransparenz in den Betrieben, für faire Einkommen von Frauen

Engagiert gegen Kinderarmut

Die finanzielle Lage der Familie darf niemals der Grund dafür sein, dass Kinder keine Chancen im Leben bekommen. Trotzdem leben in Österreich 362.000 Kinder in Haushalten, die es sich nicht leisten können, unerwartete Ausgaben zu tätigen. Die AK hat ein Paket gegen Kinderarmut geschnürt, das rasch umgesetzt werden muss. „Kinder, die in Armut leben müssen – das ist eine Schande für unser reiches Land“, so Anderl.

Die AK fordert dazu:

  • Genug Geld zum Leben für alle Familien: ausreichend hohe Leistungen bei Arbeitslosigkeit und in der Mindestsicherung
  • Chancengerechtigkeit im Bildungssystem beginnend bei Elementarbildung
  • Leicht erreichbare Beratungs- und Unterstützungsangebote, etwa frühe Hilfen für gefährdete Familien.

Frauen sind besonders von Armut betroffen 

Sie verdienen in Österreich nach wie vor weniger als Männer (Beim Vergleich der Stundenlöhne 2019 um knapp 20 Prozent). Frauen arbeiten oft Teilzeit, das führt zu niedrigen Einkommen und geringen Frauenpensionen. Schweden und Dänemark zeigen, wie es besser geht: Ein wesentlicher Faktor ist, dass in diesen Ländern die Kinderbetreuung und Elementarbildung viel besser ausgebaut und finanziert sind als bei uns. Österreich muss hier dringend nachziehen.

Die AK fordert dazu:

  • Volle Lohntransparenz in den Betrieben – nur wenn Frauen wissen, was die Kollegen verdienen, können sie gerechten Lohn einfordern
  • Mehr Unterstützung für partnerschaftliche Teilung von Kinderbetreuung
  • 1% des BIP für Kinderbildung (von derzeit 0,70) – Forderung der AK, gemeinsam mit Sozialpartnern und IV
  • Schulfinanzierung nach AK-Chancenindex
  • Mehr Ganztagsschulen, ganzjährig, in ganz Österreich

Die Reichen können Menschen aus der Armut holen!

„Armut ist kein Naturgesetz, Armut wird gemacht – und in Kauf genommen“, so Anderl. „Wir wollen nicht die Reichen arm machen. Aber die Reichen können es sich leisten, die Menschen aus der Armut zu holen.“  Was jetzt auf gar keinen Fall kommen dürfe, seien Sparpakete in den Sozialsystemen, denn dann sei eine Armutskrise garantiert. Anderl: „Verfestigte Armut darf nicht Folge der Corona-Krise sein, der Aufschwung muss ein Aufschwung für alle werden. Es gibt in diesem Land immens viele Reichtum – dass es auch so viel Armut gibt, ist schändlich!

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