21.9.2017
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Alte und neue Stadtviertel müssen zusammenwachsen

„Im wachsenden Wien wird viel gebaut. Aber für das Zusammenwachsen von alten und neuen Stadtvierteln kann viel mehr getan werden“, sagt der Leiter der AK Abteilung Kommunalpolitik, Thomas Ritt anlässlich einer AK-Debatte mit Stadtentwicklungsexperten der Gemeinde Wien und der Bezirke. Eine Studie im Auftrag der AK zeigt Licht und Schatten beim Zusammenwachsen von neuen und alten Stadtquartieren am Beispiel der Stadtentwicklungsgebiete Sonnwendviertel, Bombardiergründe und Seestadt Aspern. Nachholbedarf gibt es zum Beispiel bei der Verbindung zwischen alten und neuen Vierteln, beim Management von lebendigen Erdgeschosszonen, die zum Bummeln und Verweilen einladen, oder bei der Schaffung von Spielplätzen, Parks oder Jugendtreffs, in denen sich die BewohnerInnen der alten und neuen Stadtviertel begegnen können. „Wien verändert sich rasant. Dabei müssen alle BewohnerInnen, die die kommen und die, die schon lange da sind, mitgenommen werden. Deshalb müssen die Stadt und die Bezirke viel mehr darauf achten, dass auch die Alteingesessenen etwas von der Veränderung haben. Dann werden neue Stadtviertel auch akzeptiert“, so Ritt.

Die Studie zeigt 10 Punkte, auf die es jetzt ankommt:

  • Leichter hin und her zwischen alter und neuer Nachbarschaft: Im Sonnwendviertel wirken die Sonnwendgasse und die Gudrunstraße wie eine Barriere zwischen Alt und Neu, die nur über einzelne Ampeln mit langen Wartezeiten für Fußgänger zu überwinden sind. Querverbindungen vom Sonnwendviertel zur Fußgängerzone Favoritenstraße müssen fußgänger- und radfahrerfreundlich gestaltet werden etwa durch breitere Gehsteige in der Keplergasse beziehungsweise der Raaberbahngasse.

  • Mehr Leben in die Erdgeschosszonen: Ums Eck einkaufen, ums Eck Besorgungen machen, Leute treffen oder zum Arzt gehen: Das macht die Lebensqualität im Grätzel aus. In der Seestadt wird das gezielt unterstützt, im Sonnwendviertel und in den Bombardiergründen nicht. Die Folge: Dort stehen die Erdgeschosszonen leer, sind unattraktiv und teilweise zu Abstellräumen verkommen, Dann gäbe es mehr Wirthäuser, mehr Leben etwa im Sonnwendviertel oder den Bombardiergründen.

  • „Beim Reden kommen die Leute zusammen“: In der Seestadt gibt es ein Stadtteilmanagement für die Wünsche, Sorgen und Anliegen der AnrainerInnen. Dort kann jeder sagen was ihm am Herzen liegt: Ob zu viele Hunde am Spielplatz toben, oder Radler oder Skater auf den Gehwegen die Fußgänger irritieren: Es gibt AnsprechpartnerInnen mit regelmäßigen Sprechstunden. Vor Ort werden mit den Betroffenen Lösungen gesucht. Im Sonnwendviertel unterstützt eine Außenstelle der Gebietsbetreuung. In den Bombardiergründen fehlt ein Management.

  • Freiräume für jung bis alt: Eltern mit Kleinkindern, Jugendliche, SeniorInnen oder Freizeitsportler: Sie alle brauchen „ihren“ Raum. Das gelingt in der Seestadt gut. Auch im Sonnwendviertel bietet der große Helmut-Zilk-Park Platz für jedes Alter. Auf den Bombardiergründen, auf denen verschiedene große private Bauherren die öffentlichen Zonen geplant haben, wird dies vor allem über Verbotsschilder gelöst. Da gibt es Spielplätze für Kleinkinder, die brauchen wir auch. Aber schon für 10-Jährige ist fast alles verboten. Das kann nicht die Lösung sein. 

  • Plätze und Höfe für alle öffnen: Oft verhindern die Eigentumsverhältnisse in großen Wohnquartieren, dass alle die Plätze und Höfe nutzen können. Das muss sich ändern, egal, ob die Höfe und Plätze großen Privatinvestoren gehören oder öffentlich sind. Im Sonnwendviertel und in der Seestadt ist das gut gelungen. Private Höfe und Spielflächen stehen allen offen. 

  • Eine Stadt, nicht nur viele Häuser: Ein Bauträger alleine gestaltet kein Viertel. Die Stadt und die Bezirke müssen hier für mehr Gemeinsamkeit sorgen. Bauplatzübergreifende Kooperation muss unterstützt werden. So gelingt die Vernetzung zwischen Alt und Neu.

  • Beim Bauen auf das Stadtklima achten: Jetzt im Sommer ist es für alle spürbar: Wo es grüner ist, ist es auch kühler. Dach- und Fassadenbegrünung, Bäume und Rasenflächen sorgen für ein besseres Klima und ein angenehmes Wohnumfeld.

  • Fußwege für die Menschen, freie Durchgänge für alle schaffen: Wenn der Fußweg sicher, erholsam und nicht zu lang ist, wird mehr zu Fuß gegangen. Deshalb muss es Wege durch große Wohnblocks hindurchgeben, statt drum herum.  Auf den Bombardiergründen etwa wurde die Ost-West-Verbindung nicht mitgeplant. Nun gibt es einen 500 Meter langen Umweg statt einer 175 Meter langen Direktverbindung durch das Siedlungsgebiet. Damit ein neues Wohnquartier nicht zum Hindernis wird und auch von den alteingesessenen Nachbarn leichter akzeptiert wird, braucht es Wege und Plätze, die für alle offen sind und Begegnungen ermöglichen. Gut gelöst ist das in der Seestadt. 

  • Wo kein Haus steht, muss gelebt werden können: Boden ist knapp im wachsenden Wien. Aber viele Versickerungsflächen werden nicht genutzt: Aus ihnen könnte man dringend benötigte Spiel- und Erholungsflächen machen. Hier gibt es beispielweise im Sonnwendviertel noch Nachholbedarf. Auch dass am Wochenende Sportplätze der Schulen verwaist sind, während sich die Menschen in den öffentlichen Parks drängen, muss nicht sein.

  • Die Menschen nicht im Regen stehen lassen: Wer auf Bus, Bim oder S-Bahn wartet, muss dies in überdachten Wartehäuschen tun können, mit Sitzgelegenheit und Beleuchtung. Das fehlt sowohl in der Seestadt Aspern als auch im Sonnwendviertel und auf den Bombardiergründen.

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