7.9.2020

Oberkellner bricht nach 12-Stunden-Tagen zusammen

Vertreter von ÖVP, FPÖ und der Wirtschaft haben versprochen: 12-Stunden-Arbeitstage bleiben die Ausnahme. Oberkellner T. A. musste eine andere Erfahrung machen. Er war es ja gewohnt, immer wieder zahlreiche Überstunden zu leisten, aber ab September 2018 verdichteten sich die Arbeitstage mit langen und überlangen Arbeitszeiten. 

Im Dezember kam dann der physische und psychische Zusammenbruch. A. sah seinen Ausweg nur mehr in der Selbstkündigung und einer Krankmeldung. Der Chef des – laut Eigendefinition – „Unternehmens von Weltruf“ unterstellte A. aber einen unberechtigten vorzeitigen Austritt und wollte sich so Lohn, Überstunden, Urlaubsersatzleistungen, Sonderzahlungen und Entgeltfortzahlungen ersparen.

AK Präsidentin Renate Anderl: „Der hohe Arbeitsdruck und die unmenschlichen Arbeitszeiten machten T. A. fertig. Die AK hat ihm geholfen, wenigstens seine ausständigen Ansprüche von über 5.300 Euro brutto erfolgreich bei Gericht einzuklagen.“

Burnout und Zusammenbruch

10 Stunden-Tage und mehr standen auf der Tagesordnung und gipfelten im Dezember in Wochenarbeitszeiten von knapp 64 und fast 70 Stunden – ohne freie Tage. T. A. leistete Monat für Monat zwischen 50 und 90 Überstunden, wovon auch viele nicht ausbezahlt wurden (über 133 Überstunden für den Zeitraum September bis Dezember). 12-Stunden-Tage, vor allem bei geteilten Diensten von 8 bis 14 und von 18 bis 0.30 Uhr, waren die Regel.

Am 29. Dezember kam dann der Zusammenbruch. A. teilte der Restaurantleiterin mit, dass er wegen seiner langen Dienste ohne freie Tage sowohl körperlich als auch psychisch am Ende sei und nach Hause gehen werde. Er sei fix und fertig und er kündigte. Die Restaurantleiterin hat dies zur Kenntnis genommen. Am selben Abend kontaktierte A. nochmals die Restaurantleiterin und meldete sich krank. Trotzdem unterstellte ihm der Arbeitgeber einen vorzeitig unberechtigten Austritt.


Anderl: Wir brauchen eine Arbeitszeitreduktion

„AK und Gewerkschaften haben immer vor den gesundheitlichen Gefahren überlanger Arbeitszeiten gewarnt. Zuerst werden die Beschäftigten ausgequetscht und dann nicht mehr gebraucht. So darf die Arbeitswelt nicht ausschauen“, fordert Anderl eine ernsthafte Diskussion über eine Arbeitszeitverkürzung. „Auf lange Sicht brauchen wir eine Arbeitszeitreduktion. Es kann nicht sein, dass wenige oft bis zur Erschöpfung unmenschlich lange arbeiten müssen und es für andere überhaupt gar keine Arbeit gibt.“

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