Publikation

Mitbestimmung im Betrieb

Eurofound erhebt mit dem European Company Survey eine breite Palette an Informationen zu Fragen der Mitbestimmung, der Arbeitsorganisation und -gestaltung in Europa und zu Ver­änder­ungen in diesen Bereichen. Seit dem Jahr 2004 wird der European Company Survey (ECS) in vier- bis fünfjährigen Abständen in der gesamten EU durchgeführt.

Die hier präsentierte Untersuchung nimmt die Situation in Österreich in den Blick. Auf Basis von Daten der jüngsten ECS-Befragung im Jahr 2013 werden wichtige Fragen der betrieblichen Mit­be­stimmung in Österreich analysiert. Für die Untersuchung können neben Angaben von Be­triebs­rätInnen auch Aussagen von VertreterInnen des Managements zum Thema Mit­be­stimmung in ihrem Unternehmen genutzt werden. Die Sichtweisen der beiden Partner der Mit­be­stimmung können bei wichtigen Fragen einander gegenüber gestellt werden. Darüber hin­aus finden sich auch interessante Befunde zu den Ressourcen, die BetriebsrätInnen für ihre Arbeit zur Verfügung haben und zur Struktur von Betriebsratsgremien.

Neben der Einschätzung der Bedeutung der Arbeit des Betriebsrates werden die Ver­tret­er­Inn­en der Unternehmensleitung auch zu Veränderungen im Unternehmen und der Einbindung von BetriebsrätInnen bzw. der direkten Einbindung von MitarbeiterInnen befragt. Insgesamt liefern die Befunde des ECS ein über weite Strecken positives Bild der betrieblichen Mit­be­stim­mung in Österreich. Die Mehrzahl der befragten VertreterInnen des Managements schätzt die Arbeit des Betriebsrates, Probleme werden vergleichsweise selten wahrgenommen. Ihrer Ein­schätzung nach unterstützen die Betriebsratsgremien die Arbeit des Managements.

Auch die VertreterInnen des Betriebsrates beschreiben die Zusammenarbeit in vielerlei Hin­sicht als konstruktiv. Das Verhältnis zum Management wird überwiegend positiv wahr­ge­nom­men. Dieses bemüht sich häufig, den Betriebsrat schon vor getroffenen Entscheidungen in die Lösung von Problemen einzubeziehen. Nicht alle Wünsche, z.B. in Hinblick auf Informationen, werden erfüllt, jedoch gibt es nur in seltenen Fällen Hinweise auf tiefgreifende Probleme. Schon aufgrund ihrer Aufgabe haben BetriebsrätInnen einen anderen Blick auf die Lage im Unter­nehmen. Aus dieser Perspektive schätzen BetriebsrätInnen z.B. das Arbeitsklima im Unter­nehmen stets etwas schlechter ein als das Management. Verschiedene Problemlagen treten vor allem in Hinblick auf Betriebe unterschiedlicher Größe in abgestufter Deutlichkeit auf. Dass in diesen wechselnden Kontexten auch die betriebliche Mitbestimmung vor unter­schied­lich­en Herausforderungen steht, wird erkennbar.

Entwicklungen die die gesamte Arbeitswelt betreffen, wie der wachsende Druck am Arbeits­markt, die Einführung neuer Technologien oder die Entgrenzung der Arbeit, nicht nur in zeit­licher Hinsicht, wirken auch auf die Situation der Mitbestimmung im Betrieb und auf die Her­aus­forderungen und Handlungsmöglichkeiten von Betriebsratsgremien zurück. Wichtig er­scheint, – darauf weisen die Ergebnisse dieser Studie hin – dass dieses Gremium entsprechend gestärkt einen wesentlichen Beitrag auch zur zukünftigen Wahrung der Interessen von Ar­beit­nehm­er­Innen und zur für alle Seiten positiven Gestaltung des Arbeitsumfeldes, leisten kann.

Die nächste Befragungswelle des European Company Survey läuft im Jahr 2017. Ein Vergleich mit den Ergebnissen aus dem Jahr 2013 mit den Befunden des Jahres 2017 lässt weitere spannende Aussagen über die Veränderung der Mitbestimmung erwarten.

Symbolbild einer Studie der AK Wien © sharaku1216 - stock.adobe.com, AK Wien

Art der Publikation:
Studie

Erscheinungsort:
Wien

AutorenInnen:
Bettina Stadler

Seitenanzahl:
58 S.

HerausgeberIn:
Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien

Datum/Jahr:
2017