25.2.2015

Jahresabschluss Neu - Ein Blick auf die künftige Rechnungslegung in Österreich

Gerade die immer stärkere Bedeutung der internationalen Bilanzierungsstandards (IFRS) und auch die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in den EU-Mitgliedsstaaten bewirten in den letzten Jahren zahlreiche Veränderungen auf dem Gebiet der Rechnungslegung. Die am Shareholder Value Prinzip orientierten IFRS spielen weltweit eine wesentliche Rolle im Wirtschaftsleben. Ziel eines IFRS-Abschlusses ist es, den Investoren ein möglichst wahrheitsgemäßes Bild (True and Fair View) über das Unternehmen zu vermitteln, dh der IFRS-Abschluss zeigt, wie rentabel das Unternehmen mit dem vorhandenen Kapital arbeitet. Nach IFRS sollen sämtliche stille Reserven möglichst ausgewiesen werden. Die Unternehmen stehen unter einem starken Druck, eine möglichst hohe Rentabilität für die Investoren zu erreichen. Ein wichtiger Bewertungsansatz dabei ist das Fair Value Prinzip. Dabei wird Vermögen im Unterschied zur österreichischen Rechnungslegung (Unternehmensgesetzbuch – UGB) nicht höchstens mit den Anschaffungskosten angesetzt, sondern mit ihrem jeweiligen Marktwert.

In Zeiten steigender Kurse führt dies daher in den Bilanzen zu hohen buchmäßigen Gewinnen, die aber (noch) nicht wirklich realisiert wurden. Das Eigenkapital wird überbewertet. Aufgrund der Wirtschaftskrise sind die Kurse gefallen und die Unternehmen mussten sehr hohe Abschreibungen bei Finanzanlagen wie Wertpapieren und Beteiligungen vornehmen. Dieses Bewertungsprinzip führt tendenziell zu schwankenden Unternehmensergebnissen. Durch die zunehmende Bedeutung des IFRS werden allerdings die im UGB verankerten Prinzipien Gläubigerschutz und Vorsichtsprinzip immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Im UGB dürfen Vermögensgegenstände in der Bilanz höchstens mit ihren Anschaffungskosten angesetzt werden. Dadurch wird die Bildung von so genanten „stillen Reserven“ für schlechtere Zeiten bewusst in Kauf genommen. Im Interesse des Gläubigerschutzes soll somit die Ausschüttung von noch nicht realisierten Gewinnen und damit vorzeitiger Kapitalabzug vermieden werden. Die Anpassung der Bewertungsansätze stellt einen wichtigen Punkt im Rahmen der Entwicklung der Rechnungslegung dar.

Dies hat die EU daher zum Anlass genommen und die europäischen Rechnungslegungsregeln mit der neuen Bilanzrichtlinie überarbeitet. Dabei wurden vermehrt Ansätze der internationalen Bilanzierungsregeln aufgenommen. Weitere Ziele dieser Reform waren – neben den Einsparungen der Verwaltungskosten für KMUs – die Transparenz und die Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse aller Unternehmen zu erhöhen. Die erforderlichen Änderungen im UGB wurden nun durch das im Dezember 2014 beschlossene Rechnungslegungsänderungsgesetz (RÄG) in das österreichische Recht übernommen und sind erstmals auf Geschäftsjahre anzuweden, die nach dem 31.12.2015 beginnen. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über wesentliche Änderungen.

Höherer Rückstellungsausweis

Im Rahmen der Bewertung und Bilanzierung werden beispielsweise künftig Rückstellungen mit dem Erfüllungsbetrag angesetzt, der bestmöglich geschätzt werden kann, und nicht mehr – wie bisher – mit dem Betrag nach vernünftiger unternehmerischer Betrachtung. Dabei sind auch künftige Preis- und Kostensteigerungen einzubeziehen und dies kann in Folge zu höheren Rückstellungen führen. Rückstellungen für Abfertigungen, Pensionen, Jubiläumsgeld oder vergleichbare langfristig fällige Verpflichtungen werden mit dem nach versicherungsmathmatischen Grundsätzen ergebenden Betrag angesetzt. Rückstellungen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr sind mit einem marktüblichen Zinssatz abzuzinsen. Für Rückstellungen für Abfertigungen, Pensionen, Jubiläumsgeld oder vergleichbare langfristig fällige Vepflichtungen kann ein durchschnittlicher Marktzinssatz genommen werden, der sich bei einer angenommenen Restlaufzeit von 15 Jahren ergibt, wenn dagegen im Einzelfall keine erheblichen Bedenken bestehen. Für die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage im Aufsichtsrat bedeutet dies daher, dass vor allem die Annahmen, die in die Bewertung der Rückstellungen einfließen, in den Jahresabschlüssen ab dem Geschäftsjahr 2016 verstärkt und genauer hinterfragt werden sollten, wie beispielweise welche Kosten in welchem Umfang miteinbezogen wurden oder wie Kostensteigerungen erklärt werden. 

Ausweis von Restlaufzeiten in der Bilanz 

Bei der Bilanz wird es in den künftigen Abschlüssen nicht viele Anpassungen geben. Neu ist zB der Ausweis der Restlaufzeit von Forderungen über einem Jahr und von Verbindlichkeiten bis zu bzw mehr als einem Jahr direkt  in der Bilanz. Im Eigenkapital wird die Position der unvesteuerten Rücklagen gestrichen, damit werden Unterschiede in der UGB Bilanz und Steuerbilanz abgebaut. 

Ausweis außerordentlicher Positionen in der GuV entfällt

In der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) entfällt der Ausweis von außerordentlichen Ertrags- und Aufwandspostionen. Diese Beträge werden in Hinkunft in den „ordentlichen“ Positionen dazu gezählt. Im Anhang müssen der Betrag und die Wesensart der einzelnen Ertrags- oder Aufwandsposten von außerordentlicher Größenordnung oder Bedeutung angegeben werden. Diese Regelung führt dazu, dass die bisherige Zwischensumme „Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit“ entfällt, nur für mittlere und große Unternehmen ist in der Gliederung die Zwischensumme „Ergebnis vor Steuern“ vorgesehen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, was unter „außerordentlich“ verstanden wird. Im Gesetz findet sich keine Definition. Es ist damit zu rechnen, dass dieser Begriff in der Praxis sehr unterschiedlich ausgelegt wird und die Angaben im Jahresabschluss dünn ausfallen. Falls diese Informationen in den Jahresabschlussunterlagen fehlen, können ArbeitnehmervertreterInnen diese vor der Aufsichtsratssitzung schriftlich einfordern bzw in der Sitzung erfragen, um einen detaillierten Einblick in die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zu erhalten.

Alternativer Ausweis der Gewinnverwendung

In Zukunft können die Posten zu den Rücklagenveränderungen und Bilanzgewinn (Gewinnverwendung) entweder wie bisher im GuV-Schema oder alternativ im Anhang dargestellt werden. In diesem Fall endet die GuV mit der Position „Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag“ und die ArbeitnehmervertreterInnen finden dann Angaben zur Gewinnverwendung im Anhang.

Bericht über Zahlungen an staatliche Stellen

Große Unternehmen und Unternehmen von öffentlichem Interesse, die in der mineralgewinnenden Industrie (zB Exploration, Entdeckung und Weiterentwicklung von Mineralien etc, Erdölvorkommen) oder im Holzeinschlag in Primärwäldern (natürlich regenerierte Wälder mit einheimischen Arten) tätig sind, müssen künftig über Zahlungen an staatliche Stellen in den Ländern, in denen sie ihrer Tätigkeit nachgehen, berichten. Im Rahmen des Konzernabschlusses ist ein entsprechender konsolidierter Bericht über die Zahlungen zu erstellen. Diese jährlichen Berichte enthalten Informationen über Sach- und Geldleistungen an staatliche Stellen und werden gleichzeitig mit dem Jahresabschluss aufgestellt, dem Aufsichtsrat vorgelegt und von sämtlichen gesetzlichen Vertretern unterzeichnet. Sie unterliegen allerdings keiner Prüfungspflicht. Sofern Zahlungen unter 100.000 € im Geschäftsjahr liegen, brauchen sie im Bericht nicht angegeben werden. Die Berichte sollen die soziale Verantwortung der Unternehmen stärken und einen Beitrag zur Bekämpfung der Korruption darstellen.

Konsolidierter Corporate Governance Bericht

Eine weitere Neuerung ist die Erstellung eines konsolidieten Corporate Governance Berichts (§ 267a UGB, enthält  Angaben über zB Empfehlungen zu Vorstandsvergütung, Geschäftsordnung und Selbstevaluierung des Aufsichtsrats) von Unternehmen, die einen Konzernabschluss erstellen müssen. Den ArbeitnehmervertreterInnen im Aufsichtsrat bietet sich damit die Möglichkeit, ein noch besseres Bild über die Qualität der Steuerung und Kontrolle der konsolidierten Unternehmen zu erhalten.

Fazit

Zusammenfassend gesehen zeigt diese Reform, dass sich die österreichische Rechnungslegung verstärkt in Richtung IFRS orientiert. Diese Entwicklung wird aus Sicht vieler Stakeholder als kritisch beurteilt, weil die wichtigen Grundsätze aus dem UGB (Vorsichts- und Gläubigerschutz) in den Hintergrund geraten. Gerade für die Arbeitnehmervertreter verschlechtert sich auch die Transparenz und Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen. Daher wird künftig in den Aufsichtsratsitzungen vermehrt etwa auf das Thema Bewertung (zB Rückstellungen) zu achten sein, indem die Annahmen der Bewertungsansätze transparent gemacht und hiterfragt werden. Darüber hinaus bieten aber die neuen Berichte über Zahlungen an staatliche Stellen und die konsolidierten Corporate Governance Berichte wichtige Informationen für den Aufsichtsrat, um sich hier ein noch besseres Bild über das Unternehmen zu machen.

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