20.1.2014

1x1: Jahresabschluss

Enträtseln Sie Ihren Jahresabschluss

Zur Überwachung der Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit der Wirtschaftsführung sind eine nähere Analyse des Jahresabschlusses, der Vorschaurechnung, der Quartalsberichte und diverser anderer Entscheidungsgrundlagen unerlässlich.

Im Blickpunkt steht dabei insbesondere der Jahresabschluss, zumal er vom Aufsichtsrat geprüft werden muss und bei der Aktiengesellschaft auch festgestellt wird. Der Jahresabschluss besteht aus der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung und dem Anhang (Erläuterungen). Mittels einer Analyse des Jahresabschlusses können einerseits bilanzpolitische Maßnahmen (zB Gewinnverschiebungen) erkannt werden. Andererseits dient die Analyse dazu, mit Hilfe von Kennzahlen die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens zu beurteilen.

TIPP

Eine ausführliche Bilanzanalyse bieten die Arbeiterkammern im Rahmen eines persönlichen Beratungsgespräches an.

Eine erste rasche Beurteilung der Ertragssituation und der finanziellen Stabilität Ihres Unternehmens können Sie anhand eines Quicktests (siehe nachfolgende Seite) vornehmen. Diese Schnellanalyse können Sie entweder selber vornehmen oder mit Hilfe des 

durchführen lassen.


Quicktest

Schnelle Bilanzanalyse mit vier Kennzahlen. Die Tabelle zur Beurteilung finden Sie hier.

Checkliste zur Überprüfung des Jahresabschlusses

Die Checkliste gibt einen Überblick und Anhalts-punkte für eine Überprüfung des Jahresabschlusses. Im Anlassfall sollten Sie die Fragen als Ausgangspunkt für eine tiefergreifende Plausibilitätsprüfung nehmen.

Wirtschaftliche Entwicklung

  • Welche Ursachen gibt es für auffällige Veränderungen einzelner Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung bzw Bilanz?
  • Wie haben sich die Ergebnisse wie EBIT (Betriebserfolg), Finanzerfolg und Jahresüberschuss entwickelt. Welche Ursachen stecken dahinter? Welche außerordentlichen bzw einmaligen Erträge und Aufwendungen gab es?
  • Wie haben sich der Cash Flow sowie die damit zu finanzierenden Investitionen bzw Schulden-tilgungen entwickelt?

Gewinnverwendungsvorschlag

  • Ist im Prüfbericht ein Gewinnverwendungs-vorschlag enthalten? Wie soll eine geplante Dividende finanziert werden? Steht die Dividendenhöhe im Einklang mit der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens?

Bewertung

  • Wurden im Vergleich zum letzten Bilanzjahr Änderungen der Bewertungsgrundsätze des Vermögens vorgenommen, zB die Abschreibungsdauer?
  • Thematisieren Sie die Einbringlichkeit und Sicherheit der Forderungen (Außenstände).

Rückstellungen

  • Rückstellungsbildungen und -auflösungen können die Höhe des Jahresüberschusses stark beeinflussen. Schenken Sie diesen daher Beachtung und hinterfragen Sie große Bewegungen.
  • Gibt es Risiken und zukünftige Aufwendungen, für die keine Rückstellungen gebildet wurden?

Haftungen

  • Welche Haftungen (Bürgschaften etc) bestehen, sind diese angemessen im Jahresabschluss abgebildet?

Konzernbeziehungen

  • Achten Sie auf Geschäftsbeziehungen zwischen Konzernunternehmen (Warenverkäufe, Material- und Komponenteneinkäufe, Mieten, Leasing, Forderungen und Kredite). Verrechnungspreise und Bewertungen der Leistungsströme können das Ergebnis maßgeblich verzerren.
  • Wie ist die wirtschaftliche Lage der Konzerngesellschaften (Eigenkapital, Jahresüberschuss)? Gibt es gefährdete Gesellschaften, wenn ja, welche Auswirkungen sind auf Ihr Unternehmen zu befürchten?

Managementvergütung

  • Gibt es Stock-Options-Pläne für das Management? Wurde darüber im Anhang berichtet? Welche Belastung entsteht dadurch für das Unternehmen?

Bestätigungsvermerk

  • Ist der Bestätigungsvermerk eingeschränkt? Gibt es eine Ergänzung des Prüfers?

Redepflicht des Wirtschaftsprüfers

  • Hat der Prüfer Sachverhalte angeführt, die den Bestand des Unternehmens gefährden könnten?
  • Wie ist es um die Kapitalausstattung sowie die Finanzkraft des Unternehmens bestellt? Ergibt sich aufgrund der URG-Kennzahlen ein Reorganisationsbedarf? (Eigenkapitalquote < 8 % und Verschuldungsdauer > 15 Jahre)
  • Wie sieht die aktuelle Liquidität aus? Diese Frage sollte im Vordergrund stehen, wenn die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit im Raum steht.
  • Bei Feststellung bestandsgefährdender Tatsachen sollte eine Fortbestandsprognose angefordert werden, welche die Ursachen sowie die Analyse der derzeitigen Schieflage enthalten sollte. Andererseits sollten auch Maßnahmen des Managements zur Beseitigung der Krise festgehalten werden. Die geplanten Maßnahmen sollten verbal erläutert und deren Wirksamkeit zahlenmäßig dargestellt werden.