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Die wichtigsten Neuerungen zur Abschlussprüfung

Die Finanzkrise 2008 hat das Vertrauen in die Qualität der Rechnungslegung und der Abschlussprüfung massiv erschüttert. Nach mehrjährigen Verhandlungen wurde auf europäischer Ebene eine Reform der Abschlussprüfung mit dem Ziel beschlossen, einerseits die Unabhängigkeit der Abschlussprüfer zu stärken, andererseits die Qualität der Abschlussprüfung zu erhöhen. Die Änderungen betreffen vor allem kapitalmarktorientierte Unternehmen, das sind Banken, Versicherungen und börsennotierte Unternehmen. Im Rahmen der nationalen Umsetzung wurden zwei Gesetze beschlossen, das Abschlussprüfungsrechts-Änderungsgesetz und das Abschlussprüferaufsichtsgesetz (APAG). Nachstehend die wichtigsten Neuerungen, die für Geschäftsjahre gilt, die nach dem 17. 6. 2016 beginnen.

Erstmals externe Rotation der Abschlussprüfer

Banken, Versicherungen und börsennotierte Unternehmen sind erstmals verpflichtet, in bestimmten Abständen den Abschlussprüfer und die Prüfungsgesellschaft zu wechseln. Es gilt der Grundsatz, dass zehn Jahre genug sind. Nach Ablauf der Übergangsfristen kommt die externe Rotation erstmals ab Juni 2020 (d.h. für Jahresabschlüsse mit Abschlussjahr 2021) zur Anwendung. Betroffen sind zunächst jene Unternehmen, die zum 16. Juni 2014 mehr als 20 Jahre von derselben Prüfungsgesellschaft geprüft werden. Nach vier Jahren „Abkühlphase“ kann die Prüfungsgesellschaft wieder bestellt werden.

Der Wechsel des Abschlussprüfers innerhalb der Prüfungsgesellschaft ist bereits jetzt geltendes Recht und betrifft neben den kapitalmarktorientierten auch die nicht börsennotierten XL- Unternehmen (Umsätze > 200 Mio Euro, Bilanzsumme > 100 Mio Euro, Arbeitnehmerinnen > 250). Die geltende Regelung, wonach ein interner Prüferwechsel nach fünf Jahren stattzufinden hat, wurde von fünf Jahre auf sieben Jahre verlängert. Die „Abkühlphase“ von zwei auf drei Jahre verlängert.

Stärkung des Prüfungsausschusses durch zusätzlichen schriftlichen Bericht

Der Prüfungsausschuss (auch von XL- Unternehmen) wird stark aufgewertet. Dieser bekommt einen zusätzlichen schriftlichen Bericht zum Abschlussprüfbericht. Ziel ist es, die Kommunikation zwischen Abschlussprüfer und Prüfungsausschuss zu verbessern. Der Zusatzbericht hat ua zu enthalten: Umfang und Zeitplan der Prüfung, Kommunikation mit dem Prüfungsausschuss, Prüfungsmethoden, Bewertungsmethoden, Mängel im internen Finanzkontroll- oder Rechnungslegungssystem, Schwierigkeiten, die während der Abschlussprüfung aufgetreten sind, Verstoß gegen gesetzliche Vorschriften, sonstige Sachverhalte, die für die Aufsicht über den Rechnungslegungsprozess bedeutsam sind. Der schriftliche Zusatzbericht wird damit eine wichtige Ergänzung zum Abschlussprüfbericht darstellen und stellt inhaltlich die wichtigste Neuerung dar.

Nichtprüfungsleistungen nur mit Zustimmung des Prüfungsausschusses

Um die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers zu verbessern, wurde die Erbringung von zusätzlichen Nichtprüfungsleistungen (z.B. Steuerberatungs- oder Bewertungsleistungen) durch den Abschlussprüfer weitgehend eingeschränkt. Darüber hinaus bedürfen die noch erlaubten Beratungsleistungen der vorherigen Zustimmung durch den Prüfungsausschuss. Der Prüfungsausschuss muss hierbei die europäischen Unabhängigkeitsbestimmungen beachten, dazu zählen etwa bestimmte Obergrenzen für das Gesamthonorar (max. 70 % der Prüfungshonorare im Durchschnitt der letzten drei Jahre). Die Bestimmungen zu den Nichtprüfungsleistungen gelten nur für Banken, Versicherungen und börsennotierte Unternehmen. Für die genannten kapitalmarktorientierten Unternehmen sind noch weitere neue Regelungen vorgesehen: So muss der Prüfungsausschuss insgesamt mit dem Unternehmenssektor vertraut sein und ist künftig verpflichtet, Empfehlungen zur Überwachung des Rechnungslegungsprozesses abzugeben. Erweitert wurde auch der Bestätigungsvermerk für Banken, Versicherungen und börsennotierte Unternehmen. Hierbei geht es vor allem um die Beurteilung von Risiken aufgrund wesentlicher Falschdarstellungen.

Befreiungsbestimmungen für XL-Unternehmen

Hält das Mutterunternehmen unmittelbar oder mittelbar mehr als 75% der Anteile ( bislang 100%) und werden die Pflichten des Prüfungsausschusses auf Konzernebene erfüllt, ist bei großen, nicht börsennotierten XL- Unternehmen ( Größenkriterien siehe oben ) kein Prüfungsausschuss einzurichten. Wird die Befreiung in Anspruch genommen, dann ist der Zusatzbericht des Abschlussprüfers sowohl dem Mutterunternehmen als auch dem Aufsichtsrat des Tochterunternehmens zu übermitteln. Besteht der Aufsichtsrat eines XL- Unternehmens aus weniger als vier Mitgliedern (Kapitalvertreter), ist kein Prüfungsausschuss einzurichten. In diesem Fall nimmt der Gesamtaufsichtsrat die Agenden des Prüfungsausschusses wahr.

Neue unabhängige Abschlussprüfer-Aufsichtsbehörde

Neben diesen umfangreichen inhaltlichen Änderungen wurde auch das System der Abschlussprüferaufsicht grundlegend auf neue Beine gestellt. Die Aufsicht und das Qualitätssicherungssystem für Abschlussprüfer wurde im Rahmen des neu geschaffenen Abschlussprüfer-Aufsichtsgesetz – APAG – umorganisiert, welches das bisherige Abschlussprüfungs-Qualitätssicherungsgesetz (A- QSG) ersetzt. Im Mittelpunkt steht die Schaffung einer eigenen, letztverantwortlichen und unabhängigen Behörde. Diese neue „Abschlussprüfer-Aufsichtsbehörde ( ABAB ) übernimmt die Aufgaben der bisherigen Behörden und unterliegt verschärften Unabhängigkeitserfordernissen im Verhältnis zum Berufsstand und verfügt über mehr Kompetenzen.

Angesichts der erheblichen öffentlichen und volkswirtschaftlichen Bedeutung, die Unternehmen von öffentlichem Interesse ( PIE's ) auf Grund des Umfangs, der Komplexität und der Art ihrer Geschäftstätigkeit zukommt, werden an Abschlussprüfern und Prüfungsgesellschaften, die PIE’s prüfen, strengere Maßstäbe als bisher angelegt.

Regelmäßige Inspektionsprüfungen bei PIE's

Zusätzlich zu den geltenden Qualitätssicherungsprüfungen unterliegen die PIE's auch regelmäßigen Inspektionsprüfungen. Diese werden durch berufsunabhängige, bei der Behörde angestellte, Inspektoren durchgeführt. Darüber hinaus können auch Berufsangehörige, insbesondere Qualitätssicherungsprüfer, bei den Inspektionen als Sachverständige mitwirken.

Fazit

Nach langjähriger Debatte wurden mit den beiden Gesetzen auch im Bereich der Abschlussprüfung erste Lehren aus der Finanzkrise gezogen. Die Neuregelungen (insbesondere die externe Rotation ) stärken die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers und erweitern die Aufgaben des Aufsichtsrats bzw. des Prüfungsausschusses. Als neues wertvolles Instrument für AufsichtsrätInnen wird sich der neue schriftliche Zusatzbericht im Prüfungsausschuss erweisen.

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