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Basel IV ante portas:Die Regulierungswelle hält an

Während sich die Banken noch mitten in der Feinabstimmung ihrer Basel III Eigenmittelberechnungen zu den durchwegs komplexen Übergangsregeln (Phaseing in – Phaseing out) befinden, kündigen sich bereits neue Regulierungsinitiativen an, die in der Branche unter dem Schlagwort „Basel IV“ diskutiert werden. Genauer gesagt sind es bereits konkrete Vorschläge des Baseler Ausschusses zur Überarbeitung der bestehenden Regeln zur Berechnung der Mindesteigenmittelanforderungen (Säule I). Während der Fokus von Basel III auf den anrechenbaren Eigenmitteln lag (welche Instrumente und Posten erfüllen die Kriterien für anrechenbare Eigenmittel), nimmt Basel IV die andere Seite der Gleichung ins Visier, nämlich die Modelle zur Berechnung der Höhe der vorzuhaltenden Eigenmittel.

Kreditrisiko-Standardansatz neu

Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht veröffentlichte ein Konsultationspapier zur grundlegenden Überarbeitung des Kreditrisiko-Standardansatzes ( KSA ). Mit dem Ziel, die Abhängigkeit der Eigenmittelunterlegung von den Beurteilungen externer Ratingagenturen zu reduzieren und die Risikosensitivität des KSA zu erhöhen, soll die Ermittlung der Risikogewichte weitgehend von externen Ratings entkoppelt werden, und stattdessen auf Basis einer Matrix aus Risikokennzahlen der Gegenparteien ermittelt werden.

So etwa sollen Risikopositionen gegenüber Unternehmen auf Basis der Verschuldungsquote sowie des Umsatzes ermittelt werden, wobei die Gewichte zwischen 60 % und 300 % annehmen können (bisher im Normalfall maximal 100 %). Forderungen gegenüber anderen Banken erhalten in Abhängigkeit der harten Kernkapitalquote (CET 1 Quote) und einer Kennzahl für die Assetqualität (Non-Performing Assets Quote) ein Risikogewicht zwischen 30 % und 300 % (bisher für österreichische Banken in Abhängigkeit des externen Ratings oder des Sitzstaaten-Ratings im Normalfall zwischen 20 % und 100 %). Für Wohnimmobilienkredite sollen das Verhältnis des Kreditbetrages zum Verkehrs- oder Marktwert (Loan-to-Value Ratio ) sowie der Schuldendienstdeckungsgrad (Debt-Service Coverage Ratio ) als Risikotreiber dienen und dabei Gewichte zwischen 25 % und 100% ergeben (bisher bei Erfüllung der Voraussetzungen für Wohnimmobilienbesicherungen 35 %). Sollten die erforderlichen Informationen nicht vorhanden sein, ist grundsätzlich das höchste Risikogewicht anzuwenden.

Für Nachrangige Darlehen und Eigenmittelinstrumente wird die Einführung einer neuen Forderungsklasse vorgeschlagen. Nachrangige Verbindlichkeiten und andere hybride Kapitalinstrumente sollen ein Risikogewicht von 250 % erhalten. Für Aktien, die an anerkannten Börsen gehandelt werden, ist ein Risikogewicht von 300 % vorgesehen. Alle anderen Kapitalanteile sollen ein Risikogewicht von 400 % erhalten.

Die mit großer Spannung verfolgte Frage, ob die Null Prozent Gewichtung für Forderungen gegenüber Europäischen Staaten, Länder und Einheiten des öffentlichen Sektors („Sovereign Debt“) wegfällt oder weiterhin bestehen bleibt, wurde in den vorliegenden Vorschlägen des Basler Ausschusses bisweilen ausgeklammert und soll demnächst gesondert behandelt werden.

Reformierung der standardisierten opRisk Berechnungsmethodiken (Standard- und Basisindikatoransatz)

Ebenso im Bereich des operationellen Risikos sollen die einfachen Ansätze Basisindikatoransatz (BIA), Standardansatz (TSA) und Alternativer Standardansatz (ASA) überarbeitet werden, welche auch eine Zusammenführung von Basisindikator- und Standardansatz vorsehen.

Derzeit wird bei den einfachen Ansätzen im Grunde davon ausgegangen, dass die Eigenmittelunterlegung pauschal mit einem Faktor in Höhe von 12 %, 15 % oder 18 % des Dreijahresdurchschnitts der Betriebserträge vorgenommen werden soll. Eine genaue Überprüfung der einfachen Messansätze ergab Zweifel, ob diese Annahme des linearen Zusammenhangs zwischen dem Ertrag bestimmter Geschäftsfelder und dem Risikogehalt eine angemessene Eigenmittelunterlegung darstellt. Insbesondere bei großen Banken sollen die einfachen Ansätze zu einer Unterschätzung des operationellen Risikos führen.

Die Überarbeitung zielt zum einen auf die Verfeinerung des Indikators für operationelle Risiken sowie auf die Verbesserung der Kalibrierung des regulatorischen Koeffizienten, und zum anderen auf die angemessene Implementierung der Grundsätze für solides Management von operationellen Risiken ( Principles of the Sound Management of Operational Risk ), ab.

Der neue SA sieht die Ersetzung des bisher verwendeten Bruttoertrags als Indikator für operationelle Risiken durch einen Geschäftsindikator (Business Indicator – BI) vor, der auf drei Komponenten der Erfolgsrechnung basiert: die Summe aus Zins, Dienstleistungs- und Finanzkomponente:

Zinskomponente = Absolutbetrag ( Zinsertrag – Zinsaufwand )

Dienstleistungskomponente = Provisionsertrag + Provisionsaufwand + sonstige betriebliche Erträge + sonstiger betrieblicher Aufwand

Finanzkomponente = Absolutbetrag (Netto GuV im Handelsbuch) + Absolutbetrag (Netto GuV im Bankbuch)

Bemerkenswert ist, dass bei der Dienstleistungskomponente die Aufwands- und Ertragsposten Vorzeichenneutral addiert werden, statt den Saldo zu bilden. Dies führt im Regelfall zu einer Vervielfachung der diesbezüglichen Beiträge zum Indikator. Auch für die Finanzkomponente sind Verluste oder Gewinne im Handelsbuch sowie auch im Bankbuch gleichermaßen maßgeblich.

Die in den aktuellen Ansätzen vorgesehene Nichtberücksichtigung negativer Bruttoerträge einzelner Jahre für die Durchschnittsberechnung oder eine Saldierung über die Geschäftsfelder ist im neuen SA nicht mehr möglich.

Des Weiteren berücksichtigt der überarbeitete SA auch die Bankengröße. In dieser Hinsicht werden die Geschäftsfeldbasierten Koeffizienten abgeschafft, und nunmehr eine größenabhängige Unterteilung der Bemessungsgrundlage BI in fünf Intervalle eingeführt, in denen die dazugehörigen Koeffizienten von 10 % bis 30 % ansteigen können. Um Klippeneffekte beim Wechsel in ein anderes Intervall zu vermeiden, wird ein progressiver Ansatz der regulatorischen Koeffizienten vorgeschlagen (Systematik wie ein progressiver Steuersatz):

Intervall j für BI ( € Mio.) Koeffizient αj „effektive“ Koeffizienten innerhalb eines Intervalls
0 – 100 10% 10%
> 100 – 1,000 13% 10 % – 12,7%
> 1,000 – 3,000 17% 12,7% – 15,57%
> 3,000 – 30,000 22% 15,57% – 21,36 %
> 30,000 30% 21,36 % – 30 % ( approx)

Zum Beispiel wird für eine Bank, die einen BI von € 500 Mio. hat, der Koeffizient von 13 % nur für die Summe von € 400 Mio. ( = 500 - 100 ) angewendet. Für die restlichen € 100 Mio. ist der Koeffizient von 10 % relevant. Die Summe für diese Bank ist € 62 Mio., welche einem effektiven Koeffizienten von 12,4 % entspricht.

Weitere Änderungen und Implikationen für österreichische Banken

Zudem soll neben einem fundamentalen Review der Berechnungsmethodiken für die Eigenmittelunterlegung von Handelsbuchrisiken auch eine veränderte Festlegung der Eigenmitteluntergrenze bei der Verwendung interner Modelle erfolgen. Die Entwürfe des Basler Ausschusses lassen erwarten, dass sich die Eigenmittelunterlegung in der Säule I signifikant erhöhen wird. Auch wenn die vorgeschlagenen Änderungen noch Gegenstand eines Konsultationsprozesses auf Basler Ebene sind und erst noch von der EU in die Gesetzgebung übernommen werden müssen, ist eine frühzeitige Auseinandersetzung mit diesen Zukunftsthemen angezeigt.

Banken sollten sich durch Simulationen des Kapitalbedarfs, der Überprüfung der Betroffenheit einzelner Geschäftsaktivitäten und gegebenenfalls der Analyse der Vorteilhaftigkeit der Beantragung interner Modelle für die Eigenmittelberechnung auf die neuen Anforderungen vorbereiten.

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