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AK Unternehmensradar: Große Unternehmen kamen sehr gut durchs erste Corona-Jahr

Um eine Schnelleinschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung der größten Unternehmen des Landes durchführen zu können, erstellte die AK Wien im Dezember 2021 zum vierten Mal den AK Unternehmensradar. Insgesamt wurden 800 Jahresabschlüsse für 2020, die bereits vorlagen (üblicherweise neun Monate nach dem Bilanzstichtag, Fristerstreckung wegen Corona auf bis 12 Monate), einer Analyse unterzogen. In diesen Unter­nehmen, die im Jahr 2020 zusammen einen Umsatz von 228 Milliarden Euro und dabei einen Gewinn von 12,6 Milliarden Euro erzielt haben, sind mit 608.000 Arbeitnehmer:innen knapp ein Sechstel aller Erwerbstätigen beschäftigt.

Gute operative Gewinnspannen, zweistellige Renditen für die Eigentümer:innen

Der erste Blick in die 800 Bilanzdaten der größten Kapitalgesellschaften des Landes bringt Erstaunliches zu Tage. Trotz Lockdowns konnten die Unternehmen gute operative Gewinnspannen und zweistellige Renditen für die Eigentümer:innen erzielen. Die Jahresüberschüsse, also der Gewinn inklusive Zuschüsse, Beteiligungserträge konnte sogar gegenüber 2019 leicht zulegen. Die Zeit der Vorsicht und Zurücknahme bei den Dividenden und Ergebnisabfuhren war jedoch auch nur von kurzer Dauer. Die geplanten Ausschüttungen für das Bilanzjahr 2020 erreichen wieder ein Rekordniveau. Von den Gewinnen des Bilanzjahres 2020 wird mit einer Ausschüttungsquote von 82,5 % das Niveau der Vorjahre übertroffen. Es werden mehr als vier Fünftel der erwirtschafteten Gewinne an die Eigentümer:innen abgeführt. Stellt man die Ausschüttungen in Relation zur Bruttolohn- und Gehaltssumme – die sogenannte Ausschüttungstangente – wird erst die Schieflage in der betrieblichen Verteilungspraxis sichtbar. Diese liegt bei sehr hohen 40,1 %. Das heißt die Eigentümer:innen bekommen zwei Fünftel gemessen an der Lohn- und Gehaltssumme aller 608 Tausend in diesen Unternehmen beschäftigten Arbeitnehmer:innen an Dividenden und Ergebnisabfuhren ausbezahlt. Während es hier keine Zurückhaltung gab, standen die Unternehmen bei der Investitionsbereitschaft jedoch deutlich auf der Bremse.

Staatliche Unterstützungen sorgen für verbesserte Liquidität

Die Auswertung der Bilanzdaten zeigt bereits über einen längeren Zeitraum hinweg, dass die Unternehmen über eine gesunde, straffe Finanzierungsstruktur verfügen. Im Corona-Jahr 2020 konnten die Unternehmen ihr gutes Eigenkapitalfundament sogar noch weiter ausbauen. Die zahlreichen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen haben dazu geführt, dass die Unternehmen ihre Liquidität ebenfalls deutlich verbessern konnten. Auch der erwartete große Einbruch bei der Wertschöpfung und beim Gewinn pro Kopf blieb aus. Im Gegenteil, während im Jahr 2020 die Wertschöpfung pro Kopf um -3,3 % zurückging, konnte der Gewinn pro Kopf sogar um 2,9 % gesteigert werden. Dank Kurzarbeit gingen in den Großunternehmen im Jahr 2020 „nur“ 1 % der Arbeitsplätze vorläufig verloren und die Bruttoverdienste (Auswirkung der Kurzarbeit bei krisenbedingten moderaten Lohn- und Gehaltsabschlüssen) stagnierten.

Rekordausschüttungen und KÖSt Senkung - eine sinnvolle Kombi?

Neben den überzogenen Ausschüttungen stellt sich einmal mehr die Frage, ob die Senkung des Körperschaftssteuersatzes wirklich notwendig erscheint. In den großen Kapitalgesellschaften liegt im Jahr 2020 der effektive Steuersatz mit 20,7 % deutlich unter der angedachten Senkung von 23 %. Bezogen auf die Betriebsleistung (bzw. Umsatz) liegt die Gewinnsteuer gerade einmal bei 1,35 %. Eine zu hohe Besteuerung des Unternehmensstandorts kann daraus wohl kaum abgeleitet werden.

AK Unternehmensradar

Ausgabe 2021

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