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AK UNTERNEHMENSRADAR

Der AK Unternehmensradar 2019 ermöglicht einen Blick auf die wirtschaftliche Lage der bedeutendsten österreichischen Kapitalgesellschaften. Insgesamt wurden 800 Jahresabschlüsse, die zum Untersuchungszeitpunkt im Dezember 2019 vorlagen (neun Monate nach dem Bilanzstichtag zum 31.12.2018), einer Analyse unterzogen. In diesen Unternehmen, die zusammen einen Umsatz von 230 Milliarden Euro erzielt haben, sind mit 641.000 ArbeitnehmerInnen etwa ein Sechstel aller Erwerbstätigen beschäftigt. Das Ergebnis des Unternehmensradars kurz zusammengefasst:

Unternehmen zeigen gesunde, straffe Finanzierungsstruktur

Die großen Kapitalgesellschaften konnten in den Hochkonjunkturjahren nicht nur gute Gewinne einfahren, sondern verfügen über ein solides Finanzierungsfundament.

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Corona Krise ist vor allem der Blick auf die finanzielle Stabilität der Unternehmen von zentraler Bedeutung. Verfügen die Unternehmen über ausreichend Reserven um etwaige Verluste abzufangen und sind die Unternehmen in der Lage ihre finanziellen Verpflichtungen zu begleichen?

Die Auswertung der Bilanzdaten zeigt bereits über einen längeren Zeitraum hinweg, dass die Unternehmen über eine gesunde, straffe Finanzierungsstruktur verfügen. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote konnte sich die letzten Jahre kontinuierlich verbessern und liegt 2018 bei 38,7 Prozent. Drei Viertel der Unternehmen verfügen über EK-Quoten von 22,8 Prozent, lediglich bei 3,8 Prozent der untersuchten Unternehmen liegt die Eigenkapitaldecke unter dem kritischen Wert von 8 Prozent, welchen das Unternehmensreorganisationsgesetz (URG) vorsieht. Diese Unternehmen verfügen über zu geringe Reserven, um etwaige Verluste abzudecken. Überhaupt nur sieben der achthundert großen Unternehmen sind buchmäßig überschuldet.

Auch die Zahlungsfähigkeit (Liquidität) – ein weiterer Stabilitätsfaktor – erweist sich als äußerst solide. Aus den Daten ist auch ersichtlich, dass als mögliche Lehren aus der Finanz- und Wirtschaftskrise die heimischen Unternehmen in der letzten Dekade sukzessive ihre Zahlungsfähigkeit verbesserten. 2018 liegt der Liquiditätsgrad im Durchschnitt bei sehr guten 116,7 Prozent. Kommt es zu finanziellen Engpässen, so sind die großen Kapitalgesellschaften gerüstet, um mögliche Schwierigkeiten zumindest kurzfristig aus eigener Kraft zu überbrücken. Gerade einmal fünf Prozent der großen Kapitalgesellschaften liegen im Jahr 2018 unter der 50 Prozent Schwelle, und verfügen über eine signifikant zu geringe Ausstattung mit liquiden Mitteln und sind damit akut Insolvenz gefährdet bzw. von Konzernfinanzierungen abhängig.

Anteilseigner sind Hauptprofiteure

Die EBIT-Marge, also die operative Gewinnspanne der österreichischen Großunternehmen hat sich 2018 (im Vergleich zu 2017) zwar etwas reduziert – im Schnitt ergeben sich aber gute 4,8 Prozent Gewinn allein aus dem Kerngeschäft. Damit bleiben den Unternehmen im Schnitt von 100 Euro Umsatz knapp fünf Euro Gewinn. Aus Sicht der EigentümerInnen lohnt es sich Geld in die heimischen Firmen zu investieren, befinden sich die Renditen doch durchgehend im zweistelligen Prozentbereich (14,3 Prozent Eigenkapitalrentabilität).

Für den Unternehmensstandort, die Arbeitsplätze und damit für die Zukunft eines Unternehmens sind die Investitionen von immenser Bedeutung.  In den Jahren 2017 und 2018 wurde aufgrund der sehr guten Konjunktur vermehrt investiert. Die Sachinvestitionen gemessen an der Betriebsleistung und die Investitionsneigung erreichten 2018 einen Spitzenwert. Von 100 Euro Umsatz wurden 4,93 Euro in den Anlagenpark investiert und die durchschnittliche Investitionsneigung lag bei 149,4 Prozent und damit deutlich über den Wertminderungen der Anlagen (Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge etc.).

In der betrieblichen Verteilungspraxis zeigt der AK Unternehmensradar die herrschende Schieflage deutlich auf: Am Erfolg der Unternehmen durften sich bisher primär die AnteilseignerInnen freuen. Die Ausschüttungsquote lag zuletzt mit 80 Prozent auf sehr hohem Niveau. Vier Fünftel der erwirtschafteten Gewinne wurden an die EigentümerInnen abgeführt. Oder anders betrachtet: 36,6 Prozent dessen, was alle 800 Unternehmen gemeinsam an Bruttolöhnen und -gehältern zahlten, wurde ausgeschüttet. Während sich der durchschnittliche Bruttoverdienst zwischen 2016 und 2018 um 4,7 Prozent verbesserte, stieg im selben Zeitraum der Gewinn pro Kopf um satte 19,9 Prozent.

Auch die Steuerleistung – gemessen am Umsatz – bleibt auf niedrigem Niveau, sodass sich aus Standortsicht keine triftigen Gründe erkennen lassen, um mit der Senkung des Körperschaftsteuersatzes beim Steuerwettbewerb nach unten mitzumachen

AK Unternehmensradar 2019

Die vollständige Studie gibt es zum Gratisdownload


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