21.12.2013

Cor­po­ra­te Go­vern­an­ce und Frau­en­för­de­rung

Die jüngste dubiose Informations- und Bilanzierungspolitik börsennotierter Unternehmen (Erste Group Bank AG, Telekom Austria AG …) hat wieder einmal gezeigt, wie sehr es am österreichischen Kapitalmarkt an Transparenz und Kontrolle mangelt.

Der bereits seit 2002 geltende Verhaltenskodex für börsennotierte Unternehmen (Corporate Governance Kodex - CGK) hat daran nichts geändert: Die gutgemeinten Empfehlungen und freiwilligen Kodexbestimmungen schaffen nachweislich nicht mehr Transparenz und Kontrolle. Warum? Die Antwort ist einfach: Bei Nichteinhaltung der Verhaltensregeln sind keine Sanktionen zu erwarten. Wie sieht die österreichische Corporate Governance Realität derzeit aus und hat die jüngste, vielgelobte Kodex-Revision endlich spürbare Verbesserungen gebracht?

Kodex-Report 2011: Allein es fehlt der Glaube

Die Abteilung Betriebswirtschaft hat die Anwendungspraxis des CGK an der Wiener Börse in seiner novellierten Fassung (Jänner 2010) evaluiert. Noch immer geben 15 % kein Bekenntnis zum Kodex ab (u.a. Ottakringer, Porr). Jene Unternehmen die sich dem Kodex unterwerfen, berichten im entsprechenden CG-Bericht äußerst mangelhaft. Best Practice Beispiele sind die absolute Ausnahme: Nur zwei Unternehmen (Do & Co und voestalpine) erfüllen alle Comply or Exlpain Regeln.

Vergütungstransparenz bleibt ein Fremdwort

Für österreichische Vorstände gilt nach wie vor das geflügelte Wort „Über Geld spricht man nicht, das hat man“: Jedes zweite Unternehmen macht aus den individuellen Angaben zur Vorstandsvergütung ein Geheimnis. Das Unternehmen HTI High Technologies Systems AG bringt es auf den Punkt „Eine individuelle Offenlegung ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, weshalb von einer solchen Abstand genommen wird“.

Ähnlich bedeckt geben sich die Börsenunternehmen bei der Berichterstattung über die Einzelveröffentlichung der Aufsichtsratsvergütung: Mehr als ein Drittel hält diese Empfehlung nicht ein. Die besonders in Zeiten von Bilanzskandalen wichtige Empfehlung über die Einrichtung der internen Revision als eigene Stabstelle wird ebenfalls von beinahe jedem dritten Börsenunternehmen nicht befolgt. Dabei kommt gerade der Internen Revision bei der Verhinderung und Aufdeckung von Defiziten oder Wirtschaftsdelikten große Verantwortung zu.

Frauenförderung auf Österreichisch

Die wohl größte Neuerung in Bezug auf Angaben im CG-Bericht ist jene, die erstmals gesetzlich vorschreibt, über Frauenförderungsmaßnahmen zu berichten. Börsennotierte Unternehmen müssen ab dem Geschäftsjahr 2010 offenlegen: „welche Maßnahmen zur Förderung von Frauen in Aufsichtsrat, Vorstand und in leitenden Stellungen gesetzt werden“. Maßnahmen die dringend notwendig sind: Denn an der Wiener Börse sind Mitte des Jahres 2011 lediglich zwei Frauen im Vorstand vertreten, dem stehen 232 Männern gegenüber. Im Aufsichtsrat ist keineswegs mehr Diversität gegeben: In allen Börsenunternehmen sind es nur 7,2 % Frauen, knapp die Hälfte vom Betriebsrat entsandt.

Keine Konzepte, keine Ziele, keine Sanktionen

Die Ergebnisse der erstmaligen Berichterstattung zu den Frauenförderungs-Maßnahmen liefern allerdings einen enttäuschenden Befund: Fast jedes zweite Unternehmen an der Wiener Börse (41 %) hält sich nicht an das Gesetz: 13 % ignorieren die Bestimmung gänzlich, 28 % der Unternehmen führen dezidiert an „keine Maßnahmen“ zu setzen. Jene Unternehmen, die das Gesetz zumindest am Papier befolgen, berichten halbherzig bis ernüchternd, es bleibt vielfach bei Floskeln und Lippenbekenntnissen. Den Berichten fehlt es an umfassenden, strategischen Förderungskonzepten (z.B. Mentoring) sowie an konkrete Zeit- und Zielvorhaben.

Heimat bist du großer Töchter …

Wie der Umgang mit CG sind die vorliegenden Absichtserklärungen der österreichischen Wirtschaft zur Frauenförderung derzeit inakzeptabel: Obwohl Frauen ebenso häufig ein Studium absolvieren und genauso qualifiziert sind wie Männer, bleiben weibliche Führungskräfte in den Aufsichtsrats- und Vorstandsgremien der Wiener Börse deutlich unterrepräsentiert. Wie die aktuelle Evaluierung zeigt, reicht eine vage formulierte gesetzliche Bestimmung ohne klare Zielvorgaben und Sanktionsmöglichkeiten nicht aus, um den gewünschten Erfolg zu erzielen. Konkrete Maßnahmen in Form von Frauen betreten hier häufig einen schmalen Grat.

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