15.12.2020

Mitarbeiterdaten: Nur 49 % informieren über Speicherung

Eine aktuelle FORBA-Befragung von 700 Betriebsräten, gefördert vom AK Digitalisierungsfonds Arbeit 4.0 wirft ein Schlaglicht auf den Datenschutz: Nur 49 Prozent der Betriebsräte sagen, dass ihr Unternehmen die MitarbeiterInnen darüber informiert, welche ihrer Daten gespeichert werden. In den Niederlanden setzte es in einem ähnlichen Fall eine Strafe von 750.000 Euro. 

„Einen mangelhaften Umgang mit Datenschutz gibt es nicht nur bei Plachutta“, sagt Fridolin Herkommer, Leiter des AK Büros für digitale Agenden. „Nur, weil man seinen MitarbeiterInnen Lohn bezahlt, heißt das nicht, dass man mit ihren Daten schalten und walten kann, wie man will!“

Mangelhafter Umgang mit Datenschutz nicht nur bei Plachutta

Die AK hat gegen Plachutta eine Beschwerde bei der Datenschutzkommission eingebracht, weil ArbeitnehmerInnen ihre Arbeitszeitaufzeichnungen per Handflächenscan unterzeichnen müssen. Die Zustimmung dazu bei Unterzeichnung des Arbeitsvertrags ist unfreiwillig, für die Zwecke der Lohnverrechnung ist die Methode aus AK Sicht völlig überschießend.

Der Schutz der MitarbeiterInnendaten wird aber nicht nur bei Plachutta großzügig im Sinne der Unternehmen ausgelegt, die wie Befragung zeigt. „Umgekehrt wird den MitarbeiterInnen aber sehr genau auf die Finger geschaut, wenn es um – vermeintliche oder echte – Geschäftsgeheimnisse geht“, so Herkommer.

Die wichtigsten Ergebnisse

  • Nur 44 Prozent der Betriebsräte sagen, dass der Arbeitgeber Infos zum Datenschutz in schriftlicher Form an die MitarbeiterInnen gibt.

  • Nur 49 Prozent sagen, dass ihr Unternehmen die MitarbeiterInnen darüber informiert, welche ihrer Daten gespeichert werden. 

aber:

  • 92 Prozent geben an, dass der Arbeitgeber die ArbeitnehmerInnen unter Berufung auf die DSGVO verpflichtet, keine Geschäftsdaten weiterzugeben.

  • 77% sagen, der Arbeitgeber verpflichtet die MitarbeiterInnen zur Geheimhaltung in Bezug auf MitarbeiterInnendaten. Das könnte auch z.B. das Gehalt betreffen, wodurch die Aufdeckung von diskriminierenden Einkommensunterschieden schwieriger wird.

Betriebsvereinbarungen gibt es primär zu überschaubaren Systemen, nicht aber zu komplexeren:

  • Wenn Videoüberwachung im Einsatz ist, gibt es dazu in 77 Prozent der Fälle eine Betriebsvereinbarung.

  • Für die Verwendung von GPS bzw. Fahrzeugdaten gibt es schon nur mehr in 44 Prozent der Fälle eine Betriebsvereinbarung.

  • Für die Verwendung von Data Warehouses oder künstlicher Business Intelligence, die für die einzelnen MitarbeiterInnen besonders schwer zu durchschauen und damit zu überprüfen sind, gibt es nur in 30 Prozent der Fälle eine Betriebsvereinbarung!

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