Arbeiter steuert über Laptop Roboterarm © kinwun, stock.adobe.com
Arbeiter steuert über Laptop Roboterarm © kinwun, stock.adobe.com

Digitalisierung im Aufsichtsrat

„Digitalisierung“ ist in aller Munde. Betriebe, Regierungen und BeraterInnen diskutieren über „smarte Digitalisierungsstrategien“, neue und sogenannte „disruptive“ Geschäftsmodelle. Im Raum steht die Frage, wie menschliche Arbeit in der Zukunft aussehen wird, ja sogar, ob sie denn überhaupt noch gebraucht wird. Doch was ist eigentlich „Digitalisierung“?

Digitalisierung im ursprünglichen Sinne

Sucht man nach der eigentlichen Bedeutung des Begriffs, so bezeichnet etwa die Online-Enzyklopädie Wikipedia zunächst einmal „das Umwandeln von analogen Werten in digitale Formate“ als „Digitalisierung im ursprünglichen Sinne“. Dies wäre also das Speichern von hand- oder maschinengeschriebenen Akten in computerlesbaren Formaten (also zB die Einführung einer elektronischen Personalakte). Dieser Prozess ist bereits seit mehreren Jahrzehnten im Gange und erscheint aus heutiger Sicht schon relativ trivial. Aber vor mehreren Jahrzehnten – als die „Digitalisierung im ursprünglichen Sinne“ noch eine neuartige Entwicklung war – wurden durchaus ähnliche Erwartungen, Ängste und Bedenken wie heute formuliert.

Die Digitalisierung im engeren Sinne war ein langer Prozess, der nicht abrupt auf die Betriebe zukam, sondern in vielen einzelnen Schritten bearbeitet werden musste. Bei jedem dieser Schritte gab es mitunter unterschiedliche Interessen von ArbeitnehmerInnen und Betriebsführung/-inhabung, deren Ausgleich immer eine Frage von Verhandlung, Konsens, Konflikt, Macht- und Gegenmacht war. In diesem mehrere Jahrzehnte dauernden Prozesses wurde übrigens auf einen Teil der Herausforderungen mit sehr nachhaltigen Modellen von Arbeitszeitverkürzung reagiert.

Digitalisierung im weiteren Sinne

Wenn heute von Digitalisierung gesprochen wird, ist meistens nicht die Datenspeicherung, sondern „Digitalisierung im weiteren Sinne“ gemeint. Sie wird oft als „Megatrend“ beschrieben, der Arbeit, Wirtschaft und Gesellschaft bereits massiv geändert hat und noch ändern wird. Oft folgen die Begriffe „smart“, „Industrie 4.0“ oder „Big Data“ in einer Schlagwortwolke.

Digitalisierung – so, wie sie heute verwendet wird – beschreibt eigentlich eine Gesellschaftsordnung, in der Daten sowohl von Menschen als auch von Gegenständen ständig erzeugt, verarbeitet und verwendet werden. Die verfügbare Datenmenge wächst damit ins schier Unendliche und es gibt kaum technische und wirtschaftliche Grenzen für deren Austausch und Kommunikation. Und in der Tat: Es ist unbestritten, dass die Menge und Geschwindigkeit des globalen Informationsaustausches alleine im letzten Jahrzehnt eine völlig neue Dimension erreicht hat.

Digitalisierung im engeren Sinne bedeutet das Speichern von Daten (Bilder, Texte, Tonaufnahmen) auf digitalen, dh computerlesbaren Formaten und ist ein Prozess, der in den meisten Betrieben sogar schon abgeschlossen ist.

Digitalisierung im weiteren Sinne – so, wie sie heute in vielen politischen Debatten verwendet wird – beschreibt eine Gesellschaftsordnung, in der immer mehr Informationen zur Verfügung stehen. Die Informationen werden laufend in Echtzeit sowie fast ohne Transaktionskosten kommuniziert und verarbeitet. 

Digitalisierung ist bei alldem nicht „gut“ und auch nicht „schlecht“. Ob und für wen sie „gut“ ist bzw. wer von ihr profitiert, hängt alleine davon ab, in wessen Interesse sie gestaltet wird. Denn Technik ist von Menschen gemacht und kann daher auch im Sinne einer gesellschaftlichen Zielsetzung gestaltet werden.

Im Aufsichtsrat wird das Thema „Digitalisierung“ meist von zwei Seiten diskutiert. Einerseits geht es darum, die Unternehmensstrategien anzupassen oder neue Geschäftsfelder zu entwickeln, Produkte digital zu entwickeln, zu vertreiben oder mit digitalen Dienstleistungen auszustatten, kurz: die Digitalisierung in die Geschäftspolitik und in die Unternehmensstrategie einfließen zu lassen. Dies sind Themen die zwingend im Aufsichtsrat erörtert und beschlossen werden müssen. Dazu ist es notwendig, dass im Aufsichtsrat auch Mitglieder mit soliden digitalen Kompetenzen vertreten sind.

Andererseits verändert die Digitalisierung auch die Arbeit im Aufsichtsrat. Daten können schneller übermittelt werden, mithilfe digitaler Programme können Berichte über die Gesellschaft von den Aufsichtsratsmitgliedern direkt erstellt werden. Dies bringt enormes Potenzial mit sich aber stellt die Mitglieder natürlich auch vor Herausforderungen. Denn wie in der gesamten Wirtschaft und Gesellschaft gilt: Jede Information ist grundsätzlich jederzeit ohne Zusatzkosten und ohne Zeitverzögerung digital abrufbar. Informationen die früher durch die Aufsichtsratsvorsitzenden „gefiltert“ wurden, stehen nun in voller Bandbreite den Mitgliedern jederzeit zur Verfügung. Dies birgt auch die Gefahr, dass die Komplexität massiv steigt und dass durch eine nicht mehr bearbeitbare Informationsflut der Blick für die wesentlichen Fragen verloren geht. Die Datenmenge wird „to big to handle“.

Fazit

Im Aufsichtsrat spielt die „Digitalisierung“ zumindest auf zwei Ebenen eine wesentliche Rolle. Einerseits als digitale Unternehmensstrategie, die jedenfalls diskutiert werden muss. Andererseits durch die Möglichkeit, die Aufsichtsratsarbeit selbst mit digitalen Hilfsmittel und Datenanalyseprogrammen zu bewältigen. Dafür sind digitale Kompetenzen erforderlich, vor allem aber ist es eine Heraus­forderung, den Blick aufs Wesentliche zu behalten.

Links

Kontakt

Kontakt

Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien

Prinz Eugenstraße 20-22
1040 Wien

Telefon: +43 1 50165-0

- erreichbar mit der Linie D -