Chinesische Investoren in Österreich

Im Auftrag der Arbeiterkammer Wien hat die Forba (Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt) untersucht, welche Erfahrungen mit Übernahmen von Unternehmen durch chinesische Investoren in Österreich bisher gemacht wurden. Die Studie wurde von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert. Bei der qualitativen Befragung nahmen betroffene ArbeitnehmervertreterInnen und Geschäftsführungen sowie ExpertInnen teil. Die Studie wurde im Laufe des Jahres 2018 durchgeführt. Die Untersuchung baut auf einer ähnlichen Studie auf, die von der Hans-Böckler-Stiftung im Jahr 2016 für Deutschland durchgeführt wurde. 

Günstiges Umfeld für Investitionen

Österreich bietet in wirtschaftsstruktureller und rechtlich-institutioneller Hinsicht ein günstiges Umfeld für Auslandsinvestitionen chinesischer Unternehmen. Gerade in den Bereichen Umwelttechnik, Maschinenbau, Green Technology, aber auch Hochtechnologie finden sich Nischen, in denen spezifisches Know-how generiert wird, das für chinesische Investoren von entscheidendem Mehrwert sein kann, um am Heimmarkt China, aber auch global wettbewerbsfähig zu bleiben.

Im Vergleich zu Deutschland bleibt die Anzahl an österreichischen Technologieführern und „Hidden Champions“ gerade in jenen Branchen, die im Fokus der „Made in China 2025“-Strategie stehen, allerdings deutlich zurück. Den spezifischen technologischen Wettbewerbsvorteil Deutschlands in den von China als industriepolitisch besonders bedeutsam erachteten Branchen weist Österreich nicht auf.

Nichtsdestotrotz liegt das Hauptmotiv der chinesischen Unternehmen, die sich in Österreich einkaufen, in der Aneignung von spezifischem Know-how und fortgeschrittenen Technologien. Ein weiteres wesentliches Motiv ist die Schaffung von Brückenköpfen in einer strategisch günstigen Lage, um von diesen weiter Richtung Westmärkte zu expandieren, sich weiter zu diversifizieren und Distributionskanäle zu erschließen. 

Kontakt

Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien

Prinz Eugenstraße 20-22
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- erreichbar mit der Linie D -

Angst vor Ausverkauf scheint unbegründet

Angst vor technologischem Ausverkauf oder massenhaftem Abzug von Know-how durch chinesische Käufer scheint zumindest derzeit unbegründet zu sein. In etlichen Fällen wurden österreichische Betriebe aus einer misslichen wirtschaftlichen Lage oder der drohenden Insolvenz gerettet und in allen untersuchten Fällen scheint ein langfristiges Interesse am Engagement in Österreich und am Erhalt des österreichischen Standorts mit seinen für den Investor bedeutenden spezifischen Funktionen zu bestehen. Dementsprechend wurden die Standorte mit dem Einstieg des Investors als Entwicklungs- und Produktionszentren tendenziell aufgewertet, was sich in verbesserten Bilanzdaten und i.d.R. stabilen oder steigenden Beschäftigtenzahlen niederschlägt.

Der in der ChinaInvest 2016-Studie erstellte Befund für Deutschland, dass besonders chinesische Staatsbetriebe (im Unterschied zu privaten chinesischen Investoren) nachhaltige Investitionsstrategien, insbesondere hinsichtlich des Arbeitsplatzerhalts, verfolgen, kann für Österreich weder bestätigt noch verworfen werden. Schon alleine deshalb, weil für eine sinnvolle Gegenüberstellung von chinesischen Staatsunternehmen und privaten Firmen die Größe des Samples für Österreich nicht ausreicht.

Operatives Geschäft bleibt beim lokalen Management

Das operative Geschäft bleibt auch nach dem Einstieg des chinesischen Käufers i.d.R. beim lokalen Management. Dies dürfte u.a. damit zu tun haben, dass der Geschäftsführung vor Ort eine größere Kenntnis der regionalen Marktlage, des rechtlichen und institutionellen Umfelds sowie der Bedarfe der Kundschaft zugetraut wird und die Anzahl an international erfahrenen ManagerInnen aus China nach wie vor begrenzt sein dürfte. Eingriffe des Eigentümers ins operative Geschäft vor Ort finden i.d.R. nicht statt, ein Reportingsystem nach China dürfte aber üblich sein.

Mit dem System der überbetrieblichen Arbeitsbeziehungen und betrieblichen Mitbestimmung ist der chinesische Investor kaum vertraut. Es wird aber als integraler Teil des Investitionsdeals akzeptiert. Kontakt mit den betrieblichen Mitbestimmungsakteuren wird jedoch kaum gesucht. Da die Unternehmensführung auf operativer Ebene i.d.R. dem österreichischen Management anvertraut wird, hat der Einstieg des Investors keine wesentlichen Auswirkungen auf die Unternehmens- und Mitbestimmungskultur. 

Einbindung des Betriebsrats

Im Gegensatz zur für Deutschland beschriebenen Situation lässt sich für Österreich kein Zusammenhang zwischen dem Grad der Einbindung des Betriebsrats in den Übernahmeprozess einerseits und der Nachhaltigkeit der vom neuen Eigentümer verfolgten Investitionsstrategie andererseits nachweisen. Zum einen ist für einen solchen Nachweis die Fallzahl an untersuchten Betrieben zu gering, zum anderen dürfte in den untersuchten Betrieben in Österreich für den neuen Eigentümer die Arbeitnehmervertretung insgesamt einen geringeren Stellenwert als Gesprächspartnerin genießen als dies für Deutschland der Fall ist.

Als „Garanten der Qualitätsproduktion“ wie in Deutschland werden Betriebsräte und Gewerkschaften von den chinesischen Eigentümern eher nicht gesehen. Dies könnte an der mangelnden Präsenz und Sichtbarkeit der betrieblichen Mitbestimmungsakteure gegenüber dem Investor sowie der mangelnden Unterstützung der betreffenden Betriebsräte durch die Gewerkschaften in Österreich liegen. Zur Überprüfung dieser Hypothese bedürfte es jedoch weiterer qualitativ-empirischer Forschungsarbeiten.