Warum Österreichs Kurzarbeitsmodell besonders gut ist

Im Vergleich zu vielen anderen Kurzarbeitsmodellen in Europa hat das österreichische Kurzarbeitsmodell viele Vorteile.

Durch das Modell konnte in Österreich mittlerweile für rund 400.000 Menschen der Arbeitsplatz gerettet werden. Das sind doppelt so viele als die Zahl der Menschen, die in den vergangenen Wochen arbeitslos geworden sind. Die Zahl der genehmigten Fälle steigt täglich. Abzüglich der Kosten, die ansonsten für Arbeitslosigkeit anfallen würden, sind die zusätzlichen Kosten überschaubar.

Entwicklung der Kurzarbeit in Österreich © AK Wien, AK Wien
Entwicklung der Kurzarbeit in Österreich © AK Wien, AK Wien

Was macht das österreichische Kurzarbeitsmodell im internationalen Vergleich besonders?


Erstens: Dass vom Nettogehalt 80 bis 90 Prozent ersetzt werden. In Deutschland sind es beispielsweise nur 60 bis 67 Prozent.

Zweitens: Das österreichische Modell, das von den Sozialpartnern verhandelt wurde, ist besonders gerecht, weil es Geringverdienende die es besonders schwer haben, besser absichert als viele andere Kurzarbeits-Modelle. Menschen mit niedrigerem Einkommen bekommen bis zu 90 Prozent des Lohnes zurückerstattet, Menschen mit hohem Einkommen 80 Prozent.

Drittens: Das österreichische Modell sieht eine Sozialpartnerbeteiligung vor. Im Idealfall gibt es einen Betriebsrat, der das Kurzarbeits-Übereinkommen ausverhandelt und verhindert, dass Menschen in Kurzarbeit geschickt werden und trotzdem voll arbeiten müssen. Durch die Einbindung von Betriebsräten können solche Missbrauchsfälle verhindert werden. Auch eine ordentliche Prüfung der Anträge durch das AMS ist notwendig, damit es nicht zu nachträglichen Rückzahlungen kommt und Missbrauch der Leistungen so gering wie möglich gehalten werden könnte.

Dass das Arbeitsmarktservice unter der ÖVP-FPÖ-Regierung weniger Personal bekommen hat, hat nun zur Folge, dass es an Personal fehlt. Die Flut an Anträgen und die Administration der dramatisch gestiegenen Arbeitslosigkeit muss nun unter Personalmangel bewältigt werden – es besteht die Gefahr eines Rückstaus bei den arbeitsmarktpolitischen Aufgaben des AMS, über die unmittelbare Bewältigung der COVID Krise hinaus.Das österreichische Kurzarbeitsmodell wird von Unternehmen aus den verschiedensten Branchen verwendet. Auffällig ist aber dass Saisonunternehmen, insbesondere im Tourismus, das Modell weniger oft in Erwägung gezogen haben, sondern stattdessen ihre Beschäftigten in der Arbeitslosigkeit zwischenparken. 

Kontakt

Kontakt

Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien

Prinz Eugenstraße 20-22
1040 Wien

Telefon: +43 1 50165-0

- erreichbar mit der Linie D -