19.9.2019

Lohnentwicklung in den Westbalkanländern, Moldawien und der Ukraine

Das Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) hat im Auftrag der AK Wien die Lohnentwicklung in den sechs Westbalkanländern Albanien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien, Kosovo und Moldawien und der Ukraine untersucht. Fazit: Es ist noch Luft nach oben. 

Seit 2007 ist die Entwicklung der Reallöhne in den acht Staaten durch stetiges Wachstum gekennzeichnet. Am stärksten war der Reallohnzuwachs im Kosovo (plus 88 Prozent), in Moldawien (plus 73 Prozent) und in der Ukraine (plus 61 Prozent) – den ärmsten Ländern der Region. Hier ist das Konvergenzpotenzial in Bezug auf Produktivität und damit auch Löhne am höchsten. In Albanien, Bosnien, Montenegro und Nordmazedonien lagen die Zunahmen jeweils zwischen 16 und 25 Prozent. In Serbien erhöhte sich der reale Bruttomonatslohn zwischen 2007 und 2018 nur um 7,0 Prozent. 

Trotz schnelleren Reallohnwachstums ist es jedoch in den meisten der acht Länder kaum zu einer Konvergenz der Löhne, gemessen zu EUR-Kaufkraftparitäten (KKP), an das österreichische Niveau gekommen. Unter den Ländern der Region haben lediglich Albanien, Moldawien und der Kosovo im Jahrzehnt zwischen 2008 und 2018 eine nennenswerte Annäherung von Kaufkraft der Reallöhne an das österreichische Niveau erreicht (siehe Grafik). Zu EUR-KKP erreichte der durchschnittliche Bruttomonatslohn 2018 in Moldawien, der Ukraine und Albanien zwischen 20 und 30 Prozent des österreichischen Niveaus, in Serbien, dem Kosovo und Nordmazedonien rund 40 Prozent und in Montenegro und Bosnien etwa 50 Prozent.

Grafik © Tea Mina Jaramaz
© Tea Mina Jaramaz

Hinsichtlich der Relation zwischen Reallohnwachstum und dem Fortschritt der gesamtwirtschaftlichen Arbeitsproduktivität 2007-2018 bestehen starke länderbezogene Unterschiede: In der Ukraine, Moldawien, dem Kosovo und Nordmazedonien stiegen die Reallöhne jeweils deutlich stärker als die Arbeitsproduktivität. Etwa im Gleichklang entwickelten sich Reallöhne und Arbeitsproduktivität in Bosnien und Montenegro. In Serbien und Albanien hingegen blieb die Reallohnentwicklung jeweils signifikant gegenüber dem Fortschritt der Stundenproduktivität zurück.

Lohnverhandlungsmechanismen

Aufgrund der anhaltend sehr hohen Arbeitslosigkeit hat sich die Verhandlungsmacht der unselbstständig Beschäftigten trotz des Beschäftigungsanstiegs nur geringfügig verbessert.

Die Arbeitsmarktinstitutionen und deren Entwicklung in den vergangenen Jahren dürften den Lohnanstieg eher gebremst haben. Generell sind kollektivvertragliche Mechanismen in den Ländern der Region wesentlich schwächer entwickelt als etwa in Österreich. Obwohl der Abdeckungsgrad der unselbständig Beschäftigten durch Kollektivverträge – trotz jüngster Rückgänge – immer noch relativ hoch ist, wird deren Reichweite durch den geringen Anteil der unselbständig Beschäftigten an der Gesamtbeschäftigung begrenzt. 

Institutionelle Reformen im Bereich der Arbeitsbeziehungen sind daher nötig, um zu einer kräftigeren Lohnentwicklung und damit zu einer mehr ausgeglichenen Einkommensverteilung zu kommen. 

Unsere Forderungen

Die AK und das wiiw empfehlen folgende Maßnahmen:

  • Etablierung bzw. Stärkung von überbetrieblichen Lohnkollektivvertragsverhandlungen
  • Verankerung des Günstigkeitsprinzips (Betriebs-KV kann nur günstigere Regelungen enthalten als der Branchen-KV)
  • stärkere Mitwirkung der Gewerkschaften an der Festlegung der Mindestlöhne
  • Abschaffung von Regulierungen, die die Gründung von Gewerkschaften erschweren und ihre Handlungsmöglichkeiten einschränken.

Kontakt

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Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien

Prinz Eugenstraße 20-22
1040 Wien

Telefon: +43 1 50165-0

- erreichbar mit der Linie D -

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