23.7.2020

Corona-Krise verstärkt ungerechte Aufteilung von unbezahlter Arbeit

Zu Beginn der Corona-Krise wurden Stimmen laut, die Krise werde als „Gleichmacherin“ zwischen Geschlechtern wirken. Väter im Homeoffice würden sehen, wie viel Zeit die überwiegend von Frauen geleistete Kinderbetreuung und Hausarbeit in Anspruch nehmen. Daher würden sie in Zukunft eher bereit sein, einen größeren Anteil der unbezahlten Arbeit zu übernehmen. Zudem würden durch Homeoffice besonders Frauen entlastet, da diese Art des Arbeitens die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert. 

Frauen tragen die Hauptlast

So schön – so falsch! Denn eine Studie von Forscherinnen der WU Wien und der Arbeiterkammer Wien hat gezeigt, dass die Corona-Krise und in dieser vor allem der Lockdown die bereist davor bestehende Arbeitsteilung von Frauen und Männer in Paarhaushalten noch zusätzlich verstärkt hat. Sprich die zusätzlich anfallende unbezahlte Arbeit in Form von Kinderbetreuung und Homeschooling wurde während des Lockdowns überwiegend von Frauen übernommen. Kurzes Fazit: Frauen tragen die Hauptlast.

Zwischen 11 und 15 Stunden arbeiteten Frauen und Männer pro Tag während des Lockdowns – bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammengezählt. Alleinerzieherinnen kamen mit knapp 15 Stunden am Tag auf die höchste Stundenanzahl – neun Stunden davon unbezahlte Kinderbetreuung und Hausarbeit. In Paarhaushalten mit Kindern arbeiteten die Mütter 141/4 Stunden, davon 91/2 unbezahlt, die Väter knappe 133/4 Stunden, davon knapp 7 unbezahlt. Frauen arbeiteten also pro Tag zweieinhalb Stunden mehr unbezahlt, in einer 5-Tage-Woche bedeutet das eineinhalb zusätzliche Arbeitstage!

Grafik © Tea Mina Jaramaz
© Tea Mina Jaramaz

Homeoffice und Kinderbetreuung geht sich nicht aus!

Die Ökonominnen der Studie warnen daher vor einem Rückfall in Richtung traditioneller Geschlechterrollen. 

Auch die AK hat eine klare Position: Homeoffice und Kinderbetreuung zusammen geht sich nicht aus.

Was es daher braucht:

  • Investitionen in den Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen mit Öffnungszeiten, die zu den Arbeitszeiten erwerbstätiger Eltern passen und einen entsprechenden Betreuungsschlüssel aufweisen. Dafür braucht es mehr Geld. In der EU liegen die Ausgaben für Kinderbildung im Schnitt bei 1 Prozent des BIP, in Österreich sind es aktuell nur 0,67 Prozent. Das bedeutet 1,2 Milliarden Euro zusätzlich im Jahr, damit Österreich das EU-Niveau erreicht.

  •  Ausbau der Ganztagesschulen, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf längerfristig gesichert ist.
     
  • Klare Regeln für das Arbeiten im Homeoffice – klare Trennung von Arbeitszeit und Freizeit.
     
  • In der aktuellen Corona-Krise muss die Sonderbetreuungszeit bis Jahresende 2020 ausgeweitet und mit einem Rechtsanspruch ausgestattet werden.

  • Wir brauchen gesicherte Daten über unbezahlte Arbeit. Denn nur so lassen sich Wechselwirkungen von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Männern und Frauen analysieren. Österreich soll sich daher in der EU an der Zeitverwendungserhebung beteiligen.

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