21.8.2019

Mehrwert-, Mineralölsteuer & Co: Alle zahlen Steuern!

Der österreichische Staat hat 2018 laut Statistik Austria 163 Milliarden Euro aus Steuern und Abgaben eingenommen. Der größte Brocken mit 29 Milliarden Euro ist die Mehrwertsteuer. Eine neue Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes WIFO räumt mit einem gängigen Mythos auf: Alle Haushalte zahlen Steuern, auch jene mit einem niedrigen Einkommen!

Ein wesentlicher Grund dafür sind die sogenannten indirekten Steuern oder Konsumsteuern. Diese umfassen die Mehrwertsteuer und andere Verbrauchssteuern, etwa die Mineralölsteuer oder die Alkoholsteuer. Sie werden fällig, wenn ein Gut gekauft oder konsumiert wird, etwa beim Lebensmitteleinkauf oder beim Bezahlen der Miete. Bei den Konsumsteuern gilt für alle – unabhängig vom Einkommen – derselbe Steuersatz.

Konsumsteuern: WenigverdienerInnen stärker belastet!

Einkommen kann ausgegeben, also konsumiert, werden oder es wird beiseitegelegt, also gespart. Einkommensschwache Haushalte müssen einen größeren Anteil ihres Einkommens für den Konsum aufwenden, beispielsweise für Miete oder Lebensmittel. Haushalte am oberen Ende der Einkommensverteilung können hingegen einen beträchtlichen Anteil ihres Einkommens sparen. Da diese auch viel häufiger im Eigentum wohnen, wird auch keine Mehrwertsteuer für die Miete fällig. Konsumsteuern belasten daher die BezieherInnen niedriger Einkommen viel stärker als die BezieherInnen hoher Einkommen.

Alle zahlen Steuern! © AK Wien
Alle zahlen Steuern! © AK Wien


WIFO Studie: WenigverdienerInnen zahlen 17,1 Prozent an indirekten Steuern, BesserverdienerInnen „nur“ 5,9 Prozent

Auch eine neue Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes WIFO zeigt: Die Haushalte mit den höchsten Einkommen (10. Zehntel) beziehen gemeinsam 26 Prozent des gesamten Bruttoeinkommens. Davon bezahlen sie im Durchschnitt 5,9 Prozent an indirekten Steuern. Die Haushalte mit den niedrigsten Einkommen (1. Zehntel) beziehen gemeinsam lediglich 2,5 Prozent des gesamten Bruttoeinkommens, davon fließen jedoch 17,1 Prozent in die indirekten Steuern. Das ist mehr als der dreifache Anteil am Vergleich zum obersten Zehntel. Auf einkommensschwache Haushalte drückt besonders die hohe Mehrwertsteuerbelastung durch die – in den vergangenen Jahren – stark steigenden Mieten.  

Mehr Ungleichheit

Konsumsteuern sind regressive Steuern: Je höher das Einkommen, desto niedriger der Anteil des Einkommens, der für indirekte Steuern aufgewendet wird. Die Lohnsteuer ist in Österreich hingegen eine progressive Steuer: Der Anteil des Einkommens, der in die Lohnsteuer fließt, steigt mit dem Einkommen. Progressive Steuern wirken umverteilend. Aber die Konsumsteuern wirken dem umverteilenden Effekt der Lohnsteuer entgegen und erhöhen die Ungleichheit.

Noch mehr Fakten kompakt zusammengefasst?

Jetzt Newsletter abonnieren!

Kontakt

Kontakt

Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien

Prinz Eugenstraße 20-22
1040 Wien

Telefon: +43 1 50165-0

- erreichbar mit der Linie D -