27.2.2020

IFES-Studie: Mehrheit findet, Reiche zahlen zu wenig Steuern

Österreich braucht einen Gerechtigkeits-Schub bei den Steuern. Das zeigt eine neue IFES-Studie. Denn 65 Prozent sind der Meinung, dass reiche Menschen in Österreich zu wenig Steuern bezahlen.

Die IFES-Umfrage zeigt auch, dass es 46 Prozent (sehr) ungerecht finden, wer wie viele Steuern bezahlt. Nur 17 Prozent finden unser Steuersystem (sehr) gerecht. Ebenfalls 46 Prozent sagen, es ist (sehr) ungerecht, wer wie viel Vermögen in Österreich besitzt. (Sehr) gerecht finden die Vermögensverteilung 19 Prozent. 

Grafik © Tea Mina Jaramaz
© Tea Mina Jaramaz

Auch Millionäre müssen ihren Beitrag leisten 

„Viele Befragte teilen die Meinung der Arbeiterkammer und finden das Steuersystem in Österreich sehr ungerecht, während sie Vermögenssteuern gerecht fänden. Hier muss also etwas passieren“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl. „Hören wir auf damit, uns ständig zu fürchten: Reden wir über Modelle zur Besteuerung großer Vermögen. Reden wir darüber, dass auch Millionäre ihren Beitrag leisten müssen.“ 

Die große Mehrheit sagt, dass sich Reiche durchsetzen können, nur drei (!) Prozent finden es sehr gerecht, wer wieviel Steuern zahlt. „Die AK macht sich daher für ein gerechteres Steuersystem stark. Alle müssen die Party zahlen, nicht nur die, die arbeiten“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl. „Es geht dabei einerseits um Gerechtigkeit, es geht aber auch um die Finanzierung wichtiger sozialstaatlicher Leistungen und um große Fragen wie die Zukunft der Pflege oder die sozial gerechte Bewältigung der Klimakrise.

Es gibt eine krasse Schieflage bei den Vermögen

  • Die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung haben mehr Vermögen als alle anderen zusammen.
  • Die Hälfte der Menschen in Österreich hat so gut wie gar kein privates Vermögen. Meist haben sie – wenn überhaupt – nur ein Auto und ein kleines Sparbuch.
  • Das Vermögen der breiten Mitte ist der Sozialstaat mit öffentlichen Schulen, Krankenhäusern, Wohnbauten, Verkehrsmitteln.
  • Das reichste 1 Prozent erbt im Durchschnitt über 3 Millionen Euro – steuerfrei.
  • Normalverdiener erben oft gar nichts, der Durchschnitt liegt hier bei 120.000 Euro.
  • ArbeitnehmerInnen und KonsumentInnen zahlen 8 von 10 Steuereuros.

Kaum ein Industrieland hat so wenig Vermögenssteuern wie Österreich. Österreich liegt hier im OECD-Vergleich an drittletzter Stelle. Hätte Österreich Vermögenssteuern im OECD-Schnitt, würde das 6 Milliarden. Euro pro Jahr ins Budget spülen. Das ist so viel wie die öffentliche Hand für alle Kindergärten und Volksschulen ausgibt. Reiche nutzen Steuerschlupflöcher: Das ist nicht immer illegal, aber immer unfair gegenüber jenen, die mit ihren Steuern den Sozialstaat finanzieren.

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