24.9.2019

Klimaschutz muss 3,7 Millionen Beschäftigte berücksichtigen

„Klimaschutz gelingt nur mit den 3,7 Millionen Beschäftigten in Österreich“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl zur aktuellen Klimaschutzwoche. Zusätzlich 10 Milliarden Euro mindestens müssten im Laufe der nächsten 10 Jahre investiert werden, davon allein 5,5 Milliarden Euro in den Ausbau der Öffis, zwei Milliarden in saubere Heiz- und Kühlsysteme und eine Milliarde in die thermische Sanierung. 

„Wir müssen an vielen Schrauben drehen. Es gibt intelligente Lösungen, die allen helfen, statt die einen gegen die anderen auszuspielen“, fordert Anderl. So würde beispielsweise das Recht auf eine Vier-Tage-Woche vielen helfen, lange Fahrtzeiten zur Arbeit zu sparen. Auch bei der Energiewende fordert die AK Präsidentin faire Lastenverteilung und eine Reform des Energieeffizienzgesetzes. Die Umstellung auf 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen muss fair gestaltet werden. „Das wird viel Geld kosten.  Es kann nicht sein, dass die privaten Haushalte und die Kleinbetriebe den Großteil der nötigen Investitionen ins Stromnetz und den Ökostrom schultern“, so Anderl.

Verkehrswende mit mehr Öffis und Ökobonus für Öffi-PendlerInnen

„Die Verkehrswende kann nur geschafft werden, wenn die Öffis weiter massiv ausgebaut werden. Denn viele Menschen können nicht auf Bahn oder Bus umsteigen, weil sie Schicht arbeiten oder weit von Bus oder Bahn entfernt wohnen.“ Anreize für mehr Öffi-Nutzung will die AK mit einem Öko-Bonus für die PendlerInnen, die Öffis für die Fahrt zur Arbeit nutzen.

Auch ein Recht auf die Vier-Tage-Woche wäre ein Beitrag zum Klimaschutz: Die AK schätzt: Wenn ein Fünftel der Beschäftigten die Vier-Tage-Woche in Anspruch nehmen würde, wären das 885 Millionen Autokilometer und 130.000 Tonnen Treibhausgas weniger. „Ein Beitrag für Mensch und Klima. Wir brauchen viele solcher Ansätze“, so Anderl.

Mehr soziale Fairness fordert Anderl auch beim Flugverkehr: Ein Flugticket innerhalb Europas muss ähnlich besteuert werden wie ein Bahnticket. Der harte Preiskampf im Flugverkehr wird derzeit auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen. „Das muss aufhören“, so Anderl. Dann hat auch die klimafreundliche Bahn auf den kurzen und mittleren Strecken wieder mehr Chancen im Wettbewerb.  

Energiewende:  Energie intelligent nutzen, Lasten fair verteilen

„Nur mit einer deutlichen Reduktion des Energieverbrauches werden wir die Energiewende schaffen“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl. Dies ist nicht mit freiwilligen Maßnahmen zu erreichen. „Wir brauchen eine Reform des Energieeffizienzgesetzes mit ambitionierten Maßnahmen, die tatsächlich zu Energieeinsparungen führen, und eine Behörde mit Biss, die das überwacht.“ Außerdem muss es zusätzliche Förderungen für thermische Sanierungen geben, die auch Menschen mit kleineren Einkommen zu Gute kommen. Förderungen brauchen wir auch für den Umstieg auf saubere Heiz- und Kühlsysteme sowie für den effizienten Ausbau von erneuerbarem Strom – wie Wind und Photovoltaik. Dringend erforderlich ist hierfür das Erneuerbaren Ausbaugesetz, das bereits im April dieses Jahres in Begutachtung gehen sollte.

Die Umstellung des Energiesystems auf saubere Energie ist mit enormen Kosten verbunden. Wichtig dabei ist die gerechte Verteilung der Kosten und eine breite Basis an ZahlerInnen. Für die Industrie und die großen Unternehmen darf es keine ungerechtfertigten Ausnahmen geben. Schon jetzt bezahlen die Haushalte und kleinen Betriebe 41 Prozent der Stromkosten, obwohl sie nur 25 Prozent der Energie verbrauchen. Die Industrie hingegen verbraucht 43 Prozent der Energie, zahlt aber nur 21 Prozent der Kosten. „Wir müssen eine weitere Schieflage zu Lasten der Haushalte vermeiden“, so die AK Präsidentin. „Es darf keine Entwicklung zur Zwei-Klassen-Energiegesellschaft geben: Wer von Energiearmut betroffen ist, muss unterstützt werden. Vor allem bei der Wärmeversorgung müssen die Rechte für Konsumentinnen und Konsumenten geschützt und ausgebaut werden.“

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