23.3.2018
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Industrie 4.0 und betriebliche Mitbestimmung

Die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung stellt nicht nur Unternehmen und ihre Beschäftigten vor große Herausforderungen. Neue Formen der Arbeitsorganisation und -gestaltung, die verstärkte Automatisierung von Arbeitsprozessen und die zunehmende räumliche und zeitliche Entgrenzung von Arbeit haben auch weitreichende Auswirkungen auf die Möglichkeiten betrieblicher Mitbestimmung. Wie können ArbeitnehmervertreterInnen die Transformation eines Industriebetriebs Richtung Vollautomatisierung im Zeitalter der Digitalisierung mitgestalten? Welche Entwicklungsperspektiven eröffnen sich für die betriebliche Mitbestimmung in der Industrie 4.0 und worauf muss dabei besonders geachtet werden? Und welche Rolle spielt dabei die betriebliche Weiterbildung?

Die Fragen zu Industrie 4.0 und betriebliche Mitbestimmung diskutierten der Buchautor Christoph Mandl gemeindam mit den Betriebsräten von AVL List (Reinhard Wimmler) und Magna (Thomas Stoimaier). Anschließend wurde mit Agnes Streißler-Führer (GPA-DJP), Kerstin Repolusk (PRO-GE) und Philipp Schnell (AK Wien) über die Rolle der ArbeitnehmerInnen-Interessenvertretung über Mitbestimmung und Weiterbildung in Betrieben debattiert.

Auswirkungen von Digitalisierung auf die Arbeitsbedingungen

Im Herbst 2016 erfolgte mit Unterstützung und Begleitung des ÖGB Verlag und der AK Wien (Netzwerk Wissenschaft, Betriebswirtschaft, Wirtschaftspolitik) ein Buchprojekt mit dem Titel „Auf der Suche nach Industrie 4.0-Pionieren“. Die Fertigstellung des Werks erfolgte im Sommer 2017 und konnte nun im Rahmen der Veranstaltung präsentiert werden. Der Buchautor Christoph Mandl besuchte acht digitalisierte Produktionsstätten in Europa und den USA und nahm die LeserInnen mit auf seine Reise, indem textlich als auch über Bilder Einblick gegeben wurde, was wirklich hinter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ steckt und wie solche modernen Fabriken aussehen, funktionieren und was sie für die Menschen bedeuten, die darin arbeiten. Eine interessante Erkenntnis war, dass bei den acht besuchten Industriebetrieben keine negativen Arbeitsplatzeffekte entstanden sind, jedoch war das Umlernen und die Weiterbildung, prozessorientierte und menschengerechte Mitbestimmung eine wesentliche Voraussetzung zur Arbeitsplatzabsicherung. Dem Aspekt der Mitbestimmung wurde ein eigenes Kapitel gewidmet.

Diskussion mit Betriebsräten über ihre Erfahrungen

Diskussion mit Betriebsräten  © Daniel Flamme, ÖGB-Verlag

Die Moderatorin Lara Hagen (Der Standard) diskutierte in einer ersten Runde mit den beiden Betriebsräten (AVL List und Magna) – die sich in den beschriebenen Bildern des Buchautors wiederfanden – über den schrittweisen Prozess der Digitalisierung und die Veränderung von Kompetenzprofilen bei der Einführung neuer Technologien ihres Unternehmens.

Die Einführung neuer Technologien sollte auch als Chance für menschengerechtere Arbeitsbedingungen gesehen werden. Dabei ist es die Rolle der betrieblichen Mitbestimmung, eine Schnittstelle zwischen den Beschäftigten und dem Management zu sein. Die Aufgaben des Betriebsrats haben sich ebenso geändert: Neben dem Aufbau von neuen Kommunikationsmöglichkeiten ist es auch die Aufgabe, sich mit der Fülle von Informationen und Daten zu beschäftigten. Sie meinten, dass die Betriebsratsarbeit nicht weniger, sondern mehr Zeit beanspruche. Dafür sei eine Absicherung der betrieblichen Mitbestimmung sowie Aus- und Weiterbildung der betrieblichen ArbeitnehmerInnenvertretung eine wichtige Grundlage für ihre Arbeit.

Podium zu Digitalisierung: Veränderungen mitgestalten

Podium zu Digitalisierung © Daniel Flamme, ÖGB-Verlag

In einer zweiten Diskussionsrunde kamen ExpertInnen der Gewerkschaften GPA-DJP, PRO-GE sowie der AK Wien zu Wort. Dabei zeigte sich eine klare Forderung hin zu betrieblicher Weiterbildung für alle Beschäftigtengruppen, um nicht als Verlierer einer industriellen Revolution zu werden.

In einer immer komplexeren und global vernetzten Welt sei die Qualifizierungsnotwendigkeit ein wesentliches Kriterium, um den ArbeitnehmerInnen neue Perspektiven zu geben und ihnen Zukunftsängste zu nehmen. Darüber hinaus wurde darüber diskutiert, dass es bei der industriellen Revolution nicht nur um technologische Änderungen geht, sondern vor allem auch darum, dass die Rolle der Mitgestaltung im Zuge der sozialen Innovation ein wesentlicher Erfolgsfaktor einer Organisation ist. Aufgrund der Entwicklung neuer Technologien – die mit Organisations- und Investitionsentscheidungen einhergehen – rückt die Corporate Governance stärker in den Mittelpunkt der Unternehmen und somit bietet sich auch für die betriebliche Mitbestimmung neue Möglichkeit der Entfaltung. 

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