AK Frauen.Management. Report: Die Lösung heißt Quote

Seit mehr als zehn Jahren untersucht die Arbeiterkammer Wien den Anteil von Frauen in den Top-Positionen der führenden österreichischen Unternehmen. Große Erfolge sind bis dato ausgeblieben. Dass nur eine gesetzliche Quote wirkt, zeigen Länder wie Frankreich oder Norwegen. In Österreich gibt es die Quotenregelung seit 1. Jänner 2018. Sie gilt für Neubestellungen in den Aufsichtsräten ab diesem Jahr. 

Grafik © Tea Mina Jaramaz

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Während der Frauen-Anteil in den Geschäftsführungen der untersuchten Unternehmen (die 200 umsatzstärksten Betriebe sowie die börsennotierten Unternehmen) sehr gering ist – weit unter zehn Prozent – ist die Situation in den Aufsichtsräten besser. Hier liegt der Anteil bei rund 18 Prozent. Im zehnjährigen Untersuchungszeitraum ist damit kein großer Fortschritt geglückt.

Als Ursachen für die männerdominierten Führungsspitzen ortet Christina Wieser, Betriebswirtin in der AK Wien und Autorin des Frauen.Management.Reports, folgendes: „Rekrutierung vorwiegend aus persönlichen Netzwerken und unstrukturiert ablaufende Auswahlprozesse.“ Ihr Fazit daher: „Nur eine gesetzliche Quotenregelung bringt den gewünschten Erfolg. Deshalb sind wir auch sehr stolz, dass in Österreich nach vielen Jahren der Bemühungen endlich eine solche eingeführt wurde.“

Ein Blick in andere Länder Europas zeigt die Wirkung der Quote:

Während der durchschnittliche Anteil von Frauen in Aufsichts- oder Verwaltungsräten bei 25 Prozent liegt, können Länder mit einer gesetzlichen Regelung mit weit höheren Prozentsätzen aufwarten. So kommt etwa Frankreich auf einen Anteil von 43 Prozent, Norwegen auf 42 Prozent.

In Österreich gilt die gesetzliche Regelung mit einer Quote von 30 Prozent seit 1. Jänner 2018. Wird die vorgeschriebene Quote bei Neubestellungen missachtet, folgt eine Sanktion. Dazu Wieser: „Dann bleibt der Stuhl leer.“

Forderung

Um die neue Regelung besser untersuchen zu können, fordert die AK von der Regierung einen jährlichen Fortschrittsbericht. Aber auch die Unternehmen sind gefordert. So müssen etwa bereits bei der Nachfolgeplanung Frauen stärker berücksichtigt werden. Außerdem bedarf es neuer Arbeitszeitmodelle wie das sogenannte „Top-Sharing“, damit auch Frauen mit Teilzeitjobs die Chance auf eine Führungsposition haben.

Das sagen steirische Expertinnen und Experten

Josef Pesserl, Präsident AK Steiermark: "Mit der Einführung einer verpflichtenden Frauenquote hat sich eine langjährige Forderung der Arbeiterkammer erfüllt! Der europäische Vergleich zeigt, dass eine gesetzliche Quote ein wirksame Instrument ist, den Frauenanteil zu erhöhen. Die derzeit in Österreich vorgegebenen 30 Prozent sollten daher schrittweise angehoben werden."

Ursula Lackner, Landesrätin für Bildung und Gesellschaft: "Ich bin überzeugt davon, dass gute Entscheidungen dann getroffen werden, wenn sie Frauen und Männer gemeinsam treffen. Denn nur so können die unterschiedlichen Perspektiven und Lebensrealitäten von Männern und Frauen gleichermaßen in die Entscheidungsfindung einfließen. Wir brauchen daher in den Führungsebenen in Wirtschaft und Politik eine Ausgewogenheit der Geschlechter. Quotenregelungen und ein regelmäßiges Monitoring, wie es beispielsweise durch den jährlichen Frauen.Management.Report der AK erfolgt, sind sinnvolle Werkzeuge und ein Zwischenschritt, um das Ziel der paritätischen Besetzung von Führungsfunktionen rascher zu erreichen."

Tina Wirnsberger, Stadträtin für Umwelt, Frauen und Gleichstellung: "Im Haus Graz gibt es seit vielen Jahren erfolgreiche, strategische Arbeit, um Frauen in Führungspositionen zu etablieren. So ist es auch gelungen, den Frauenanteil in der ersten Führungsebene von 2011 bis heute auf 35 Prozent zu steigern. Im letzten Jahr wurden in Graz politische Entscheidungen getroffen, die diese Erfolge in Gefahr bringen und große Rückschritte provozieren. So wurde die Frauenquote für Aufsichtsräte ersatzlos gestrichen und wurden die Objektivierungsrichtlinien für die Stellenvergabe deutlich aufgeweicht. Erfolgreiche Gleichstellungspolitik erledigt sich nicht von selbst, sondern braucht klare Regeln und eine aktive strategische Herangehensweise. Dort muss weiterhin unser Fokus liegen."

Heide Cortolezis, Obfrau Verein FELIN: "Wie aktuelle Zahlen aus dem AK.Frauen.Management.Report 2018 und der FELIN Studie zeigen, ist die faktische Gleichstellung der Geschlechter in Führungspositionen noch lange nicht erreicht. Trotz der leichten jährlichen Steigerungen holen Frauen nur sehr langsam auf. Diese Entwicklung, die dem zur Verfügung stehenden Potenzial hochqualifizierter Frauen keinesfalls entspricht, macht Interventionen auf politischer Ebene sowie Netzwerke wie FELIN notwendig. Wir sehen unseren Auftrag in der Bewusstseinsbildung, Netzwerkarbeit sowie in der Mitwirkung zur strukturellen Veränderung."

Christina Wieser, Betriebswirtin AK Wien: "Der Weg zu mehr Frauen in den Spitzengremien ist steinig. Akzeptanzdefizite und Vorbehalte stellen sich als wesentliche Hürden heraus. Zudem zeigen Studien, dass die Aufsichtsratsentsendung in Österreich sehr informell und unstrukturiert abläuft. So enden die Laufbahnen von Frauen zumeist in der zweiten oder dritten Führungsebene, während Männer dank der richtigen Beziehungen, ausgeprägter Präsenzkultur und hoher Sichtbarkeit vergleichsweise geschmeidig an die Spitze gelangen. Nur eine gesetzliche Quotenregelung bringt den gewünschten Erfolg. Deshalb sind wir auch sehr stolz, dass in Österreich nach vielen Jahren der Bemühungen nun endlich eine solche eingeführt wurde."