10.5.2017

AK Dividendenreport: Ausschüttungen knacken 2-Milliarden-Grenze

Die Gewinne der ATX-Unternehmen sind im Geschäftsjahr 2016 kräftig gestiegen. Doch anstatt diese zu einem guten Teil zu investieren und damit die Schlagkraft der Unternehmen für die Zukunft zu erhöhen und wichtige Arbeitsplätze zu sichern, profitieren einmal mehr vor allem die Aktionäre. Denn die Dividenden-Zahlungen klettern um 30 Prozent auf 2,3 Milliarden €. Ausgeschüttet wird teilweise auch bei Verlust oder mehr als der Gewinn ausmacht.

Dividenden in Höhe von 2,3 Milliarden €

Die sich erholende Konjunktur, geringere Wertberichtungen und Abschreibungen sowie sinkende Risikovorsorgen – das zusammen hat dazu geführt, dass die im Wiener Leitindex ATX gelisteten Unternehmen im Geschäftsjahr 2016 ihre Gewinne ordentlich erhöhen konnten – in Summe um rund drei Viertel im Vergleich zu 2015 auf 4,4 Milliarden € (den Aktionären zurechenbares Ergebnis).  

Über dieses Ergebnis dürfen sich vor allem die Aktionärinnen und Aktionäre freuen: Denn sie erhalten in Summe Dividenden in Höhe von 2,3 Milliarden € (plus 30 Prozent). Das entspricht einer Ausschüttungsquote von 51,5 Prozent (für 2015 lag diese bei 70,1 Prozent).  Der Rückgang ist der sehr guten Gewinnsituation geschuldet.  

OMV und Immofinanz: Dividende trotz Verlusten

„80 Prozent der ATX-Konzerne werden im laufenden Jahr ihre Dividendenzahlungen zum Teil kräftig erhöhen“, sagt Markus Oberrauter, Betriebswirt in der AK Wien und Autor des Dividendenreports. Allerdings gehen einige Ausschüttungen auch auf Kosten der Substanz. Oberrauter: „OMV und Immofinanz zahlen ihren Anteilseignern eine Dividende, obwohl sie 2016 Verluste geschrieben haben. Die Uniqa schüttet mehr aus als sie Gewinn erwirtschaftet hat. Auch die Post überweist ihren Ertrag fast zur Gänze an die Aktionäre, während der Beschäftigtenstand Jahr für Jahr sinkt.“  

Positiv-Beispiele: Raiffeisen International und Verbund

Bitte warten, heißt es dagegen für die Aktionäre der Raiffeisen Bank International. Zwar schaffte das Kreditinstitut im Vorjahr den Turnaround, eine Dividende soll allerdings erst wieder im nächsten Jahr fließen. „Hier steht die Stärkung des Eigenkapitals im Vordergrund, was aktuell sicherlich wichtiger ist als Dividenden zu zahlen“, führt Oberrauter die Bank als Positiv-Beispiel an. Wie auch den Ölfeldausrüster SBO, der aufgrund eines Verlusts die Dividenden-Zahlung für das heurige Jahr aussetzt. Ebenfalls positiv ist laut Oberrauter die Entwicklung beim Verbund: Die bereits im Vorjahr in Aussicht gestellte Rücknahme der überzogenen Dividendenpolitik wird 2017 in die Tat umgesetzt, denn trotz gestiegenen Gewinns sinkt die Ausschüttung von 0,35 auf 0,29 € je Aktie. 

Den ersten Platz im Ranking nimmt dagegen die Erste Group ein, die insgesamt knapp 427 Millionen € ausschüttet, gefolgt von der OMV mit fast 392 Millionen € und der Voestalpine mit 194 Millionen € (laut Analystenschätzung).

Ausschüttungen der  ATX Unternehmen 2015-2017

Ausschüttungen in Mio Euro 2015 2016 2017 2) 16/17 3)
Erste Group Bank AG 0 213,4 426,7 plus 100,0%
OMV AG 407,8 326,4 391,7 plus 20,0%
Voestalpine AG 4) 174,8 183,7 194 plus 5,6%
Andritz AG 103,2 137,8 153,2 plus 11,2%
Uniqa Insurance Group AG 129,4 144,8 150,4 plus 3,9%
Österreichische Post AG 131,7 131,7 135,1 plus 2,6%
Telekom Austria AG 33,2 33,2 132,8 plus 300,0%
Lenzing AG 26,6 53,1 111,5 plus 110,0%
Vienna Insurance Group AG 179,2 76,8 102,4 plus 33,3%
Verbund AG 100,8 121,6 100,8 minus 17,1%
Buwog AG 5) 68,7 68,7 74,7 plus 8,7%
Immofinanz AG 0 58 62,4 plus 7,6%
CA Immobilien Anlagen AG 44,5 47,9 60,7 plus 26,7%
Flughafen Wien AG 34,7 42 52,5 plus 25,0%
Conwert Immobilien Invest SE 0 32,6 48,9 plus 50,2%
Wienerberger AG 17,5 23,4 31,6 plus 35,0%
RHI AG 29,9 29,9 29,9 0,00%
Zumtobel Group AG 6) 9,5 8,6 10,8 plus 25,0%
Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment AG 24 8 0 sinkt
Raiffeisen Bank International AG 0 0 0 0,00%
ATX Unternehmen 1.515,50 1.741,60 2.270,10 plus 30,4%

Quelle: ATX Auswertung der AK Wien auf Basis veröffentlichter Konzerngeschäftsberichte; Ausschüttungen auf Basis der Beschlüsse und des Vorschlags für die Hauptversammlung sowie Analystenschätzungen

2) inkl. Analystenschätzungen für Unternehmen mit abweichenden Wirtschaftsjahr (Buwog, Voestalpine und Zumtobel AG)
3) Bei der Berechnung der Veränderungsraten wurden 3 Kommastellen berücksichtigt, daher kann es zu Rundungsdifferenzen kommen
4) Quelle Bloomberg 2. Mai 2017: Median der Dividendenschätzung Voestalpine Euro 1,10 pro Aktie
5) Quelle Bloomberg 2. Mai 2017: Median der Dividendenschätzung Buwog 0,75 Euro pro Aktie
6) Quelle Bloomberg 2. Mai 2017: Median der Dividendenschätzung Zumtobel 0,25 Euro pro Aktie
7) Quelle Bloomberg Stand 2. Mai 2017

Forderung

„Die expansive Ausschüttungspolitik der Börsenunternehmen geht also munter weiter. Dabei ist es höchst an der Zeit, dass die Konzerne diesen Geldhahn etwas zudrehen und dagegen jenen für Investitionen mehr aufdrehen. Es braucht mehr Geld für sichere Arbeitsplätze und für die Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – Stichwort Digitalisierung“, resümiert Oberrauter.