27.06.2018
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AK Unternehmensmonitor

Bereits zum achten Mal nimmt die Arbeiterkammer mittels des AK Unternehmensmonitors die großen Unternehmen unter die Lupe. Mit diesem Instrument wird die wirtschaftliche Performance der größten 1.000 gewinnorientierten Kapitalgesellschaften analysiert. In diesen sind rund ein Fünftel aller unselbständig Erwerbstätigen beschäftigt.  

Gute Gewinne und zweistellige Spitzenrenditen

Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Im Schnitt ergibt sich eine operative Gewinnspanne von 4,3 Prozent. Damit bleiben den Unternehmen von 100 Euro Umsatz mehr als vier Euro an Gewinn. Ein Viertel der Unternehmen erwirtschaftet sogar Quoten von über 7,3 Prozent. Die Sachgüterindustrie erweist sich als besonders ertragsstark. Im Schnitt erzielen die heimischen Industrieunternehmen eine Gewinnspanne von 5,6 Prozent, das beste Viertel sogar über 8,3 Prozent. Vor diesem Hintergrund lohnen sich Investitionen ins Unternehmen. Denn auch die Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals brachte den Gesellschaftern in den vergangenen Jahren zweistellige Spitzenrenditen. Die durchschnittliche Eigenkapitalrentabilität konnte sich 2016 nochmals verbessern und liegt bei sehr lukrativen 11,9 Prozent. Die Hälfte der Unternehmen erwirtschaftete Spitzenrenditen von mehr als 13,9 Prozent. Beim besten Viertel (250 Unternehmen) liegt die Eigenkapitalrentabilität sogar jenseits von 28 Prozent. Von den guten Gewinnen profitieren die Aktionäre, nicht nur durch Renditen und die Steigerung des Unternehmenswertes, sondern auch in Form von sehr hohen Ausschüttungen. Konkret wurden im Durchschnitt 33,4 Prozent der Lohn- und Gehaltssumme an die Eigentümer ausbezahlt. 

Hervorragende finanzielle Stabilität

Die Unternehmen verfügen auch über eine ausgezeichnete finanzielle Stabilität. Im Jahr 2016 wurde die Eigenkapitalquote weiter verbessert und liegt im Durchschnitt bei sehr guten 41,2 Prozent – ein sicherer „Krisenpolster“ für die Zukunft. Nur acht der tausend großen Unternehmen sind buchmäßig überschuldet. Auch die Zahlungsfähigkeit – ein weiterer Stabilitätsindikator – erweist sich mit einem Liquiditätsgrad von 117 Prozent als äußerst zufriedenstellend. Sollte es zu finanziellen Engpässen kommen, sind die großen Kapitalgesellschaften gut gerüstet und verfügen über ausreichend liquide Mittel, um mögliche Schwierigkeiten kurzfristig zu überbrücken. Etwas bescheiden sieht es im Untersuchungszeitraum 2014 bis 2016 mit der Investitionsbereitschaft aus. Im Schnitt liegen die Investitionen zwar deutlich über dem Niveau der Wertminderungen, aber bei einem Viertel der Unternehmen besteht bereits dringender Handlungsbedarf. Die Mittel dazu stünden, wie die Kennzahl, das ungenützte Investitionspotential zeigt, zur Verfügung. Denn die Summe der Ausschüttungen liegt nur geringfügig unter dem Niveau der Sachinvestitionen. Im Industriebereich, wo innovative Investitionen der Schlüssel für einen nachhaltig erfolgreichen Unternehmensstandort sind, liegen die Ausschüttungen um 24 Prozent höher als die Investitionen ins Sachanlagevermögen. Statt den hohen Ausschüttungen könnten Teile davon zielgerichtet für Investitionen eingesetzt werden.

Geringe Beschäftigungszuwächse

Der Beschäftigtenstand in den großen Kapitalgesellschaften hat sich in den vergangenen beiden Jahren wieder etwas erhöht. In den 1.000 großen Kapitalgesellschaften waren im Jahr 2016 im Jahresdurchschnitt 686 Tausend Menschen beschäftigt. Im Jahr 2016 wurden in diesen Gesellschaften in Summe 5.795 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, das entspricht einem Zuwachs von weniger als einem Prozent (0,85%). Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass allerdings in 39 Prozent der Unternehmen in den vergangenen beiden Jahren sogar Arbeitsplätze wegrationalisiert wurden und nicht alle Branchen in gleichem Ausmaß zum Jobwachstum beitrugen.  

Moderate Steuerleistung

Der nominelle, das heißt der im Gesetz verankerte, Steuersatz für Körperschaften liegt seit der letzten Senkung im Jahr 2005 bei 25 Prozent. Der gesetzliche Steuersatz sagt allerdings wenig über die tatsächliche Unternehmensbesteuerung aus. Durch viele bilanzpolitische (Ausnutzung von Bewertungsspielräumen) und konzernpolitische Maßnahmen (Verrechnungspreisgestaltung, Marken- und Lizenzrechte etc.) wird bereits im Vorfeld der im Inland zu versteuernde Gewinn auf ein Minimum gedrückt. Stellt man den bereits reduzierten Gewinn der tatsächlich abgeführten Gewinnsteuer gegenüber, dann liegt der effektive Steuersatz bei den großen Kapitalgesellschaften im Jahr 2016 bei 20,5 Prozent (Industrieunternehmen: 18,7 Prozent) – und damit signifikant unter dem gesetzlichen Steuersatz. Die Ursachen liegen in der Verwertung von Verlustvorträgen, der Gruppenbesteuerung und anderen Steuerbegünstigungen. Da im Vorfeld mit allen Mitteln versucht wird, die Bemessungsgrundlage zu drücken, liefert die effektive Steuerquote keinen ausreichenden Anhaltspunkt für eine Steuer- oder Standortdebatte. Setzt man die Körperschaftsteuer in Relation zur Betriebsleistung, zeigt sich, dass bei den Großen im Durchschnitt von 100 Euro Umsatz gerade einmal 1,22 Euro an Gewinnsteuer abgeführt werden.

Es braucht ein Mehr an gesellschaftlicher Verantwortung der Unternehmen

Bereits dieser geringe Beitrag zur Finanzierung des öffentlichen Haushalts erscheint einigen zu viel. Es gibt im Regierungsprogramm Überlegungen, das strengere Steuerrecht an das Unternehmensbilanzrecht anzugleichen Diese Maßnahmen würden zu einem weiteren Absinken der Steuerbemessungsgrundlage führen. Allerdings gehen die Regierungsideen sogar noch weiter: Von einer Halbierung der Steuer auf nicht entnommene Gewinne bis zu einer generellen Tarifsenkung ist alles möglich. Diese Pläne führen in die Irre und sind das Gegenteil von dem, was Österreich braucht. Die realen Zahlen offenbaren schwarz auf weiß, dass die Unternehmensbesteuerung der großen Kapitalgesellschaften gemessen am Umsatz kein nennenswerter Faktor ist. Wie die Zahlen des AK Unternehmensmonitors auf Basis der veröffentlichten Jahresabschlussdaten zeigen, sind die großen Unternehmen wirtschaftlich sehr gut aufgestellt. Und wie die ersten Konzernzahlen für das Wirtschaftsjahr 2017, sowie die guten Konjunkturzahlen für 2018 und 2019 zeigen, geht es erfreulicherweise auch weiterhin steil bergauf. Dieser Aufschwung muss allen Menschen zu Gute kommen. Es braucht daher ein Mehr an gesellschaftlicher Verantwortung, und nicht ein Weniger in Form von Steuersenkungen oder einer Ausweitung der Arbeitszeit auf 12 Stunden am Tag bzw. 60 Stunden in der Woche. Österreich liegt bei der Wochenarbeitszeit weiterhin im Spitzenfeld, im Jahr 2017 wurden 250 Millionen Mehr- und Überstunden geleistet. Alleine durch die Reduktion des Überstundenvolumens könnten zehntausende neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Es braucht eine gerechtere Verteilung der Arbeit!

Rekord-Geldregen für Aktionäre

Die im Wiener Leitindex ATX gelisteten Unternehmen schütten 2018 die Rekordsumme von 2,8 Milliarden Euro an ihre AnteilseignerInnen aus.

Sprit: Große Preisunterschiede

Hohe Aufschläge auf Autobahntankstellen, große Preisunterschiede innerhalb der Bundesländer, Tirol ist am teuersten. Vergleichen Sie die Preise!

Managergehälter

1,5 Millionen € - so viel verdiente im Schnitt ein Vorstand eines ATX-Unternehmens im Vorjahr. Das entspricht dem 51-fachen Medianeinkommen.

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