24.11.2015
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AK-Stadttagung „Wien wächst – öffentlicher Raum“: AK fordert Aktionsplan – Mehr freie Stadträume für alle

„Straßen, Plätze, Grünflächen, städtische Treffpunkte gehören allen“, sagt der Leiter der AK Abteilung Kommunalpolitik, Thomas Ritt.  Aber immer mehr Flächen werden kommerziell genutzt, als Schanigärten, als Veranstaltungsfläche, als Lager für Baumaterial oder Waren und fehlen dann für andere Nutzungen wie Spielplätze, Ruhezonen, Sitzbänke, kurz Treffpunkte für Menschen in der Stadt. Wien wächst. Weil sich immer mehr Menschen denselben Raum teilen werden steigt der Druck. Es braucht mehr öffentlichen Raum, der frei zugänglich für alle ist. Und dieser öffentliche Raum muss so gestaltet werden, dass sich die Menschen gerne darin aufhalten. „Es geht darum, die Lebensqualität im wachsenden Wien für alle zu sichern und zu verbessern“, so Ritt.

Das jetzt vorliegende Wienprogramm bleibt beim Zukunftsthema öffentlicher Raum zu vage und ohne klare Maßnahmen und Umsetzungsziele.  „Es braucht einen Aktionsplan, der eine faire Verteilung sicherstellt und attraktive Treffpunkte und Freiflächen für alle in ganz Wien langfristig sichert“, fordert Ritt. Denn bis zum Jahr 2030 muss die Stadt einen attraktiven, lebenswerten Stadtraum für über zwei Millionen Wienerinnen und Wiener sicherstellen. „Das Miteinander in der Stadt wird geprägt davon, wie Gehsteige, die Straße, die Innenhöfe, Grünflächen gestaltet werden und wem sie zur Verfügung stehen“, sagt Ritt. „Wenn wir das gute Lebensgefühlt in Wien erhalten und entwickeln wollen, reicht nicht ein bisserl Grün hier und ein bisserl Fußgängerzone dort.“ 

Mehr Bedarf gibt es jetzt schon  

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren wird in Wien allein in den nächsten 10 Jahren um 30.000 ansteigen. Sie brauchen Sport- und Spielplätze und Treffpunkte, die nichts kosten.  Schon jetzt sagen in einer AK Befragung von jungen WienerInnen zwischen 15 und 30 Jahren:  45 Prozent wollen mehr Grün, etwa 40 Prozent wünschen sich mehr Aufenthaltsflächen, weitere 36 Prozent wollen mehr Sporthallen oder Sportplätze nutzen, ohne an einen Verein gebunden zu sein.

Auch die Zahl der älteren StadtbewohnerInnen steigt: Schon im Jahr 2025 werden 50.000 WienerInnen mehr als heute über 75 Jahre sein. Sie brauchen Ruhezonen, Freiflächen, Raum um sich zu bewegen, ähnlich wie die Jungen oder die Familien.

Forderung

Die AK will einen klaren Aktions-Plan für den öffentlichen Raum


  • Straßen, Gehsteige, Plätze und Grünflächen müssen als Lebensraum begriffen und dementsprechend gestaltet werden. Ein gutes Miteinander in der Stadt hängt ganz entscheidend davon ab, ob diese Räume für alle zugänglich und attraktiv gestaltet werden.

  • Gastgärten gehören zu Wien. Aber nicht überall und wenn, dann zu fairen Preisen: In Fußgängerzonen oder Freizeitzonen wie etwa am Donaukanal muss ein klares Gleichgewicht zwischen kommerzieller und nichtkommerzieller Nutzung gesichert werden. Bei der Genehmigung kommerzieller Nutzungen muss mindestens die Hälfte des Aufenthaltsraum auch ohne kommerzielle Nutzung gesichert werden.

  • Der öffentliche Raum gehört allen. Die kommerzielle Nutzung muss fair bezahlt werden. Die Stadt Wien verlangt etwa für die Nutzung von Straßenräumen für Gastgärten oder für die Lagerung von Baumaterial oder Waren im Vergleich zu Schweizer Städten relativ wenig. So liegen die Kosten für die Einrichtung von Schanigärten im überwiegenden Teil des Stadtgebiets bei 1 Euro pro Quadratmeter/Monat und decken kaum den Verwaltungsaufwand. Hier braucht es faire Preise, die auch die Kosten beinhalten, die der Allgemeinheit durch den Verzicht auf Freiflächen entstehen. Die Einnahmen sollten zur Gestaltung von nicht kommerziellen, öffentlichen Freiräumen genutzt werden.

  • Die Konflikte um die Nutzung von Schani-Gärten nehmen zu. Im Interesse der AnwohnerInnen müssen deshalb die zeitlichen Grenzen für die Schani-Gärtennutzung beibehalten werden.

  • Junge Leute brauchen attraktive Freiflächen, für deren Benutzung man nichts bezahlen muss, insbesondere in den dichter bebauten Stadtregionen. Gute Beispiele gibt es schon: Etwa in den Fußballkäfigen am Gürtel. Diese Möglichkeiten muss Wien noch mehr nutzen.

  • Schulturnhallen und Schulsportplätze stehen oft nach dem Unterricht und das ganze Wochenende leer, während die WienerInnen dringend Bewegungsräume brauchen: Dafür sollten Schulturnhallen und Schulsportplätze mehr geöffnet werden. Da gibt es auch noch unterschiedliche rechtliche Voraussetzungen bei Bundes- und Landesschulen. Die AK fordert daher einen zentralen Ansprechpartner, etwa im Stadtschulrat. Der soll helfen, jungen Leuten und nicht nur Vereinen unbürokratisch und schnell Sportmöglichkeiten zu vermitteln.

  • Nur eine Wiese oder Fläche frei zu halten, reicht nicht mehr: Die Gestaltung öffentlicher Treffpunkte muss zu den Menschen passen, die man dort erreichen will. Öffentlicher Raum braucht Qualität.

  • Der öffentliche Raum darf nicht privatisiert werden. Wenn private Eigentümer öffentlich zugängliche Zonen schaffen, gilt die private Hausordnung, nicht mehr die Freiheit, die auf Straßen und Plätzen einer Stadt selbstverständlich ist. Deshalb muss die Oberhoheit über den öffentlichen Raumes eine öffentliche Aufgabe bleiben.
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