19.10.2016

Pendlerumfrage: Die Ergebnisse

Zahl der Ein- und AuspendlerInnen zwischen Wien, Niederösterreich und dem Burgenland steigt seit Jahren und wird bis 2019 rund 250.000 Menschen betragen. Die Pendlerinnen und Pendler der Bahn spüren das durch ein starkes Fahrgastaufkommen und mehr Enge im Zug. Dazu kommen gravierende Änderungen im Fahrplanangebot seit der Inbetriebnahme des neuen Hauptbahnhofs Wien und eine einschneidende Tarifreform im Verkehrsverbund Ostregion.

2.000 PendlerInnen befragt

Die Arbeiterkammern von Wien, Niederösterreich und dem Burgenland haben deshalb rund 2.000 Bahn-PendlerInnen in einer Online-Umfrage zum Fahrplanangebot befragt und die Reaktionen auf die Tarifreform des Verkehrsverbundes gesammelt. Neben Kritik an der Fahrplangestaltung hat sich bei vielen auch Unmut über drastische Härtefälle bei dieser Tarifreform aufgestaut.

Was wir fordern

„Die Bahn darf für die Pendlerinnen und Pendler keine Notlösung sein, sondern muss die bessere

Alternative zum Auto werden. Das geht nur, wenn Verkehrsplaner und Fahrplangestalter ein Angebot schaffen, das mehr Leute in die Bahn lockt, diesen aber auch für die oft langen Fahrten zur Arbeit genug Platz anbietet und sie nicht mit drastischen Tarifreformen vor den Kopf stößt“, sagen die AK Präsidenten Rudi Kaske (Wien), Markus Wieser (Niederösterreich) und Alfred Schreiner (Burgenland).

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v.l.n.r.: Alfred Schreiner (AK Burgenland Präsident), Rudi Kaske (AK Wien Präsident), Markus Wieser (AK Niederösterreich Präsident)

„Bei Tarifreform nachbessern“ 

Markus Wieser, Präsident der AK Niederösterreich, begrüßt die Fusion von VOR und des VVNB (Verkehrsverbund Niederösterreich-Burgenland) grundsätzlich. Er kritisiert jedoch die intransparente und unerklärliche Preissteigerungen, die damit verbunden sind.

„Wer in Kematen an der Ybbs wohnt und in Waidhofen an der Ybbs arbeitet, zahlt für die Jahreskarte um 165 Euro mehr, ein Plus von 39 Prozent, bei einer Strecke von gerade 10 Kilometer. Auch die stark frequentierte PendlerInnen-Strecke von Wiener Neustadt nach Baden kostet um 218 Euro mehr (plus 32 Prozent). Derartige Teuerungen für PendlerInnen müssen abgefangen und ausgeglichen werden. Es kann nicht sein, dass ArbeitnehmerInnen für den täglichen Weg in die Arbeit einen Großteil ihres Monatseinkommens für die Jahreskarte aufwenden müssen“, so Wieser.

Für Teilzeitbeschäftigte gibt es überhaupt kein eigenes Ticket-Angebot, obwohl Pendeln erzwungen ist und negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat. ArbeitnehmerInnen mit langer Pendeldauer klagen signifikant öfter über Zeitdruck und gesundheitliche Belastungen, wie aus dem „Arbeitsklima-Index“ hervorgeht.

Forderung

Neben Nachbesserungen und mehr Transparenz der VOR-Reform braucht es laut Wieser auch einen eigenen Mobilitätspass für einkommensschwache Menschen: „Wer weniger als 1.104 Euro Einkommen hat, soll eine 60-prozentige Entlastung in Anspruch nehmen können.“ Die Finanzierbarkeit wäre leicht möglich. Allein in Niederösterreich wurde von 2013 bis 2015 die Pendlerhilfe des Landes erheblich gekürzt, wodurch 5,1 Millionen Euro weniger an Pendlerinnen ausbezahlt wurden. Würden diese Mittel wieder an einkommensbenachteiligte Menschen ausbezahlt, wäre der Mobilitätspass leicht umsetzbar.

„Mehr Zugverbindung, mehr Sitzplätze!“ 

Die Arbeiterkammer Burgenland führt seit 2006 jeden Dezember im Rahmen einer Fahrplanaktion auf allen burgenländischen Bahnhöfen eine PendlerInnenbefragung durch. Sie erhält so jedes Jahr ein Bild der Stimmung unter den BahnkundInnen, das sich weitgehend mit den Ergebnissen der PendlerInnenbefragung in der Ostregion deckt. 

Die Arbeiterkammer Burgenland legt auch jedes Jahr die aktuellen Ergebnisse der Umfrage den Verantwortlichen der Verkehrsbetriebe und des Landes vor. „So konnten gemeinsam viele Verbesserungen für die Bahn-KundInnen erreicht werden, etwa der Ausbau von Park & Ride-Anlagen in Parndorf und in Mattersburg, Fahrplananpassungen sowie Investitionen in eine verbesserte Fahrgastinformation“, sagt der Präsident der AK Burgenland, Alfred Schreiner. In den vergangenen Jahren ist die Unzufriedenheit unter den burgenländischen Bahn-PendlerInnen insgesamt zwar zurückgegangen, allerdings belasten weiterhin viele negative Faktoren den PendlerInnen-Alltag.

Immer mehr steigen auf die Bahn um

Immer mehr ArbeitnehmerInnen aus dem Burgenland nutzen die Bahn. Das ist eine positive Entwicklung. „Das Platzangebot in den Zügen hinkt diesem Trend aber hinterher. Vor allem in den Abendstunden sind die PendlerInnen-Züge in der Ostregion häufig überfüllt, sodass die Betroffenen auf ihrem langen Heimweg keinen Sitzplatz zur Verfügung haben. Deshalb müssen mehr Zuggarnituren angeschafft und das Platzangebot in den PendlerInnen-Zügen deutlich erweitert werden“, so Schreiner. Viele burgenländische PendlerInnen müssen bis in die Abendstunden in Wien arbeiten. Es fehlen aber attraktive späte Bahn-Verbindungen ins Burgenland. Das Angebot an Verbindungen am späteren Abend muss ausgebaut werden, damit auch diese immer größer werdende Gruppe von ArbeitnehmerInnen die Bahn nutzen kann.

„130 Züge mehr müssen rollen, Bund & Länder müssen investieren“ 

Mehr und bessere Angebote locken mehr Fahrgäste in die Bahn. „Insgesamt braucht es in der Ostregion rund 130 Züge pro Tag mehr ab 2020, wenn die Verkehrsdienste neu bestellt werden“ , sagt Rudi Kaske, Präsident der AK Wien. Dafür müsse in Verkehrsdienste und in Wagenmaterial investiert werden: Die Zugverbindungen der aktuellen Verkehrsdiensteverträge in der Ostregion machen 330 Millionen Euro im Jahr aus. 130 Zugverbindungen mehr würden rund 20 Millionen Euro zusätzlich im Jahr kosten.

Länder am Zug

Hier sind vor allem die Länder gefragt: „Immer mehr Menschen pendeln. Die Länder müssen für ihre BürgerInnen mehr Verkehrsdienste bestellen“, so Kaske. Das Land Wien zahlt derzeit gerade 9 Millionen Euro für die Bahnverbindungen. Wien müsste deutlich mehr in den Ausbau der S-Bahn in Wien und nach Wien investieren. Neue Zuggarnituren werden dringend gebraucht. Die AK geht von rund 50 Millionen Euro Finanzierungsbedarf im Jahr aus, um 170 alte Garnituren möglichst rasch zu ersetzen (rund 1 Milliarde Euro auf 20 Jahre verteilt). Hier müssen Bund und Länder mehr investieren.

Wie ließe sich das finanzieren? 

„Wenn die Länder endlich die flächendeckende Lkw-Maut beschließen würden, brächte das Einnahmen von rund 127 Millionen Euro für die Länder der Ostregion, wobei rund 32 Millionen Euro in den öffentlichen Personenverkehr fließen müssen“, so Kaske. Die Einführung von Mautzuschlägen für Lärm und Abgase bei Lkw auf den Autobahnen wird ab 2017 etwa 40 Millionen Euro jährlich für den Bund bringen. Hier ist laut EU Vorgabe eine Zweckbindung zur Optimierung des Verkehrssystems anzustreben. Auch davon sollte zumindest ein Teil in den Bahnverkehr der Ostregion fließen.

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Verlag: AK Wien
Erschienen: Wien, 2018
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