24.8.2016
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Die S-Bahn kann mehr!

Die Stadt Wien geht mit dem Ausbau der S80 neue Wege: Damit wird eine wichtige Weiche für die Verkehrspolitik in der Ostregion gestellt. Aber das darf nur der Anfang sein.

Wien wächst: So wird der Verkehr in der Ostregion zukunftsfit

Eine Studie der AK zum Potenzial der S-Bahn zeigt: Die S-Bahn ist eine kostengünstige Ausbau-Chance für den öffentlichen Verkehr, die jetzt genutzt werden muss, um den Verkehr in der wachsenden Ostregion zukunftsfit zu machen. Denn der Pkw-Verkehr nach Wien wird bei gleichbleibenden Öffi-Bedingungen zunehmen, um über 52 Prozent bis zum Jahr 2030, und auch der innerstädtische Verkehr wird stark zunehmen.

Die S-Bahn ist kostengünstig

Während der Bau eines U-Bahn-Kilometers bis zu 220 Millionen Euro kostet, kommt der Umbau eines Kilometers bestehender S-Bahn-Trassen auf nur 35 Millionen Euro. Für die Nutzung des derzeit brachliegenden S-Bahn-Infrastruktur-Potenzials sieht die Studie für 34,6 km Schienen und 15 neue Stationen in drei Ausbaustufen Investitionen von 1,4 Mrd. Euro vor. Das würde allein durch die Bautätigkeiten über 10 Jahre rund 3.500 Jobs pro Jahr schaffen.

Hier gibt es Verbesserungsbedarf

  • Die Stadt investiert vergleichsweise wenig in die S-Bahn: Im laufenden Verkehrsdienstevertrag (VDV) bestellt die Stadt Wien S-Bahn-Verbindungen im Umfang von jährlich 9 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2014 gab es rund 400 Millionen Euro Zuschüsse an die Wiener Linien.

  • Zu lange Intervalle: Die Intervalle liegen im Schnitt zwischen 10 und 60 Minuten. Dabei fahren bei verlässlichen kurzen Intervallen und klaren Taktsystemen viel mehr Fahrgäste S-Bahn, wie die S45 (10-Minutentakt) zeigt.

  • Schlecht an die Erfordernisse des City-Verkehrs angepasst: Die S-Bahn im Stadtverkehr braucht schnelles Ein- und Umsteigen. Das geht nur mit Zuggarnituren mit mehr Türen. Im klassischen Regionalzug dauert das zu lange. Außerdem entsprechen viele S-Bahn-Stationen noch nicht den Erfordernissen moderner Öffis: So gibt es noch Stationen, bei denen etwa Rollstuhlfahrer nur mit großen Schwierigkeiten von und zum Bahnsteig kommen.

  • Die Kunden-Infos von ÖBB und Wiener Linien passen nicht zusammen: Die Zugänge zu Bahnsteigen sind nur nach Gleisen, nicht nach Richtungen angegeben. Welche Haltestellen nicht bedient werden, wird nicht genau mitgeteilt. Sinnvolle Weiterfahrten mit Bim, Bus und U-Bahn werden in den S-Bahn-Stationen zu wenig angezeigt. Im Gegenzug werden in den Durchsagen der U-Bahn-Züge der Wiener Linien die S-Bahn-Umsteige-Möglichkeiten nicht angegeben. Derzeit kursieren noch zu viele unterschiedliche Pläne: Erste Verbesserungen bringt ein neuer Netzplan, der S-Bahn und Wiener-Linien-Angebote auf einen Blick darstellt.

Das Fünf-Punkte-Paket der AK

Die S-Bahn kann mehr. Aber dafür muss investiert werden. Die 1,4 Milliarden-Investitionen der vorliegenden Studie sind ein Langzeitprogramm.

1. Bessere Infos für die Fahrgäste

Es braucht eine Informationsoffensive für die Fahrgäste, die die S-Bahn als wichtiges ergänzendes Verkehrsmittel in der Stadt sieht. Hier müssen ÖBB, VOR und Wiener Linien ein Infokonzept aus einem Guss entwickeln.

2. Ausbau von Schienen, Bahnhöfen und Signalanlagen

Die Stadt Wien und vor allem der Bund investieren rund 450 Millionen Euro in den Ausbau der S80 als Ost-West-Verbindung zwischen Hütteldorf und der Seestadt Aspern: Das ist genau der richtige Weg. Die AK will drei Stationen mehr als geplant, um die Linie noch attraktiver für den innerstädtischen Verkehr zu machen. Ausbauten wären auch auf der S45 (Vorortelinie), der Stammstrecke (Floridsdorf - Meidling) wichtig. Eine Station Gräßlplatz könnte die urspünglich geplante Verlängerung der U2-Süd ersetzen.

3. Mindestens alle 15 Minuten!

Im gesamten innerstädtischen S-Bahn-Netz ein 15-Minuten-Takt zum Mindeststandard werden. Mehr Zugverbindungen schaffen schnellere Wege und locken Fahrgäste in die Öffis. Die Verkehrsverbindungen sollten laufend der neuen Schienen-Infrastruktur angepasst werden. Die Stadt muss gemeinsam mit den ÖBB einen Stufenplan aufstellen, der den Ausbau der Schienen und Stationen und die dazu passend wachsende Bestellung der Fahrleistung vorsieht.

4. Die Südbahn viel schneller 4-gleisig ausbauen

Bisher wird auf die Fertigstellung des Ausbaus der Pottendorfer Linie ab 2023 gewartet. Schon jetzt müssten die Planungen fertig gemacht werden, damit dann endlich die Südbahn für die PendlerInnen ausgebaut werden kann.

5. City-S-Bahn einerseits, EinpendlerInnen-S-Bahn andererseits

Bei der S-Bahn im Stadtverkehr treffen beim Fahrgastkomfort zwei Interessenlagen aufeinander: Einerseits braucht eine S-Bahn in der Stadt andere Garnituren, die schnelles Ein- und Aussteigen ermöglichen. Andererseits wünschen sich die EinpendlerInnen aus dem Umland Züge mit vielen Sitzplätzen und möglichst Durchbindungen entlang der wichtigen Umsteige-Bahnhöfe. Hier müsse die ÖBB zwischen beiden Bedürfnissen abwägen und dabei je nach Zug Lösungen finden, um beiden Interressenlagen gerecht zu werden.

Wien wächst - Verkehr

„Es ist höchste Eisenbahn für eine Verkehrspolitik in und um Wien, die mehr über die Ländergrenzen hinausgeht“, sagt der AK Experte Thomas Ritt.

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