2.7.2019

Besser mobil in den Außenbezirken

Beim Preis-Leistungsverhältnis sind die Wiener Öffis im Vergleich zu anderen Verkehrs­betrieben Spitze. Fast 40 Prozent aller Wege erledigen die Wienerinnen und Wiener mit Bus, Bim, U-Bahn oder S-Bahn. Diese Nutzung von Öffis gehört weltweit zum Spitzen­feld.

„Doch ausgerechnet in den Bezirken, in denen das boomende Wien am meisten Bevölkerungs­zuwachs verzeichnet, ist die Versorgung mit öffentlichen Ver­kehrs­an­ge­bo­ten am schwächsten“, sagt der Leiter der Abteilung Kommunal­politik der AK Wien, Thomas Ritt.

Eine Studie der Traffix Verkehrs­planung GmbH im Auftrag der AK zeigt: Rund 300.000 Menschen, vor allem in den Außen­bezirken, haben - anders als die Mehrheit in Wien - keine optimale Öffi-Versorgung mit kurzen Inter­vallen, kurzen Wegen zur Halte­stelle oder Station oder schnellen Linien.

Dabei werden 180.000 Menschen bis 2035 Jahren in den Außen­bezirken dazukommen. Die Stadt Wien hat sich in der Smart-City Strategie einen Rückgang der Wege, die mit dem Auto zurück­gelegt werden, von 29 Prozent auf 20 Prozent zum Ziel gesetzt. Aber derzeit werden in den wachsenden Außen­bezirken immer mehr Autos angemeldet.  

AK-Kommunal­politik-Leiter Thomas Ritt: „Jetzt muss gegen­gesteuert werden. Nur wer schnelle, günstige Öffis in seiner Nähe hat, lässt das Auto stehen.“  

Die Studie: 
Die Studie vergleicht die Versorgung mit Öffi-Angeboten nach zur Verfügung stehenden Verkehrs­mitteln, nach durch­schnitt­licher Entfernung zur nächsten Halte­stelle und nach Bus-Bim- oder Bahn­intervallen und beurteilt diese nach Qualitäts­klassen von A+ bis D.

Deutliche Unter­schiede zeigt die Studie zwischen den Innenstadtbezirken (1. –  9. sowie 15. und 20.Bezirk) und den Außen­bezirken (10. - 14. Bezirk, 16.- 19. Bezirk, 21. -  23. Bezirk) 

Während sich 1,5 Millionen Wiener­innen und Wiener über eine gute bis sehr gute Öffi-Versorgung freuen können, haben 300.000 nur eine mittlere bis schlechte Öffi-Ver­sorgung, viele von ihnen in den Außen­bezirken.

Nach­hol­bedarf

Grafik © Jakob Fielhauer, Traffix Verkehrsplanung GmbH

Laut VOR-Halte­stellen­zählung gilt:

  • 3.500 Halte­stellen gibt es in Wien.
  • 17 pro Quadrat­kilometer in der Innen­stadt
  • 8 pro Quadrat­kilometer in den Außen­bezirken

Das klassisch­e Nah­verkehrs­angebot in Wien ist noch immer strak danach ausgerichtet, vor allem Wege von außen in die Innenstadt zu ermöglichen. Doch die Studie zeigt: Gerade in den Außen­bezirken wird immer mehr quer gependelt, etwa zwischen der Donau­stadt und Florids­dorf.

Grafik © Jakob Fielhauer, Traffix Verkehrsplanung GmbH

Wo die Probleme liegen

  • Vor alle Busse dominieren in den Außenbezirken das Verkehrs­angebot.
  • Stark frequentierte Bus-Linien können ihre Intervalle in den Haupt­verkehrs­zeiten wegen des starken Verkehrs nicht halten.
  • Lange Angebots­lücken, gefolgt von zwei dicht hinter­einander fahrenden Bussen, sind keine Seltenheit.
  • Die Bus-Intervalle betragen außerhalb der Haupt­verkehrs­zeiten zehn Minuten und länger. Sie müssen verkürzt werden.
  • Die Linien werden oft im Zickzack-Kurs durchs Grätzel geführt. Die langen Fahrt­zeiten schüren den Unmut der Fahrgäste.
  • Überdachte Haltestellen fehlen vor allem in den neuen Stadt­entwicklungs­gebieten.
  • Verbindungen mit dem Umland müssen verbessert werden.
  • Mehr Öffis in die Gewerbe­gebiete: In Wien gibt es über 70 großflächige Betriebs­gebiete mit insgesamt 2.100 Hektar Gesamt­fläche. Alleine im produzierenden Bereich sind über 100.000 Menschen beschäftigt. In den Außenbezirken liegt die Mehrzahl der Gewerbe­gebiete: viel Berufsverkehr und wenig Öffi-Anbindung. Wenn es gelingt, gute Öffi-Verbindungen in die Betriebs­gebiete und zurück zu schaffen, hätten viele Menschen eine gute und kosten­günstige Alternative zu Auto auf dem Weg zur Arbeit und zurück.
Grafik © Jakob Fielhauer, Traffix Verkehrsplanung GmbH

Unsere Forderungen

1. Deutliche Ver­besserungen für die Fahrgäste:
Die Haltestellen in den neuen Stadt­gebieten müssen von Anfang an gut ausgestattet sein, mit Wartehäuschen und besseren Infos. Es braucht gute Umsteige­möglich­keiten, schnelle und plausible Linienführung statt Zickzack-Kursen, eigene Bus­spuren und mehr Verbindungen zum Umland.

2. Schon bestehende S-Bahn-Anlagen müssen weiter ausgebaut werden:
Schon jetzt wird mit der S80 eine wichtige Verbindung für die Stadt ausgebaut.  Neue S-Bahn-Strecken braucht es im Norden vorbei am Gewerbe­park Stadlau (Entlastung der Stamm­strecke), entlang der Donau und im Süden nach Oberlaa. Gerade beim S-Bahn-Ausbau kann die Stadt Wien mit wenig Investitionen viel erreichen, weil der Bund 80 Prozent, die Stadt etwa 20 Prozent bezahlt.

3. Ein Aus­bau­paket für die Außen­bezirke im Um­fang von einer Milliarde Euro:

  • 37 Straßen­bahn­kilometern vor allem zwischen den Außen­bezirken, insbesondere zwischen der Donau­stadt und Floridsdorf, sowie im 10., 11. und im 12. Bezirk.
  • Acht neue Bus­verbindungen, die unter anderem die Bezirke auf beiden Seiten der Donau besser verbinden sollen. Auch der künftige Lobau­tunnel könnte, wenn er gebaut wird, eine neue schnelle Donau­querung per Öffi ermöglichen.
  • Neue Bus­schnell­verbindungen zwischen Simmering und Kagran und Simmering und Aspern sowie Bus­beschleunigungen.
  • Auf lange Sicht ist auch über eine Ver­längerung der neuen U2 Richtung Süden über die Gutheil-Schoder-Gasse bis nach Liesing nach­zu­denken.

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