3.11.2017
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Mein Recht auf Arbeit, die nicht krank macht

Mein Recht auf Arbeit, die nicht krankmacht © Tbwa

Das Hamsterrad der Arbeit dreht sich immer schneller. Von immer mehr Menschen wird erwartet, für ihre Firma ständig erreichbar zu sein. Alles andere muss untergeordnet werden, nicht zuletzt die eigene Gesundheit. Wir kämpfen für Arbeitsverhältnisse, die nicht die Gesundheit ruinieren. Und das wird immer wichtiger, denn als Einzelner fällt es schwer, sich dem Druck zu widersetzen. Wer zugibt, dass die persönlichen Grenzen längst erreicht sind, muss oft um den Arbeitsplatz fürchten. Viele arbeiten auch „freiwillig“ in der Freizeit, weil sonst die Arbeitsmenge nicht mehr zu schaffen ist.

Die Realität in drei Zahlen 

  • Allzeit bereit? Für einen Großteil der Beschäftigten trifft das zu. Bei einer Erhebung der AK Niederösterreich gaben 70 Prozent der Befragten an, sie seien permanent erreichbar – auch in der Freizeit, im Urlaub oder im Krankenstand. Mehr ... 

  • Arbeitsleistung „on demand“: Fast die Hälfte der Arbeitgeber in Österreich erwarten von ihren MitarbeiterInnen, immer erreichbar zu sein, zeigt auch eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Randstad Austria. Mehr ... 

  • Jede/r Fünfte arbeitet im Urlaub, ergibt der Arbeitsklima Index der AK Oberösterreich. 

Wer pausenlos arbeitet, lebt auf Dauer gefährlich

  • Zu viel Arbeit macht depressiv: Wer ständig erreichbar ist, hat ein mehr als doppelt so hohes Depressionsrisiko. Der Anteil der Beschäftigten mit Depressionserscheinungen liegt bei ArbeitnehmerInnen, die in ihrer Freizeit nicht oder kaum erreichbar sind, bei 11,3 Prozent. Bei Beschäftigten mit einem hohen Maß an Erreichbarkeit liegt dieser Wert bei 24 Prozent. Das zeigt der DAK-Gesundheitsreport.  
     
  • Zu viel Stress in der Arbeit macht krank: Wer über lange Zeit ohne Erholungsphasen unter Hochdruck arbeitet, riskiert seine Gesundheit – Erschöpfungsdepression (Burnout), Schlafstörungen und Herz-Kreislauferkrankungen und ein erhöhtes Krebs- und Sterberisiko.

  • Teure Krankenstände: Krankenstände wegen arbeitsbedingter psychischer Belastungen verursachen bereits gesamtwirtschaftliche Kosten in der Höhe von 3,3 Milliarden Euro. Geld, das in der Prävention besser aufgehoben wäre. 

  • Krank in die Arbeit: 40 % der Beschäftigten in Österreich gehen krank in die Arbeit – und schaden damit sich selbst und dem Unternehmen. Wer krank arbeiten geht, riskiert einen späteren – oft erheblich längeren – Ausfall, chronische Gesundheitsschäden und Langzeitkrankenstände. Auch die Arbeitsqualität sinkt, Fehler und Unfälle am Arbeitsplatz steigen hingegen und verursachen Kosten in Milliardenhöhe. Verschiedene Untersuchungen weisen dar­auf hin, dass krank arbeitende MitarbeiterInnen einem Unternehmen doppelt bis mehrfach so teuer kommen wie MitarbeiterInnen, die sich krankmelden und auskurieren.
     
  • Mehr Krankenstände durch psychische Überlastung: Beschäftigte ohne arbeitsbedingte Belastungen weisen nur 0,8 Tage krankheitsbedingter Arbeitsausfälle auf, aber 3,3 Ausfallstage sind auf arbeitsbedingte psychische Belastungen zurückzuführen und schon knapp 6 Ausfalltage sind es beim Zusammentreffen psychischer und physischer Belastungen.

  • Zu viel Arbeit lässt die geistige Leistung sinken: Eine Studie der Universität Melbourne untersuchte die Auswirkung von Arbeitszeit auf die kognitiven Fähigkeiten von 3000 Männern sowie 3500 Frauen über 40. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Bis zu 30 Arbeitsstunden pro Woche haben einen positiven Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten. Mehr Arbeitsstunden wirken sich dagegen negativ aus. Beschäftigte, die 60 Stunden oder mehr arbeiten, zeigen in Leistungstests sogar schlechtere Resultate als Personen, die gar keiner Beschäftigung nachgehen. Die ForscherInnen folgern aus den Ergebnissen, dass lange Arbeitszeiten zu einer Verschlechterung der geistigen Leistungen führen. 

Was wir fordern 

  •  Recht auf Nicht-Erreichbarkeit: In der Freizeit, im Urlaub oder im Krankenstand muss einmal Schluss sein mit Arbeit – und zwar ohne negative Konsequenzen für die Beschäftigten.  
  •  Korrekte Teilzeitbezahlung: Auch Teilzeit-Beschäftigte sind massiv von der Entgrenzung der Arbeit betroffen. Sie sind kürzer am Arbeitsplatz, daher werden Besprechungen und betriebliche Koordination über Mobiltelefone und PC immer stärker in die Freizeit verlegt. Doch geleistete Mehrarbeit muss auch bezahlt werden – oder mit Zeitausgleich abgegolten werden!
      
  •  Zeitausgleich mit Zuschlägen: Mehrleistungen von Teilzeitbeschäftigten sollen wie Überstunden mit vollen Zuschlägen bezahlt werden.

  •  Klare finanzielle Regeln für Arbeiten in der Freizeit: Wer sich in der Freizeit für Arbeit bereithalten soll, muss auch bezahlt werden. Dazu braucht es klare finanzielle Regelungen, wie Erreichbarkeit in der Freizeit abgegolten wird, etwa als Rufbereitschaft oder Überstunden.

  •  Betriebliche Gesundheitsförderung verpflichtend einführen – damit MitarbeiterInnen und ArbeitgeberInnen gemeinsam an einer gesundheitsförderlichen Betriebskultur arbeiten können und dabei auch professionell begleitet werden.

  •  Überstunden-Euro: Pro geleisteter Überstunde soll ein Euro vom Arbeitgeber in einen Präventionstopf gezahlt werden. Damit ließen sich zum Beispiel Maßnahmen zur Betrieblichen Gesundheitsförderung oder Präventionsprojekte finanzieren.

  • Arbeitszeitverkürzung, um den gestiegenen Druck in der Arbeit besser zu verkraften – etwa in Form einer Weiterbildungswoche, einer 6. Urlaubswoche nach 25 Jahren oder einer Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit.
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