6.2.2019

Private Miet­kosten sind für junge Wiener­Innen hoch

Teuer, befristet, keine Maklerinfos – Mieten bei Privaten wird immer mehr zum Luxus. Eine Befragung von 503 Wiener­Innen, die das Institut für empirische Sozial­forschung (IFES) für die AK durchgeführt hat, zeigt: Für die Miete in einer privaten Wohnung müssen junge Arbeit­nehmer­Innen durchschnittlich ein Drittel ihres monatlichen Netto-Haushalts­einkommens ausgeben. Die hohen Preise erschwerten für 84 Prozent die Wohnungssuche. Zudem haben zwei von drei Befragten nur einen befristeten Mietvertrag bekommen. 70 Prozent jener, die in eine private Alt­bau­wohnung gezogen sind, gaben an, vom Makler nicht über Miet­zins­ober­grenzen informiert worden zu sein. 

„Wohnen muss jeder“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl. „Die privaten Mietkosten sind in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. Die Menschen, vor allem junge, stöhnen unter den hohen Mietkostenbelastungen. Mit der Mietkostenexplosion muss endlich Schluss sein! Unser Fünf-Punkte-Programm für leistbares Wohnen setzt auf mehreren Ebenen an.“ Ein Wohnbonus zur steuerlichen Absetzbarkeit eines Teils der Wohnkosten soll MieterInnen und EigentümerInnen von Wohnungen und Häusern entlasten; ein neues Mietrecht mit tauglichen Obergrenzen soll Befristungen nur mehr in Ausnahmefällen zulassen; weg mit der Maklerprovision für MieterInnen; wirksame Sanktionen gegen Mietwucher, Maßnahmen gegen Boden­spekulanten und für mehr geförderten Wohnbau.   

AK Hotline

„Beim Wohnen ist von Rechts wegen vieles schwierig. Wir haben für unsere Mitglieder unser Beratungs- und Serviceangebot ausgebaut“, sagt die AK Präsidentin. „Als neue AK Extra Leistung bieten wir ab Mitte Februar eine neue AK Hotline für Miet- und Wohn­rechts­fragen an unter +43 1 501 65 1345. Egal ob Fragen zum Mietrecht, zur Genossenschafts- oder Eigentumswohnung oder Probleme mit dem Makler – die AK Experten helfen weiter!“


Kontakt

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- erreichbar mit der Linie D -

503 junge WienerInnen befragt – zur Studie

Das Institut für empirische Sozialforschung (IFES) führte im Auftrag der AK Wien eine Befragung bei 503 WienerInnen durch. Die Befragten waren maximal 35 Jahre. Interviewt wurden MieterInnen, die innerhalb der vergangenen fünf Jahre eine Wohnung in Wien neu angemietet oder einen befristeten Mietvertrag verlängert haben. Das durch­schnittliche Haushaltseinkommen lag bei rund 2.800 Euro netto im Monat. Die durch­schnittliche Wohnungsgröße beträgt 72 Quadratmeter.  

Schwierige Wohnungssuche

Für sechs von zehn Haushalten war es „eher schwierig“ oder „sehr schwierig“, eine passende Wohnung zu finden. Hier sagten 84 Prozent: Die hohen Preise am Wohnungsmarkt haben ihre Suche erschwert. Für die schwierige Wohnungssuche machten 36 Prozent der Betroffenen die schlechte Qualität vieler Wohnungen und 34 Prozent die teuren Maklerprovisionen verantwortlich. 

Gemeinde-, Genossenschaftswohnung:  Vier Wände für Familien & Jüngere

Die AK Befragung ergab: 28 Prozent der Befragten sind in einen Gemeinde- und 31 Prozent in einen Genossenschaftsbau gezogen – in Summe 59 Prozent. Eine private Mietwohnung haben 41 Prozent der jungen Wienerinnen und Wiener angemietet. Nur ein Drittel dieser privaten Mietwohnungen liegt im Altbau (vor 1945 errichtet), wo Mietrechtsgesetz und Richtwertsystem anzuwenden sind.

Die AK Studie zeigt: Familien mit Kindern ziehen weit überwiegend in eine Gemeinde- oder gemeinnützige Wohnung. Von den befragten Haushalten mit Kindern haben sich 77 Prozent für eine „öffentliche“ Mietwohnung entschieden. Ferner zeigt sich, dass die jüngsten Haushalte (bis maximal 25 Jahre) besonders häufig eine Gemeindewohnung mieten. „‘Öffentliche‘ Mietwohnungen unterstützen die jüngsten Haushalte dabei, flügge zu werden und bieten jungen Familien ein stabiles und gesichertes Wohnen. Das bestätigt, dass genügend öffentliche Mietwohnungen sehr wichtig und nötig sind“, sagt Thomas Ritt, Leiter der Abteilung Kommunalpolitik.“

Private Miete: Ein Drittel des Einkommens geht drauf

Die Befragten gaben an, im Schnitt in einer rund 72 Quadratmeter Wohnung zu leben. Eine private Mietwohnung dieser Größe kostet „kalt“ (mit Betriebskosten und Umsatzsteuer, ohne Warmwasser, Strom und Heizung) über 790 Euro pro Monat. Bei den Gemeindewohnungen beträgt die Bruttomiete (mit Betriebskosten und Umsatzsteuer, ohne Warmwasser, Strom und Heizung) 540 Euro pro Monat – das ist um 32 Prozent weniger als im privaten Segment. Für Genossenschaftswohnungen – mit den meist anteiligen Finanzierungsbeiträgen – müssen im Schnitt knapp 600 Euro pro Monat bezahlt werden, um 25 Prozent weniger als im privaten Segment.  

Für die Miete in einer privaten Altbauwohnung müssen junge ArbeitnehmerInnen durchschnittlich ein Drittel ihres monatlichen Netto-Haushaltseinkommens ausgeben. Bei den Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen beträgt die Miete durchschnittlich 27,8 Prozent des Netto-Haushaltseinkommens. Das verfügbare Einkommen nach den Mietkosten ist also im „öffentlichen“ Segment um über fünf Prozent höher.   

Bei der Befragung zeigte sich erwartungsgemäß: Wer weniger verdient, bei dem geht ein Großteil des Einkommens allein nur für die Miete drauf. Bei einem Netto-Haushaltseinkommen bis zu 1.800 Euro müssen MieterInnen im Schnitt 46,6 Prozent für die Bruttomiete aufwenden. Haushaltseinkommen über 4.000 Euro sind nur mit 22,1 Prozent durch die Mietkosten belastet.  

„Die günstigsten Wohnungen gibt es bei der Gemeinde. Obwohl die Befragten dort nur über unterdurchschnittliche Einkommen verfügen, ist die Mietkostenbelastung nicht höher als bei Genossenschaftswohnungen und deutlich geringer als im privaten Segment“, sagt Ritt. „Hier zeigt sich erstens, wie wichtig die Gemeindewohnungen sind und zweitens, dass sie an die richtigen Leute vergeben werden.“

Immer mehr unsicheres Wohnen

Zwei von drei befragten MieterInnen (64 Prozent), die in eine private Mietwohnung gezogen sind, haben lediglich einen befristeten Mietvertrag. Im Schnitt sind die Mietverträge auf 4,4 Jahre befristet – bei einer ähnlichen Erhebung aus dem Jahr 2003 lag die durchschnittliche Befristungsdauer immerhin noch bei fünf Jahren. 72 Prozent derer, die einen befristeten Mietvertrag unterschrieben haben, beklagten, dass eine passende Wohnung nicht unbefristet zu bekommen war.  

„Befristungen sind nach wie vor ein großes Problem und bedeuten für die Mieter mehr Unsicherheit, langfristiges Planen ist ein Wunschdenken“, sagt Anderl. „Kommt es zu einer Vertragsverlängerung, ist man dem Vermieter hinsichtlich möglicher Mieterhöhungen de facto ausgeliefert. „Es wundert mich nicht, das kaum Familien in eine private Mietwohnung ziehen. Teuer und fast immer befristet, wer kann und möchte in so einem Wohnumfeld seine Kinder großziehen?“, fragt Ritt. 

Privater Altbau: MaklerInnen schweigen über Mietzinsgrenzen

MaklerInnen, die eine private Altbauwohnung vermittelten, schwiegen meist über die Mietzinsbegrenzung. 70 Prozent der Betroffenen sagten, dass sie vom Makler nicht über diese Mietgrenzen informiert wurden. Weitere 25 Prozent wissen gar nicht mehr, ob sie vom Makler diesbezüglich informiert worden wären. Lediglich vier Prozent sagten, dass sie vom Makler auf die Mietzinsgrenzen hingewiesen wurden.  

Dennoch wussten fast 80 Prozent der Befragten über die gesetzlichen Begrenzungen der Miete in privaten Altbaumietwohnungen Bescheid. Deutlich zugenommen hat der Prozentsatz jener MieterInnen, die ihre Miete bereits überprüfen ließen – bei der Studie aus dem Jahr 2013 waren das nur vier Prozent, jetzt sind es 21 Prozent.  

Wie bereits angeführt, wurden von jenen jungen WienerInnen, deren Wohnungssuche „eher“ oder „sehr schwierig“ war, in 34 Prozent der Fälle die teuren Maklerprovisionen beklagt. Von jenen, die in eine private Mietwohnung zogen, sagten 52 Prozent, dass die Maklerprovision ihre Suche erschwerte. 

Anderswo Abstriche machen

Wegen der hohen Mietkosten müssen viele MieterInnen bei sonstigen Ausgaben sparen. Die AK Befragung zeigt: Bei plötzlich nötigen Ausgaben nehmen die finanziellen Einschränkungen zu.  

Konkret: Der überwiegende Großteil der befragten ArbeitnehmerInnen kann die Wohnung problemlos heizen – lediglich für ein Prozent ist das „oft gar nicht möglich“. Eine Woche Urlaub im Jahr in einer zu bezahlenden Unterkunft ist aber nur mehr für 67 Prozent der Befragten „problemlos möglich“. Unverhofft kommt oft: Nur jeder zweite Befragte (51 Prozent) kann „problemlos“ die Rechnung zahlen, wenn unerwartete Ausgaben – etwa für eine neue Waschmaschine anfallen.

Breite Zustimmung zu AK Forderungen

Es besteht breiter Konsens darüber, dass klare gesetzliche Mietzinsgrenzen notwendig sind. 85 Prozent der Befragten plädieren dafür. Ebenso herrscht unter den Befragten weitgehende Einigkeit, dass in Wien noch mehr geförderte Mietwohnungen errichtet werden sollen. Dafür sprechen sich 82 Prozent aus. Schließlich sehen zwei Drittel der Befragten nicht ein, dass die Maklergebühren von den Wohnungssuchenden und nicht von den VermieterInnen bezahlt werden müssen. 

Fünf-Punkte-Programm für leistbares Wohnen

„Die Menschen, vor allem junge Familien, stöhnen über die extreme Belastung bei den Wohnkosten“, resümiert Anderl. „Mit dem Mietpreiswahn muss endlich Schluss sein, Mieter und Wohnungssuchende müssen deutlich entlastet werden.“ Die AK hat ein Maßnahmenpaket geschnürt, das auf mehreren Ebenen ansetzt, um Wohnen günstiger zu machen. 

1) Maximal 500 Euro Wohnbonus: Ein Wohnbonus im Rahmen der Steuerreform, mit dem zehn Prozent der Wohnkosten, maximal 500 Euro, von der Lohn- bzw. Einkommenssteuer abgesetzt werden können. Bei einem Einkommen unterhalb der Einkommenssteuergrenze von 11.000 Euro steuerpflichtigem Jahreseinkommen wird der Wohnbonus als Steuergutschrift ausbezahlt. Bei hohen Einkommen (zwischen 60.000 und 90.000 Euro steuerpflichtigem Jahreseinkommen) schleift sich der Absetzbetrag ein, ab 90.000 Euro steuerpflichtigem Jahreseinkommen und mehr gibt es keinen Wohnbonus mehr. 

Der Wohnbonus folgt einer Haushaltsbetrachtung. Die Wohnkosten können pro Wohnung nur einmal abgesetzt werden. Der Absetzbetrag kann zwischen maximal zwei im Haushalt lebenden Personen je zur Hälfte aufgeteilt werden.

Absetzbare Wohnkosten sind der laufende Mietzins (inklusive Umsatzsteuer) ohne Betriebskosten, der Kauf von Wohnraum, egal ob Neubau oder Ankauf sowie die Sanierung von Wohnraum. Es können die Kosten für maximal 150 Quadratmeter sowie für eigengenützten Wohnraum abgesetzt werden, nicht für Zweitwohnungen oder vermietete Vorsorgewohnungen. 

2) Neues Mietrecht für private Wohnungen: Ein neues Mietrecht für private Wohnungen mit wirksamen Mietzinsobergrenzen, klar definierten und begrenzten Zu- und Abschlägen. Überdies müssen die befristeten Mietverträge abgeschafft werden, außer bei Eigenbedarf für VermieterInnen. 

3) Weg mit Maklerprovision für MieterInnen: Eine entsprechende Regelung muss im Maklergesetz verankert werden, wonach nur der Erstauftraggeber provisionspflichtig ist. Das ist im Regelfall der Vermieter, der seine Wohnung vermieten möchte. Das gilt in Deutschland schon seit Juni 2015.  

4) Wirksame Sanktionen bei Mietwucher. So sollen VermieterInnen etwa bei gesetzwidrig vereinbarten Mietzinsen das Doppelte des unrechtlich kassierten Betrages zurückzahlen. 

5) Mehr geförderter Wohnbau: Mit der Widmungskategorie „Geförderter Wohnbau“ setzte Wien einen Schritt in die richtige Richtung. Zusätzlich müssen Grundstücksreserven, die Bund und Länder besitzen, vorrangig für den geförderten Wohnbau gesichert und verwendet werden.  

Um in Wien mindestens 9.000 neue geförderte Wohnungen pro Jahr zu errichten, müssen auch private Projektentwickler – durch eine Sozialwohnungsverpflichtung – mehr in die Verantwortung genommen werden.

Neue AK Extra Leistung: Hotline Wohnrechtsberatung

„Mieter müssen sich sehr oft mit komplexen Rechtsfragen herumschlagen – meist geht es dabei auch um viel Geld“, sagt die AK Präsidentin. „Wir haben im Rahmen unseres Zukunftsprogramms 2019 bis 2023 auch unser Beratungs- und Serviceangebot rund ums Wohnen ausgebaut.“  

AK Hotline

Neu ist ab Mitte Februar eine AK Hotline für Miet- und Wohnrechtsfragen: +43 1 501 65 1345 von Montag bis Freitag 8.00 bis 12.00 Uhr, Dienstag zusätzlich von 15.00 bis 18.00 Uhr.  

Fragen zum Mietrecht, zur gemeinnützigen Wohnung, zur Eigentumswohnung oder zur Maklerprovision? Die AK Wohnrechts-ExpertInnen beraten kompetent, egal ob es um Mietvertrag, Mietzins, Betriebskosten, Kaution, Befristung, Kündigung, Maklerprovision, und, und, und geht.