13.8.2018

Analyse Mietverträge: „Wohnen auf Zeit“ kommt teuer!

Rund drei von vier neuen gewerblichen Wohnmietverträgen werden in Österreich befristet abgeschlossen. Das zeigt eine aktuelle AK Analyse des Mikrozensus 2017 der Statistik Austria für Österreich und Wien. „Befristete Mietverträge sind ein Problem – bei Verlängerung oder Umzug rollt wieder eine Kostenlawine auf die Mieter zu. Und es gibt noch mehr Nachteile, vor allem für Familien!“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl. „Daher verlange ich: weg mit den Befristungen bei gewerblicher Wohnungsvermietung!“

Rund drei von vier neuen gewerblichen Wohnmietverträgen befristet

Tabellen Bezeichnung
Neuverträge 2016   Gewerbl. Neuverträge  davon befristet   
Österreich179.900116.70084.400 (72 %)
Wien54.20038.80027.200 (70 %)
Quelle: Mikrozensus 2017 – Statistik Austria, AK Berechnungen

Rund drei von vier neuen gewerblichen Wohnmietverträgen sind in Österreich befristet – im Schnitt auf etwa fünf Jahre. In Wien sind sieben von zehn neuen gewerblichen Wohnmietverträgen befristet. Bundesweit wurden im Jahr 2016 insgesamt rund 179.900 neue Mietverträge abgeschlossen, davon 116.700 nur für gewerbliche Mietwohnungen. Bei den bestehenden gewerblichen Wohnmietverträgen nimmt daher der Befristungsanteil laufend zu – in Österreich ist schon fast jeder zweite aufrechte Mietvertrag befristet. Davon sind etwa 650.000 Menschen betroffen. 

„Befristete Mietverhältnisse bedeuten für die betroffenen Mieterhaushalte enorme Rechtsunsicherheit. Kaum ein Mieter geht gegen gesetzwidrige Mietzinse oder überhöhte Betriebskosten vor, wenn er den Verlust der Wohnung fürchtet. Und: Wenn die Befristung ausgelaufen ist, wird es in fast jedem Fall teurer“, betont Anderl. „Wer sich eine neue Mietwohnung suchen muss, hat mit Umzugs- und Maklerkosten zu rechnen und anderen finanziellen Belastungen wegen des erzwungenen Wohnungswechsels. Insbesondere für Familien mit Kindern ist der Verlust sozialer Netze, auch etwa der Schul- und Kindergartenwechsel durch unfreiwillige Umzüge problematisch.“ 

Forderung

Die AK fordert daher, dass die Befristungen weitgehend untersagt werden. Große Immobiliengesellschaften, die über hunderte Wohnungen verfügen, sollen diese nur unbefristet vermarkten dürfen. Bei Privatpersonen, die eine Wohnung vermieten, soll hingegen bei einem Eigenbedarf für ihre Kinder oder Enkerl die Befristung weiter möglich sein. „Überdies muss endlich das Mietrecht reformiert werden“, verlangt Anderl. „Wir brauchen rasch ein neues einheitliches Mietrecht mit tauglichen Mietobergrenzen, damit Wohnen leistbar wird.“ 

Kontakt

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Prinz Eugenstraße 20-22
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