21.3.2019

Qualitativ hochwertiges und leistbares Pflegesystem!

„Die Menschen müssen sich darauf verlassen können, im Alter ein menschenwürdiges, qualitativ hochwertiges und leistbares Pflege­system vorzufinden“, erklärt Silvia Rosoli, Leiterin der Abteilung Gesund­heits­berufe­recht und Pflege­politik in der AK Wien auf dem Forum „Pflege.fit für die Zukunft“.

Dafür braucht es aus Sicht der AK eine konstruktive und intensive Zusammen­arbeit, um dieser gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Die prioritären Handlungs­felder aus Sicht der AK sind dabei die Attraktivierung der Pflege­berufe durch eine hochwertige Aus­bildung, durch den gezielten Einsatz der Mittel für aktive Arbeits­markt­politik, durch bessere Arbeits­bedingungen und ausreichende Per­sonal­ressourcen sowie eine solidarische und nachhaltige Finanzierung. 

Hochwertige Ausbildung

  • Massive Aufstockung der Mittel für aktive Arbeitsmarkt­politik, um Quer- und Wieder­einsteiger­Innen entsprechend zu qualifizieren.
  • Mehr Ausbildungs­plätze - sowohl im sekundären als auch tertiären Bereich
  • Lücken­schluss zwischen Pflicht­schul­abschluss und Ausbildungs­beginn in der Pflege, durch Etablierung eines Berufs­bildenden Mittleren und Höheren Schul­zweigs für Gesundheits- und Sozial­berufe.

Verbesserung der Arbeitsbedingungen 

  • Aus Sicht der AK zählen dazu vor allem eine bessere Bezahlung und faire Arbeits­zeit­modelle – und nicht wie geplant die Verschärfung des Arbeits­zeit­rechtes in Kranken­anstalten und Pflege­heimen durch eine Verkürzung der täglichen Ruhezeit auf fünf Stunden.
  • Dringend gebraucht wird auch eine bedarfs­gerechte Personal­berechnung, um die anstrengende Arbeit auch auf entsprechend viele Schultern verteilen zu können und so die in den Pflege­berufen Tätigen zu entlasten.
  • Um die Pflege­berufe attraktiver zu machen, muss die Eigen­verantwortlich­keit gestärkt werden, Einsatz­bereiche und Kompetenzen müssen an die Bedürfnisse der Zeit an­ge­passt werden.

AK fordert Pflege­garantie­fonds

Aus Sicht der AK ist der Ausbau des Pflege­fonds in einen (unbefristeten) Pflege­garantie­fonds der richtige Weg. Dafür sollen die Mittel aller Gebiets­körper­schaften gebündelt werden, verlangt Silvia Rosoli: „Das garantiert Transparenz und Effektivität. Aber die Bündelung bereits verfügbarer Mittel allein wird auf Grund der demografischen Entwicklung nicht reichen. Darum fordert die AK eine solidarische und nachhaltige Finanzierung. Die AK bekennt sich daher zu einer steuer­basierten Finanzierung, so wie es auch im Regierungs­programm vorgesehen ist.“

Wichtig ist auch, dass den Pflegenden und den Pflege­bedürftigen rasch geholfen wird. In ihrem Pflegepaket fordert die AK daher entsprechende Sofort­maßnahmen: mehr Personal, Ausbau des mobilen Bereiches, Abschaffung der Selbstbehalte in der mobilen Betreuung und Pflege sowie Schließung der Lohnunterschiede zwischen Lang­zeit­pflege und Kranken­häusern.

Die Finanzierung der Pflege ist ein großes Thema, das nicht von heute auf morgen gelöst sein wird. „Aber bei der Diskussion um die Finanzierung darf nicht der Nutzen für die Menschen vergessen werden, denn gute Pflege bringt allen was“, verlangt Rosoli und verweist darauf, dass sich öffentliche Investitionen in die soziale Infrastruktur auch durchaus rechnen. Laut einer WIFO Studio fließen von jedem öffentlich bezahlten Euro 70 Prozent in Form von Steuern und Sozial­versicherungs­beiträgen wieder zurück. 

Das AK-Pflege­paket als erste Sofort­maßnahme

Aus Sicht der AK sind rasch erste Investitionen notwendig, die sofort in Maßnahmen zur Entlastung von Pflegenden und Pflege­bedürftigen fließen müssen. Das sind: 

  • 20 Prozent mehr Personal sowohl im stationären als auch mobilen Bereich der Lang­zeit­pflege (Kosten rund 511 Mio.)
  • Mehr Zeit für mehr Qualität pro Einsatz und für mehr Leistungs­stunden insgesamt im mobilen Bereich (Kosten rund 660 Mio.)
  • Abschaffung der Selbst­behalte (Kosten rund 154 Mio.) in der mobilen Betreuung und Pflege
  • Schließen der Lohn­unter­schiede zw. stationärer Lang­zeit­pflege und Kranken­häusern (Kosten rund 200 Mio) 

Dieses Paket kostet rund 1,5 Milliarden Euro und könnte zB durch Einführung einer Steuer auf hohe Erb­schaften und hohe Schenkungen sowie eine Zweck­widmung von 60 Prozent der Einnahmen aus der Tabak­steuer finanziert werden. Mit dieser Finanzierung käme Österreich auch der Empfehlung der Europäischen Kommission nach einer Entlastung des Faktors Arbeit und der Erhöhung von Vermögens­steuern nach.

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