Frauen – Politik – Medien © Media Affairs
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7.6.2019

Frauen – Politik – Medien

Gemeinsames Projekt von Arbeiter­kammer (AK), Industriellen­vereinigung (IV) und RHI Magnesita – Zahl der Frauen in Führungs­funktionen erhöhen, Chancen verbessern.

Seit mittlerweile sechs Jahren untersucht die Agentur MediaAffairs regelmäßig die mediale Sicht­barkeit und Präsenz von Frauen sowie den Stellen­wert der Frauen(-politik) in der aktuellen politischen Debatte. In „Frauen – Politik – Medien 2018“ legt Studien­leiterin Maria Pernegger dieses Mal einen besonderen Schwerpunkt auf Frauen in der Wirtschaft – insbesondere als Unter­nehmer­innen und in Management­funktionen.

Unter­stützung für die aktuelle Studie kommt von RHI Magnesita, Arbeiter­kammer (AK) und Industriellen­vereinigung (IV), die mit dem Projekt vor allem zur Bewusst­seins­bildung beitragen wollen, um die Zahl der Frauen in Führungs­funktionen zu erhöhen und ihre Chancen weiter zu verbessern. Die Ergebnisse der Studie wurden am heutigen 7. Juni in einer gemeinsamen Presse­konferenz vorgestellt.

Studien­autorin Maria Pernegger: Wunsch nach mehr Diversität und Realität klaffen in der Wirtschaft weit auseinander

Die MediaAffairs-Studie „Frauen – Politik – Medien“ bestätigt zum wiederholten Mal, dass Frauen medial in fast allen Bereichen – vom Sport, über Politik bis hin zur Justiz – im Vergleich zu Männern stark unter­repräsentiert sind. Einem Drittel Frauen stehen in den österreichischen Massen­medien zwei Drittel Männer gegenüber. Das ist zum Teil den realen Gegeben­heiten geschuldet, da Frauen auch im Jahr 2019 in vielen Fach­bereichen selten an der Spitze anzutreffen sind. Es liege der Ball laut Studien­autorin Maria Pernegger aber auch bei den Medien, die Frauen häufig klischee­behaftet inszenieren und stark auf einige wenige männlich Big-Player fokussieren würden.

„Nur, wenn Frauen auch öffentlich sichtbarer werden, können sie gleich wirksam Politik, Wirtschaft und Gesell­schaft gestalten. Gerade in der Wirtschaft würden der Wunsch nach mehr Diversität und die Realität weit aus­einander­klaffen“, so die Studienautorin.

Laut Studie sind lediglich 12 Prozent der Wirtschafts­bericht­erstattung von Frauen in Spitzen­positionen besetzt. Pernegger: „Wirtschaft ist damit in der öffentlichen Darstellung ganz klar männlich konnotiert, obwohl mittlerweile ein Drittel der heimischen Unternehmen von Frauen geführt wird.“ Die Studie zeigt ein großes Gefälle in der Wirtschafts­bericht­erstattung nach Unter­nehmens­größe, wo die Bericht­erstattung über sehr große Unternehmen dominiert und den kleineren wie KMU oder Start-ups nur wenig Raum für Profilierung bleibt. Letztere seien es laut Pernegger aber, wo Frauen medial vergleichs­weise stark sichtbar sind (37 Prozent als Chefinnen in Kleinst­unternehmen; 41 Prozent als Leiter­innen von Start-ups).

Auch der zuletzt gestiegene Frauen­anteil in den Aufsichts­räten wirke sich auf die Sicht­bar­keit von Frauen in der Wirtschaft nur marginal aus, da Auf­sichts­rats­positionen im Vergleich zum Management und den CEOs in der Bericht­erstattung kaum eine Rolle spielen würden. Die Studie zeigt vor allem bei Energie­versorgung, in der IT-Branche, bei Industrie, im Handel und der Finanz­branche mit einem Frauen­anteil unter 10 Prozent ein starkes Geschlechter­gefälle, welches allerdings die Realität widerspiegelt.

Um tradierte Rollen­bilder aufzubrechen seien laut Pernegger Medien und Wirtschaft gleicher­maßen gefordert. Die sehr präsenten und großen Unter­nehmen sieht Pernegger dabei in einer wichtigen Vorbildrolle: „Will ich Frauen oder Mädchen für Wirtschaft, Forschung oder Technik begeistern, muss ich mich davon ver­ab­schieden, diese Bereiche vordergründig mit Männern zu besetzen.“

AK Präsidentin Renate Anderl: Chancen­gleichheit vorantreiben und Lebensrealität von Frauen stärker sichtbar machen

„Frauen­politische Anliegen erleben einmal im Jahr ihre Hoch­blüte: rund um den Frauentag. Während der übrigen 364 Tage erhalten Themen wie die Lohn­gerechtigkeit, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Gleich­berechtigung der Frauen nur wenig Auf­merk­sam­keit“, sagt AK-Präsidentin Renate Anderl.

„Aus meiner Sicht geht es um zwei Dinge: darum, die Chancen­gleichheit der Frauen voranzutreiben. Und zweitens darum, die aktuellen Lebens­realitäten von Frauen stärker sichtbar zu machen. Es gibt in Österreich mehr als eine halbe Million Menschen – Mütter und Väter – mit Kindern unter 6 Jahren, die erwerbstätig sind. Aber wie viel oder besser wie wenig haben wir in den letzten Monaten über die Ver­ein­bar­keit von Familie und Beruf gelesen und gehört? Wir brauchen mehr Investitionen in die Kinder­betreuung und in Ganztagsschulen. Wir brauchen mehr partner­schaftliche Teilung und dazu auch einen Rechts­anspruch auf den Papa­monat.“

IV-Präsident Georg Kapsch: Rollen­klischees aufbrechen, auf Bewusst­seins­bildung setzen

„Medien spiegeln den Zustand einer Gesellschaft wider. Sie sind wichtige Meinungs­bildner und haben eine zentrale Rolle, wenn es um die Darstellung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern geht“, so IV-Präsident Georg Kapsch, der einen großen Aufhol­bedarf in der Art der medialen Präsenz von Frauen sieht.

„Rollen­klischees müssen aufgebrochen und Ungleich­gewichte in der Sicht­bar­keit von Frauen und Männern behoben werden“, so Kapsch weiter. Denn schließlich hätten Frauen in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Bereichen stark aufgeholt: in Forschung, Medizin, Justiz, bei den Hoch­schul­abschlüssen allgemein, in der Wirtschaft und der Teilhabe am Arbeitsmarkt.

„Wir können es uns als Wirtschafts­standort nicht leisten, auf weibliches Potenzial zu verzichten. Mehr Frauen in Führungs­etagen sind daher nicht nur aus gesellschafts­politischen, sondern auch aus wirtschaft­lichen Gründen wesentlich. Ein Ziel, das wir durch Eigen­initiative der Unternehmen und intensive Bewusst­seins­arbeit erreichen müssen“, hielt der IV-Präsident fest.

Simone Oremovic (RHI Magnesita): Medien gefordert, Frauen aus der Industrie vor den Vorhang zu holen

Simone Oremovic, Executive Vice President RHI Magnesita: „Frauen in der Industrie zu fördern ist eine Aufgabe, an der wir alle gemeinsam arbeiten müssen. Mit gezielten Frauen- und Mädchen­förderungs­programmen müssen wir schon in der früh­kindlichen Erziehung beginnen, um Frauen für eine Karriere in der Te­chnik und Industrie zu begeistern.

Wir als Arbeit­geber müssen darauf achten, dass wir Frauen fördern, indem wir ihnen ein Arbeits­umfeld bieten, in dem sie sich wohl­fühlen, gut verdienen und Auf­stiegs­möglich­keiten sehen. Hier gehen wir als RHI Magnesita mit guten Beispiel voran und haben schon gute Erfolge erzielt“, so Oremovic. Aber auch der Journalismus hat eine zentrale Rolle: „Medien sind gefordert, Frauen aus der Industrie vor den Vor­hang zu holen.“

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