5.6.2019

Anderl zu Vatertag: „Her mit Rechtsanspruch auf den Papamonat!“

­„Alle im Parlament vertretenen Parteien wollen ihn, daher gibt es keinen Grund, den Papa­monat aufzuschieben“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl anlässlich des Vater­tages. 

„Wie der Papa­monat funktioniert, ist auch klar: Rechts­anspruch auf Freizeit gegenüber dem Arbeit­geber, Kündigungsschutz und eine einkommens­abhängige Geldleistung aus dem Familien­lasten­ausgleichs­fonds. Auch die büro­kratischen Hürden der jetzigen Regelung, des sogenannten „Familien­bonus“, müssen beseitigt werden: Nur weil Kind und Mutter ein paar Tage im Spital sind, ist der gemeinsame Haushalt noch nicht aufgelöst! Derzeit verlieren Väter ihren Anspruch auf den Familien­zeit­bonus, wenn sie eine Betreuung im Spital nicht nach­weisen können. Das ist eine Zu­mutung, die noch vor der Wahl be­seitigt werden muss.“

­Statt eines Papa­monats gibt es in Österreich derzeit nur den „Familien­zeit­bonus“: Wenn der Partner oder die Partnerin nach der Geburt des Kindes bei Mutter und Kind bleibt, erhält er oder sie 700 Euro. Diese 700 Euro werden allerdings vom Kinder­betreuungs­geld abgezogen und man bekommt sie auch nur, wenn man vom Arbeit­geber unbezahlt freigestellt wird. Rechts­anspruch gegenüber dem Arbeit­geber oder Kündigungs­schutz gibt es keinen. Daher wird der Familien­zeit­bonus kaum in Anspruch genommen.

Väter, die den Familien­zeit­bonus trotzdem in Anspruch nehmen wollen, müssen erst einmal etliche bürokratische Hürden überwinden, wie ein Fall aus der AK Beratung zeigt: Herrn M.s Antrag auf den Familien­zeit­bonus wurde abgelehnt. Weil der Spitals­auf­ent­halt von Frau und Kind nicht als Zeit gewertet wurde, die Herr M. mit seiner Frau und seinem Kind in einem gemeinsamen Haus­halt lebte. Dabei wiegte und wickelte Herr M. sein Baby genauso, als wenn Mutter und Kind das Spital am Tag der Geburt verlassen hätten können - und noch mehr:

Die Eltern sind ja auch schon im Spital haupt­ver­antwortlich für das Kind. Doch die Mutter musste gleich nach der Geburt operiert werden, die ersten Stunden versorgte Herr M. das Neu­ge­borene. Damit die Operations­wunde gut verheilen konnte, durfte Frau M. sich nicht so bewegen, wie es z.B. notwendig ist, um ein schreiendes kleines Baby durch Wiegen zu beruhigen. Herr M. erzählt: „Es ging meiner Frau wirklich nicht gut. Ich habe mich um meine Kleine genauso gekümmert, wie ich es später zu­hause gemacht habe.“ Danach ging er nur zum Schlafen nachhause.

­Trotzdem wurde der Antrag auf den Familien­zeit­bonus abgelehnt. Auch den Antrag nach­träglich zu korrigieren, ist nicht möglich. Die Bürokratie erlaubt in diesem Fall nicht den kleinsten Irrtum.

Anderl: „Die so­ge­nannte Reparatur sieht jetzt so aus, dass der Vater nachweisen muss, sich vier Stunden am Tag im Spital um Baby und Mutter gekümmert zu haben. Wer soll ihm das bestätigen? Das völlig überlastete Pflege­personal? Das ist nur eine weitere, völlig realitäts­fremde, büro­kratische Hürde.“­

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