Studierende mit Mappen © Antonio Guillem, stock.adobe.com
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10.8.2021

Qualifizierungsgeld einführen!

Ein Leben lang in derselben Firma und in derselben Tätigkeit? Das ist längst Geschichte. In einer Wissensgesellschaft ist ständiges Weiterlernen ein Muss, unter anderem getrieben durch die Digitalisierung: Berufe verändern sich mitunter rasant oder verschwinden ganz, neue entstehen. Doch Weiterlernen, um beruflich am Ball zu bleiben, das muss man sich erst einmal leisten können. 

Aktuelle Fördermodelle ungenügend

Derzeit gibt es folgende Fördermodelle für berufliche Weiterbildung:

  • Fachkräftestipendium
  • Bildungskarenz
  • Bildungsteilzeit
  • Studienfinanzierung  

Diese Instrumente werden den aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes aber nicht mehr gerecht, so eine Analyse des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO). Insbesondere Personen mit mittlerer und niedrigerer Qualifikation verlieren den Anschluss. 

AK fordert neue Qualifizierungsgeld

Die AK fordert daher ein neues, strategisches Instrument, das perspektivisch die alten Leistungen ablöst: das Qualifizierungsgeld.  

Mit dieser Förderung sollen

  • Ausbildungen auch in späteren Lebensphasen ermöglicht werden.

  • Menschen Chancen bekommen, die bisher keine Ausbildung abschließen konnten oder in einem schlechteren Einkommenssegment berufstätig sind.

  • besonders Personen mit mittlerer und niedrigerer Qualifikation profitieren.

Wie das Qualifizierungsgeld im Detail aussehen soll  

Wir fordern ein Qualifizierungsgeld mit folgenden Eckpunkten:  

  • Das Qualifizierungsgeld soll allen Personen über 25 helfen, die beruflichen Neuorientierungs- oder grundlegenden Weiterbildungsbedarf haben, und ihnen die Weiterbildung finanziell und zeitlich ermöglichen. Für Jüngere greifen die Instrumente der Erstausbildung (insbes. Ausbildungspflicht bis 18 und Ausbildungsgarantie bis 25). 
  • Für das Qualifizierungsgeld soll es einen Rechtsanspruch geben, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind: Die öffentliche Hand muss die Leistung erbringen, der Arbeitgeber muss einer Karenzierung zustimmen.  

  • Auch für Arbeitsuchende soll es einen Rechtsanspruch auf Qualifizierungsgeld geben. So kann Jobverlust zu einer Karrierechance werden. 
  • Um das Qualifizierungsgeld beantragen zu können, muss eine qualifizierte Ausbildungsberatung nachgewiesen werden. Diese muss von Beratungseinrichtungen angeboten werden, die unabhängig von Bildungsträgern sind. Vorrangig soll aber die persönliche Bildungsmotivation berücksichtigt werden. Darüber hinaus soll es ein begleitendes Coaching geben. 
  • Innerhalb einer Rahmenfrist von 15 Jahren sollen insgesamt 36 Monate Aus- und Weiterbildung absolviert werden können, wenn in Summe mindestens fünf Jahre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung als Arbeitnehmer:in, Selbstständige:r oder als Beschäftigte:r im öffentlichen Dienst im Inland vorliegen. Dies ist in einem Arbeitsleben zweimal möglich.

  • Die Höhe der finanziellen monatlichen Unterstützung im Rahmen des Qualifizierungsgelds entspricht dem derzeitige Mindestlohn (brutto 1.500 Euro). Das ist ein Nettobetrag von 1.220 Euro.  

Die Finanzierung sollte nicht aus Sozialversicherungsbeiträgen kommen, sondern aus dem allgemeinen Finanzierungstopf der Bundesregierung, da das Qualifizierungsgeld je nach Situation am Arbeitsmarkt und Herausforderungen an die Arbeitnehmer:innen unterschiedlich stark nachgefragt wird.

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Kontakt

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Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien

Prinz Eugenstraße 20-22
1040 Wien

Telefon: +43 1 50165-0

- erreichbar mit der Linie D -