01.06.2017
Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Nachhilfe: Druck auf Familien bleibt

Bis zu 103 Millionen Euro für private Nachhilfe – und ein gleich hoher Anteil der Kinder wie im Vorjahr, die Nachhilfe brauchen: Der Lerndruck auf die Familien nimmt nicht ab. Das zeigt das AK Nachhilfebarometer 2017, für das knapp 3.500 Eltern befragt wurden. Die Arbeiterkammer fordert hochwertige Ganztagsbetreuung, regelmäßigen Förderunterricht und eine neue Schulfinanzierung nach Chancenindex – also mehr Mittel für Schulen mit vielen Kindern, die nicht von den Eltern beim Lernen unterstützt werden können. 

Lerndruck nimmt nicht ab

„Lernen und Üben müssen in der Schule stattfinden. Weder die Eltern noch die Nachhilfeinstitute sollen die grundlegende Aufgabe der Schule übernehmen“, sagt AK Präsident Rudi Kaske. Die aktuelle österreichweite Befragung von fast 3.500 Familien ergibt: Entlastung für die Familien bringen nur hochwertige Ganztagsschulen, besonders in verschränkter Form mit Unterricht, Üben und Freizeit über den ganzen Tag; und regelmäßiger Förderunterricht in der Schule.

Konkret brauchen heuer 226.000 Kinder private Nachhilfe – ihr Anteil an den Schulkindern ist mit 23 Prozent genauso hoch wie im Vorjahr. Davon sind 40.000 auf Gratis-Nachhilfe angewiesen, und fast 50.000 bekommen trotz Bedarf gar keine externe Nachhilfe, vor allem, weil die Eltern dafür nicht zahlen können.

Gleichzeitig brauchen 612.000 Kinder ihre Eltern als unfreiwillige NachhilfelehrerInnen: Die Eltern lernen zu Hause mit den Kindern, weil das Lernen und Üben in der Schule zu kurz kommt.

Besonders unter Druck sind Mütter und Väter, die selbst nur neun Jahre in der Schule waren, also nur die Pflichtschule abgeschlossen haben. 35 Prozent ihrer Kinder brauchen Nachhilfe – aber nur 27 Prozent der Kinder von Eltern mit nur Pflichtschule haben sie auch bekommen. Acht Prozent bekamen trotz Bedarf keine. 

Die Belastung durch Nachhilfe und Lernen mit den Kindern drückt nicht nur aufs Familienbudget. Sie führt auch zu Ärger und Konflikten in der Familie, vor allem, wenn die Eltern berufstätig sind. Der Stress beim Lernen ist gleich bleibend hoch – viele Eltern sind damit auch fachlich überfordert. Kaske verlangt mehr echte, verschränkte Ganztagsschulen plus Ausbau des regelmäßigen Förderunterrichts in den Schulen. Überdies soll rasch eine neue Schulfinanzierung nach Chancenindex kommen.

Bedarf an Nachhilfe bleibt gleich

Heuer brauchen 226.000 Kinder (23 Prozent) private Nachhilfe – wobei nur 138.000 (14 Prozent) bezahlte und 40.000 (4 Prozent) unbezahlte Nachhilfe bekommen. 48.000 (5 Prozent) bekommen trotz Bedarf keine Nachhilfe – vor allem, weil die Eltern dafür nicht zahlen können. Der Anteil der Kinder, die Nachhilfe brauchen, ist genauso hoch wie im Vorjahr. Das ergibt die Ifes-Befragung von knapp 3.500 Eltern. In der Tabelle sehen Sie den Anteil der Kinder je Schultyp, die bezahlte oder unbezahlte Nachhilfe bekommen.

Private Nachhilfe und Kosten nach Schulen 2017 © Ifes-Befragung, AK Wien

Hochgerechnet bis zum Schulschluss, betragen die Gesamtausgaben der Eltern für Nachhilfe 100 Millionen Euro. Aufgrund der statistischen Schwankungsbreite können es bis zu 103 Millionen Euro sein; eine Belastung der Familienbudgets, die umso stärker wirkt, je geringer das Einkommen ist.

Am höchsten sind die Nachhilfeausgaben pro Volksschulkind. Volksschulkinder bekommen über einen längeren Zeitraum als Kinder in anderen Schulen Nachhilfe; und zwar, um sich die nötigen Grundkenntnisse anzueignen und das Klassenziel zu erreichen. 

Und bemerkenswert ist: Die private Nachhilfe ersetzt nicht, dass Eltern nach der Schule mit den Kindern lernen. Bei jenen Kindern, die Nachhilfe bekommen, ist der Zeitaufwand der Eltern fürs Lernen genauso hoch wie bei Eltern, die nicht für private Nachhilfe zahlen.

Zwei Drittel der Kinder brauchen die Eltern beim Lernen

612.000 Kinder brauchen Hilfe ihrer Eltern beim Lernen. Das sind fast zwei Drittel aller Schulkinder, genau: 62 Prozent. Bei ihnen kontrollieren die Eltern nach der Arbeit die Hausübungen, und sie lernen mit ihnen vor Prüfungen und Schularbeiten – wobei in den meisten Fällen die Mütter mit den Kindern lernen. Am häufigsten lernen sie nach wie vor mit Volksschulkindern, aber auch noch in der Oberstufe. Die Eltern und ihre Kinder kostet das Lernen viel Freizeit, aufs Jahr gerechnet die Arbeit von 28.000 Vollzeitbeschäftigten. Wie viele Kinder je nach Schultyp Hilfe ihrer Eltern beim Lernen brauchen, sehen Sie hier: 

Mit so vielen Kindern müssen die Eltern lernen © Ifes-Befragung, AK Wien

Lernstress daheim

Die Arbeiterkammer hat erneut erheben lassen, wie stark sich die Familien durch das Lernen am Nachmittag belastet fühlen. Die Mehrheit hat beim Lernen mit den Kindern Probleme.

  • Zeitdruck: 37 Prozent der befragten Eltern gaben an, durch die Hilfe beim Lernen zeitlich sehr oder ziemlich belastet zu sein. Weitere 32 Prozent fühlen sich etwas belastet. In Summe sind davon also sieben von zehn Eltern spürbar betroffen – etwas mehr als im Vorjahr (68 Prozent). 

  • Eltern leiden unter Stress, Ärger und Konflikten in der Familie, wenn sie hinter der Schule „nacharbeiten“ müssen. Über Stress klagen 59 Prozent der betroffenen Eltern (sehr, ziemlich oder etwas), über Ärger und Konflikte 51 Prozent (ebenfalls sehr, ziemlich oder etwas).

  • Und Eltern sind nicht selten fachlich überfordert, ihren Kindern zu helfen: Im Schnitt der Betroffenen tun sich 35 Prozent zumindest in einem Fach schwer, die Lösung von Aufgaben zu erklären.

Ungerecht: Kinder von PflichtschulabsolventInnen besonders im Nachteil

Wenn sich im Schnitt 35 Prozent der Eltern unabhängig von ihrem eigenen Bildungsabschluss fachlich schwer tun, ihren Kindern beim Lernen zu helfen, dann gilt das erst recht für jene, die selber nur neun Jahre in die Schule gehen konnten, also maximal einen Pflichtschulabschluss haben. Mehr als der Hälfte von ihnen (52 Prozent) fällt es fachlich schwer, den Kindern zu helfen, unter den AkademikerInnen gilt das nur für ein knappes Viertel. (23 Prozent). Das hat Folgen für den Nachhilfebedarf der Kinder. 

  • Mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Kinder von Eltern mit nur neun Jahren Schule brauchen Nachhilfe – wobei 27 Prozent der Kinder von Eltern mit nur neun Jahren Schule tatsächlich Nachhilfe bekommen, bezahlt oder unbezahlt. Und die Nachhilfe wird hauptsächlich dafür organisiert, dass das Kind durchkommt. 

  • Umgekehrt brauchen nur 17 Prozent der Akademikerkinder Nachhilfe – dabei ist die Nachhilfe für den Großteil unter ihnen selbstverständlich bezahlt und wird hauptsächlich dafür organisiert, dass das Kind eine Note verbessert.

Positiv: Echte Ganztagsschule und regelmäßiger Förderunterricht entlasten

Der Anteil der Schulkinder in Nachmittagsbetreuung steigt weiter – vor allem in den Volksschulen. Dabei zeichnet sich weiterhin eine positive Entwicklung ab: In der echten, verschränkten Ganztagsschule, in der Unterricht, Üben, Sport und Freizeit über den ganzen Tag verteilt sind, müssen die Eltern viel seltener selbst mit den Kindern lernen als in der Halbtagsschule. 30 Prozent der SchülerInnen von Ganztagsschulen brauchen ihre Eltern täglich oder mehrmals in der Woche zum Lernen. Im Durchschnitt aller Formen der Nachmittagsbetreuung (also auch im Hort oder in schulischer Betreuung am Nachmittag nach normalem Vormittagsunterricht) brauchen 55 Prozent der Kinder täglich oder mehrmals in der Woche Lernhilfe der Eltern. 

Entlastend wirkt auch regelmäßiger Förderunterricht in der Schule. Mit regelmäßigem Förderunterricht brauchen 11 Prozent aller Kinder bezahlte Nachhilfe, aber 16 Prozent der Kinder ohne Förderunterricht in der Schule.

Lernen muss in der Schule stattfinden

„Entweder für Nachhilfe zahlen oder den Schulerfolg der Kinder riskieren – das kann nicht die Alternative sein. Lernen und Üben soll in der Schule stattfinden“, sagt AK Präsident Rudi Kaske. Damit die Schule Verantwortung für den Lernerfolg der Kinder übernehmen kann, will die Arbeiterkammer hochwertige Ganztagsschulen und viel mehr regelmäßigen Förderunterricht – und dazu eine neue Schulfinanzierung nach einem Chancenindex, also mehr Mittel für Schulen mit vielen Kindern, die nicht von den Eltern beim Lernen unterstützt werden können. Die Forderungen der Arbeiterkammer:

Forderungen
  • Mehr echte, verschränkte Ganztagsschulen: Das AK Nachhilfebarometer zeigt eindeutig, dass nur die echte Ganztagsschule die Eltern vom Lernen mit den Kindern und von teurer Nachhilfe entlastet.

  • In einem ersten Schritt Ausbau des regelmäßigen Förderunterrichts: Für den Förderunterricht muss ein zweckgebundener Fördertopf eingerichtet werden. So wie in den Volksschulen muss der regelmäßige Förderunterricht auch ab der Mittelstufe gleich ab Beginn des Schuljahrs leicht und unbürokratisch zugänglich sein.

  • Letztlich eine neue Schulfinanzierung nach einem Chancenindex: Pro Schülerin, pro Schüler, deren Eltern selber keinen höheren Bildungsabschluss haben, soll die jeweilige Schule mehr Geld bekommen – damit sie die Kinder besser fördert.

Daten zur Untersuchung: Ifes-Befragung unter österreichweit 3.435 Haushalten mit 5.683 Schulkindern. Befragungszeitraum Anfang März bis Ende April 2017. Zahlen für 2016 aus einer Ifes-Befragung unter österreichweit 3.141 Haushalten mit Schulkindern im Zeitraum Ende Februar bis Anfang April 2016.

10 Tipps für FerialjobberInnen

Ein Ferienjob ist ein richtiges Arbeitsverhältnis mit allen Rechten. Wir haben Tipps zusammengestellt, damit der Ferienjob kein Flop wird.

Praktikum

PraktikantInnen sollten selbst auf ihr Recht schauen, denn klare Regeln gibt es selten: Wichtige Tipps, damit das Praktikum kein Flop wird.

TeilenZu Merkzettel hinzufügen

Facebook-Funktion aktivieren

Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Verwandte Links

Blog Arbeit & Wirtschaft

Zum Seitenanfang
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
OK