Glückliches Kind im Park © Sunny studio, stock.adobe.com
© Sunny studio, stock.adobe.com

Visionen für eine bessere Schule

Ein neues Schuljahr hat vor drei Wochen begonnen. Für ziemlich viele noch kleinere Menschen bei uns im Land bedeutet das, früh raus aus den Betten und ab in die Schule bevor um 8 Uhr die Schulglocke läutet. Das ist nichts Neues. Seit Kaiserin Maria Theresias Regentschaft, ganz konkret seit dem Jahr 1774, gibt es in Österreich eine allgemeine Schulpflicht. Fast 250 Jahre später ist das Schulsystem immer noch eine Baustelle und von einer gerechten Schule sind wir weit entfernt. 

Hinzu kommen ganz neue Herausforderungen für Lehrerinnen und Lehrer, sei es die Digitalisierung oder auch der Mangel an Lehrpersonal. Wie könnte eine gute und gerechte Schule aussehen? Was bräuchte es in den Klassenzimmern, damit alle Kinder die Möglichkeit haben, ihre Talente zu entfalten? Und wie kommen wir dort hin?

Video-Rückblick 

Die Diskussion, die von Falter-Redakteurin Nina Horaczek moderiert wurde, kann hier nachgesehen werden:

Keyfindings aus der Debatte 

Die Keyfindings aus der Diskussion, an der neben AK Bildunsgexpertin Elke Larcher, der Mitbegründer der Armutskonferenz und Soziologe Martin Schenk, Irene Krehan, Vizedirektorin einer Wiener Volksschule und die Schulsozialarbeiterin Verena Prasek teilnahmen:

Die Schulen brauchen mehr Ressourcen 

Ressourcen fehlen sowohl, um neue Lehrer:innen zu unterstützen als auch in der psychischen Betreuung der Kinder. Es sollte parallel zur Pandemie zusätzliche Mittel geben, um insbesondere Kinder aus Familien mit geringem Einkommen zu unterstützen, die sonst abermals benachteiligt werden. Das gilt etwa für die Finanzierung und den Ausbau der Nachmittagsbetreuung und Ganztagsschulen.. Schulsozialarbeiter:innen sind nur für Pflichtschulen vorgesehen, obwohl Kinder und Jugendliche aller Schulformen und Schichten Bedarf haben.

Die Schule als Lernort 

Anstatt das Lernen und Üben auf Familien und externe Nachhilfe auszulagern, soll die Schule als Lernort zurückerorbert werden. Die Teuerung führt sonst dazu, dass die Eltern durch Mehrarbeit, um die Inflation auszugleichen, selbst noch weniger Zeit für ihre Kinder und deren Betreuung haben. Anstatt wieder Schlüsselkinder wie in den 70er-Jahren zu haben, sollten ein Angebot an zeitgemäßer Nachmittagsbetreuung und Ganztagsschulen für alle Kinder geschaffen werden. Stattdessen sehen sich wegen der Teuerung immer mehr Eltern gezwungen, ihre Kinder von der Nachmittagsbetreuung abzumelden. 

Modell Chancenindex sofort einführen 

Der Chancenindex bedeutet, dass Schulen mit größeren Herausforderungen bei der Förderung der Kinder zusätzliche finanzielle Mittel erhalten sollen. Anstelle des momentanen Pilotprojekts mit 100 Schulen sollte es auf alle 1.100 Schulen in Österreich ausgeweitet werden, die es brauchen. Internationale Praxisbeispiele zeigen, dass das Modell auch in Bezug auf den Austausch der Schulen miteinander sehr gut funktioniert.  

Potentiale fördern, statt mit Defiziten drangsalieren 

Schule ist der autonome Raum der Kinder und es ist wunderbar, wenn sie diesen gestalten können. Dafür braucht es den Raum. Dann ist Schule super, um Demokratie, Sozialkompetenz zu lernen. Alle Kinder haben dieses Potential. Kinder sollen selbstbewusst und mutig sein, um Probleme anzupacken. Unser Schulsystem drangsaliert Kinder ständig mit ihren Defiziten. Was wir brauchen ist Selbstbewusstsein. Wir haben da ein strukturelles Problem, das uns auf den Kopf fallen wird.

Bildungsteilhabe sichern 

Um den Auswirkungen der Teuerung entgegenzusteuern und die Bildungsteilhabe für alle Schüler:innen zu sichern gibt es sinnvolle Werkzeuge: Die Ausweitung der Schüler:innenbeihilfe bis zum Schuleintritt, Gratismittagessen an allen Schulformen, Ausbau des Schulveranstaltungsfonds sowie ein autonomes Budget für Schulmaterialien. Im besten Sozialstaat der Welt bekommt jede Schülerin und jeder Schüler die Hilfe, die sie brauchen, weil die Schulen so gut ausgestattet sind, dass sie alle Kinder, unabhängig ihres Hintergrunds, die Schule als Raum bieten können, der ihnen hilft, ihre Potentiale zu stärken und Freude daran zu haben.  

Kontakt

Kontakt

Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien

Prinz Eugenstraße 20-22
1040 Wien

Telefon: +43 1 50165-0

- erreichbar mit der Linie D -