Kinder im Wartezimmer © Andreas Koch, stock.adobe.com
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25.4.2022

Her mit der Patient:innenmilliarde!

Wie verhindert man monatelange Wartezeiten auf einen Arzttermin? Wie kann es zu Verbesserungen im österreichischen Gesundheitssystem kommen? Im Rahmen des Projekts „So muss Sozialstaat“ hat die AK Wien eine Diskussion zum Thema „Her mit der besten Gesundheitsversorgung“ organisiert. 

Die Diskussion, die von Falter-Redakteurin Nina Horaczek moderiert wurde, kann hier nachgesehen werden:


Die Keyfindings aus der Debatte, an der neben AK Experten Wolfgang Panhölzl, ÖGK-Obmann Andreas Huss, Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres, Sigrid Pilz von der Patient:innenanwaltschaft und der Dossier-Journalist Florian Skrabal teilnahmen:

Her mit der Patient:innenmilliarde!

Während Privatversicherungen hohe Gewinne machen, weil sie rund eine Milliarde mehr an Beiträgen bekommen als sie an Leistungen ausschütten, hat die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) zu wenig Mittel. Bei der ÖGK fehlt dieser Betrag, unter anderem, weil sie mehr Geld für Privatspitäler aufwenden muss. 

Das Land braucht Kassenärzt:innen!

Derzeit steigt vor allem die Zahl der Wahlärzt:innen – mittlerweile liegt sie bei über 10.000. Kassenarztstellen können nicht überall besetzt werden, bei manchen Untersuchungen muss man sich auf lange Wartezeiten einstellen. Ganz besonders drastisch ist die Situation bei Gynäkolog:innen und Kinderärzt:innen.

Mehr Primärversorgungseinheiten!

In solchen Zentren sollte die Versorgung gebündelt werden, nicht nur ärztliche Leistungen, sondern auch Wunderversorgung und Therapien sollten dort angeboten werden. Neben Ärzt:innen sollen hier auch medizinische Fachkräfte arbeiten, etwa diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger:innen. Der Ausbau geht allerdings sehr schleppend voran: 2021 hätte es bereits mehr als 70 Primärversorgungszentren geben sollen, derzeit sind es aber nur knapp über 30. Auch für Kinder braucht es solche Primärversorgungszentren.  

Mehr Vorsorge, bessere Behandlung von chronisch Kranken!

Derzeit ist das System auf Reparaturmedizin ausgerichtet, nicht auf Prävention und Leidminimierung. Das führt zu massiven Folgekosten. Auch bei chronischen Erkrankungen gibt es Aufholbedarf. Nur 15% der Diabetiker:innen sind in umfassender Betreuung, jedes Jahr kommt nur ein Prozentpunkt dazu. Allerdings ist Österreich im Spitzenfeld bei diabetes-bezogenen Amputationen. „Das wäre mit integrierter Primärversorgung zu verhindern“, sagt AK Experte Wolfgang Panhölzl.  

Bessere Daten, mehr Transparenz und verbindliche Planung!

In vielen Bereichen tappt die Gesundheitsversorgung im Dunkeln. Es fehlen Daten, etwa zu Häufigkeit von Erkrankungen, von Behandlungserfolgen, oder aktuell zur Situation von Menschen, die an Long Covid leiden. Die Gesundheitssteuerung ist in Österreich immer noch intransparent, Entscheidungen können nicht nachvollzogen werden, weil sie nicht öffentlich gefällt werden. Zusätzlich braucht es eine bedarfsorientierte verbindliche Gesundheitsplanung.  

Keine Klassenmedizin!

Denn im besten Sozialstaat der Welt darf die Gesundheitsversorgung nicht vom Geldbörserl abhängig sein. 

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