17.7.2018
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Armut und Ausgrenzung in Österreich – eine ernste Herausforderung

Weit über eine Million Menschen in Österreich sind armutsgefährdet. Das entspricht einer von sieben Personen. Für diese Menschen bedeutet das, im Haushalt weniger als 60 % des Einkommens zur Verfügung zu haben, das der Mitte der Gesellschaft (Median) entspricht. Beim Einkommen werden nicht nur Einkünfte aus Erwerbsarbeit, sondern auch alle anderen Geldleistungen berücksichtigt, wie Pensionen, Arbeitslosengeld oder Wohn- und Familienbeihilfe. Jedoch keine Vermögen. 

Bei den Kriterien zur Messung der Armutsgefährdung handelt es sich um eine EU-weit vergleichbare, international übliche und anerkannte Definition (EU-SILC – European Union Statistics on Income and Living Conditiones) 

Die Statistik Austria hat im Mai 2018 die neuesten Daten zu Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung veröffentlicht. Dabei handelt es sich um die Werte für 2017:

  • Die Armutsgefährdungsschwelle für Alleinstehende beträgt aktuell (2017) 1.238 Euro pro Monat (zwölf Mal). Für eine/n AlleinerzieherIn mit einem Kind sind es 1.609 Euro, für ein Paar mit einem Kind 2.228 € und für ein Paar mit zwei Kindern 2.599 Euro. 

  • 1,3 Millionen Menschen in Österreich leben unter der Armutsgefährdungsschwelle. Das sind 14,4 % der Bevölkerung. 2008 waren es 15,2 %. 

  • 410.000 Männer, 511.000 Frauen und 324.000 Kinder (bis 19 Jahre) sind betroffen.
     
  • Ohne die Berücksichtigung von Sozialtransfers und Pensionen wären sogar 43,4 % der Bevölkerung armutsgefährdet, bei Berücksichtigung der Pensionen, aber ohne andere Sozialtransfers wären es immer noch 24,9 %

  • 323.000 Personen (3,7 % der Bevölkerung) gelten als erheblich materiell depriviert. Das heißt, dass sie sich zumindest vier der folgenden neun Ausgaben nicht leisten können:

    • Regelmäßige Zahlungen rechtzeitig begleichen 
    • Unerwartete Ausgaben finanzieren 
    • Die Wohnung angemessen warm zu halten
    • Jeden zweiten Tag Fleisch, Fisch oder eine entsprechende vegetarische Speise zu essen
    • Einmal im Jahr auf Urlaub zu fahren
    • Einen PKW
    • Eine Waschmaschine
    • Ein Fernsehgerät
    • Ein Telefon oder Handy

  • 545.000 Personen leben in einem Haushalt mit keiner oder sehr niedriger Erwerbsintensität (weniger als 20 % der möglichen Erwerbsintensität). 
  • 7,7 % aller Erwerbstätigen gelten als „Working Poor“ (armutsgefährdet trotz Erwerbsarbeit), 8,0 % der Männer und 7,4 % der Frauen
  • Im Rahmen der EU-2020-Ziele hat die EU 2010 beschlossen, die Zahl der von Armut und sozialen Ausgrenzung bedrohten Menschen deutlich zu reduzieren. Der Indikator der Gefährdung von Armut und sozialer Ausgrenzung umfasst zusätzlich zur Armutsgefährdung die Betroffenheit von erheblicher materieller Deprivation und von niedriger Erwerbsintensität (siehe oben) bei Haushalten. 

  • 18,1 % der Bevölkerung in Österreich (ca. 1,563 Mio. Menschen) waren 2017 von Armut oder Ausgrenzung gefährdet. Zwischen 2010 und 2020 soll die Zahl der armuts- und ausgrenzungsgefährdeten Personen in Österreich um 235.000 gesenkt werden. Bisher beträgt der Rückgang 136.000 Personen.

Ausgrenzungsgefährdung, Armutsgefährdung und Working Poor seit 2008 laut Statistik Austria

Tabelle © Statistik Austria, AK Wien

Die Arbeiterkammer setzt sich ein für: 

  •  ein Verständnis von Armut und sozialer Ausgrenzung als Phänomene mit vielfältigen Ursachen, die eine Gegensteuerung über rein finanzielle Ansätze hinaus erforderlich machen,

  •  die Heranführung der Höhe der Mindestsicherung an das Niveau der Armutsgefährdungsschwelle,

  • den Ausbau der sozialen Dienstleistungen, insbesondere von Beratungs- und Unterstützungsleistungen für armutsgefährdete Gruppen,

  •  den Abbau der Arbeitslosigkeit,

  •  den Ausbau des zweiten Arbeitsmarktes, um erwerbsfernen Menschen den (Wieder-) Einstieg ins Arbeitsleben zu erleichtern,

  •  verbesserte Bildungschancen für Kinder aus armen bzw. armutsgefährdeten Familien und aus Familien mit Migrationshintergrund,

  • ein Bekenntnis zu einem starken Sozialstaat, in dem die Mindestsicherung nur in Ausnahmefällen als Auffangnetz für jene Menschen benötigt wird, die durch ein enges Netz vorgelagerter Sozialleistungen durchrutschen.

Methodischer Hinweis: EU-SILC 2017 bedeutet, dass die Haushaltsbefragung im Frühjahr 2017 durchgeführt wurde und daher die Haushaltszusammenstellung von 2017 berücksichtigt wird. Da die Befragten jedoch Angaben zum Jahreshaushaltseinkommen machen müssen, stammen die Einkommensdaten aus dem Jahr 2016.  

Aufgrund der statistischen Berechnungsmethode der EU-SILC-Daten haben verhältnismäßig kleine Veränderungen (wie z.B. jene von 14,1 % auf 14,4 % bei der Armutsgefährdungsquote) wenig Aussagekraft.

TIPP

Nähere Infos finden Sie hier. Mehr ...


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