AK fordert Gesamtpaket für pflegende Angehörige

Rund 950.000 Menschen pflegen ihre Angehörigen. „Pflegende Angehörige sind also eine der wichtigsten Säulen im österreichischen System der Pflege. Eine vor kurzem von der Sozialministerin präsentierte Studie zeigt den immensen Handlungs- und Unterstützungsbedarf auf. Kurzfristige Aktionen alleine sind zu wenig“, fordert AK Präsidentin Renate Anderl die Umsetzung eines Gesamtpakets.

Das von der AK Wien geschnürte Gesamtpaket für alle pflegenden Angehörigen in Österreich umfasst insbesondere:

  • gebündelte Beratungs- und Informationsmöglichkeiten zu allen wichtigen Themen, wie Rechts- und Finanzfragen, Pflegeberatung vor Ort.

  • Entlastung durch zeitlich flexible mobile Dienste, stundenweise Betreuungs­angebote wie Angebote für Halbtags- oder Ganztagsbetreuung, Kurzzeit­pflege, Tageszentren. Für echte Entlastung braucht es auch Verfügbarkeit am frühen Morgen oder späten Abend, an Wochenenden und Feiertagen.

  • Unterstützung durch Kursangebote zu Themen wie Umgang mit demenziell veränderten Menschen oder Erhaltung der eigenen Gesundheit, aber auch psychosoziale Beratung und Begleitung in persönlich schwierigen Situationen.

  • Die Vereinbarkeit von informeller Pflege und Beruf ist ein weiteres brennendes Thema. Rund ein Drittel der pflegenden Angehörigen, die ein Familienmitglied zu Hause betreuen, gehen einer Erwerbsarbeit nach. Dabei geht es vor allem um Frauen, die trotz ihres Engagements in der Pflege nicht aus der Erwerbstätigkeit gedrängt werden dürfen. 

  • Berufstätige pflegende Angehörige brauchen einen Rechtsanspruch auf Pflegekarenz und Pflegeteilzeit, damit die familiäre Hilfe nicht mehr von der Zustimmung des Arbeitgebers abhängig ist. Und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen die Möglichkeit einer Pflegefreistellung haben, wenn sie einen nahen Angehörigen bei akuter Krankheit oder anderen Krisen unterstützen, auch wenn sie nicht in einem gemeinsamen Haushalt leben.

  • Immer schwierig für pflegende Angehörige ist der Wechsel zwischen dem Krankenhaus und der Versorgung daheim. Immer noch müssen sie hier jede Menge organisatorische Lücken stopfen. Es mangelt nach wie vor an gut funktionierendem Aufnahme- und Entlassungsmanagement. Hier hätte Ministerin Hartinger-Klein die besten Möglichkeiten für Verbesserungen zu sorgen, da sie sowohl für den Sozial- als auch den Gesundheitsbereich verantwortlich ist. 

  • Heute wird ein Großteil der speziellen Angebote für pflegende Angehörige ohne oder nur mit sehr geringer Unterstützung der öffentlichen Hand finanziert. Das führt zu Insellösungen mit nur geringer Reichweite. Damit die im Regierungsprogramm verankerte Unterstützung und Entlastung pflegender Angehöriger auch wirklich umgesetzt werden kann, ist es erforderlich, über den Pflegefonds auch zweckgewidmete Finanzmittel zu Verfügung zu stellen.

Umfrage

Sie ar­beit­en in einem Ge­sund­heits­be­ruf?
Sagen Sie uns, was sich ändern muss.