7.3.2019

Nachteile von Frauen am Arbeits­markt aus­gleichen

Nach verstärkten Anstrengungen in den letzten Jahren kritisiert AK Präsidentin Renate Anderl wieder den Stillstand bei den Vorhaben für eine Verbesserung der Arbeits­markt­chancen für Frauen und für mehr Einkommens­gerechtigkeit: „Wenn ich mir die Pläne und Vorhaben der Regierung anschaue, fürchte ich, bewegen wir uns in die falsche Richtung.“

Kehrtwende in der Arbeits­markt­politik

So wird durch die Verlängerung der Arbeitszeit auf 12 Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich die traditionelle Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern verstärkt. Auch vom steuerlichen Familien­bonus profitieren nach wissenschaftlichen Schätzungen nur zu einem Viertel Frauen. Während in den vergangenen Jahren Frauen frühzeitig beim Wiedereinstieg unterstützt wurden, gibt es nunmehr eine Kehrtwende in der Arbeits­markt­politik.

Anderl: „In den arbeits­markt­politischen Ziel­vorgaben der Sozialministerin ist die Rede davon, dass Frauen die Wahlfreiheit haben sollen, ob sie ihre Kinder selbst zu Hause erziehen, Teilzeit oder Vollzeit arbeiten. Es braucht aber konkrete Unterstützung durch ganztägige Angebote der Kinder­betreuung, Ganztags­schulen und familienfreundliche Arbeitsbedingungen, die Vollzeit auch ermöglichen. Nur dann kann von Wahlfreiheit gesprochen werden.“

Ohne entsprechende Unterstützung werden Frauen in prekäre Beschäftigung gedrängt mit nachteiligen Folgen bei der sozialen Absicherung, wie niedrige Pensionen was letztlich zu Altersarmut führt, lautet die Warnung der AK Präsidentin.  

Arbeitsmarktpolitische Fehlentscheidungen

Kritisch ist für Anderl, dass die Sozialministerin die seit 2006 existierende Zielvorgabe von 50 Prozent der Arbeits­marktf­örderung für Frauen gestrichen hat. Damit ist zu befürchten, dass nicht mehr ausreichende finanzielle Förderungen für arbeitssuchende Frauen vorhanden sind. Auch im Aufweichen der Kriterien bei der Rot-Weiß-Rot-Card sieht Anderl „einen Bärendienst an arbeitssuchenden Frauen und eine Bedrohung des heimischen Lohnniveaus.“ Statt sich unter anderem um Qualifizierung von Frauen zu bemühen, macht es die Regierung der Wirtschaft möglich, billige Arbeitskräfte aus Drittstaaten zu rekrutieren. 

Lohnschere klafft weiter

Fast die Hälfte aller Frauen arbeitet Teilzeit. Frauen sind über­durch­schnittlich oft in den geringen Einkommensbereichen vertreten, in besser bezahlten Führungs­positionen hingegen nur selten. Im EU-Vergleich ist Österreich mit einer Lohnschere von rund 20 Prozent weiterhin bei den Schlusslichtern. „Das ist wahrlich kein Ruhmesblatt.“   

Forderungen

Anderl fordert:

  • Ausreichendes Angebot an qualitätsvoller ganztägiger Kinderbetreuung sowie von Ganztagsschulen

  • Ausreichend Arbeitsmarktmittel für Frauen und die frühzeitige Unterstützung des Wiedereinstiegs

  • kein Aufweichen der Kriterien für die Rot-Weiß-Rot-Card

  • Einführung eines Rechtsanspruchs auf finanziell abgesicherte berufliche Qualifizierung und Verbesserung der beruflichen Laufbahn während der Arbeitslosigkeit

  • Die Einkommensberichte von Unternehmen dürfen nicht auf der Ebene der Berichte steckenbleiben. Es braucht auch verbindliche Maßnahmen zum Abbau der Einkommensschere. Löhne und Gehälter sollen innerbetrieblich offengelegt werden.

  • Gesetzliche Anrechnung der Zeiten von Elternkarenz auf alle Ansprüche im Dienstverhältnis.

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