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Zukunft der Arbeit – Szenarien und Wege

Vortrag von Jörg Flecker, Universität Wien, Institut für Soziologie

Die Zukunft der Arbeit ist keineswegs festgelegt. Verteilungskampf und Machtverhältnisse werden entscheiden, wie die Zukunft der Arbeit konkret aussehen wird. Dazu präsentierte der Arbeitssoziologe Jörg Flecker mögliche Zukunftsszenarien und Wege anhand der Themen Beschäftigung, Technologie, Arbeitsorganisation, Leistungspolitik und Beschäftigungsverhältnisse.  

1. Zukunft der Beschäftigung 

  • Zukunfts-Szenario 1: Hohe Arbeitslosigkeit bei gleichzeitiger Unterbeschäftigung
  • Zukunfts-Szenario 2: Vollbeschäftigung bei günstigen Arbeitsbedingungen 

Wir erleben heute neue Trends in den technologischen Entwicklungen: Strukturwandel findet beschleunigt statt, das globale Outsourcing von Tätigkeiten wächst auch im nicht-produzierenden Bereich, gleichzeitig steigt unbezahlte Arbeit. All das kostet Arbeitsplätze.

Vollzeitbeschäftigung kann vor allem durch Arbeitszeitverkürzung und Verteilung der Produktivitätsgewinne erzielt werden. Hier stellt sich langfristig die Frage: Wo würden Leute gerne arbeiten? Was wäre sinnvolle Arbeit, die bisher nicht geleistet werden kann? 

2. Zukunft der Technologie

  • Zukunfts-Szenario 1: Technik bestimmt über den Menschen (technikzentrierter Ansatz)
  • Zukunfts-Szenario 2: Mensch bestimmt über die Technik (humanzentrierter Ansatz)

„Technik geschieht nicht einfach, sondern ist gestaltbar“, so Flecker. Gerade Politik kann mitwirken, in welche Richtung sich Technik entwickeln soll. Der technikzentrierte Ansatz bedeutet eine hohe Automation bei den Arbeitsplätzen. Für einen humanzentrierten Ansatz braucht es einen Wandel in der Technologie-Politik selbst. Welche gesellschaftlichen Ziele werden mit der Technikentwicklung angestrebt? Solche Überlegungen fehlen heute.  

3. Zukunft der Arbeitsorganisation  

  • Zukunfts-Szenario 1: Degradierung von Arbeit
  • Zukunfts-Szenario 2: Professionalisierung von Arbeit

Degradierung bedeutet eine Vereinfachung von Arbeitsaufgaben bei einer möglichst kleinteiligen Organisation. Eine solche Vereinfachung geht oft einher mit zunehmender Kontrolle und Überwachung. BetriebsrätInnen können durch Mitgestaltung der Arbeitsorganisation Wege zur Professionalisierung beeinflussen. 

4. Zukunft der Leistungspolitik 

  • Zukunfts-Szenario 1: Überforderung
  • Zukunfts-Szenario 2: Gute Arbeit und Gesundheitsschutz 

Hier liegt der Kernbereich der Mitbestimmung durch BetriebsrätInnen im Betrieb. Wege zu einer guten Arbeit mit hohem Gesundheitsschutz sind individuelle und kollektive Mitbestimmung, ausreichende Personal- und Zeitressourcen und eine Begrenzung von Konkurrenz.  

5. Zukunft der Beschäftigungsverhältnisse 

  • Zukunfts-Szenario 1: Szenario 1: Arbeit auf Abruf, „Ware Arbeitskraft“
  • Zukunfts-Szenario 2: Szenario 2: Abgesicherte Dienstverhältnisse und Statusrechte 

Arbeit auf Abruf sind beispielsweise 0-Stunden-Verträge in Großbritannien – ArbeitnehmerInnen werden nur bezahlt, wenn sie „gebraucht“ werden. Das bedeutet hohe Flexibilisierung und Umgehen von Dienstverhältnissen. Im optimistischen Zukunftsszenario haben Arbeitende allein aus diesem Status zahlreiche Rechte, unabhängig von der konkreten Vertragsform. Dazu braucht es Regulierungen und die Eingliederung aller Beschäftigungsformen in das Arbeits- und Sozialrecht.

Zur Person:

Univ. Prof. Dr. Jörg Flecker ist Arbeitssoziologe an der Universität und forscht zu Arbeitsorganisation, Informationstechnik und Arbeit, Flexibilisierung und Internationalisierung.

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