Workshop 4: Zukunft der Betriebsversammlung

  • ReferentInnen: Mag.a Elisabeth Steinklammer, AK Wien und Charly Dürtscher, GPA-djp
  • Moderation: Andreas Laaber

Veränderungen aufgrund von Digitalisierung haben Auswirkungen auf die betriebliche Mitsprache. Ein wesentliches Element davon sind die halbjährlich vorgesehenen Betriebsversammlungen. Dezentrale Organisation, Teilzeitanstellungen und Vereinzelung der Beschäftigen etc. erschweren das Organisieren von Betriebsversammlungen, machen diese aber gleichzeitig umso wichtiger. Wesentlich ist es dabei, diese attraktiv zu gestalten und mit KollegInnen eine aktive Mitsprache im Betrieb zu ermöglichen. Die ReferentInnen Elisabeth Steinklammer und Charly Dürtscher stellten dazu fünf Thesen auf und diskutierten mit den TeilnehmerInnen Herausforderungen einer Betriebsversammlung 4.0. 

These 1: Arbeitsverhältnisse und Betriebsrats-Arbeit sind im Wandel

Es braucht Teamarbeit, Präsenz vor Ort und die Einbindung der Belegschaft, um durchsetzungsfähig zu sein. Teilzeitbeschäftigung, Telearbeit oder Filialbetriebe erhöhen die Segmentierung der Belegschaft. Um auch zukünftig als Betriebsrat durchsetzungsfähig zu sein und eine Vertrauensbasis zu Beschäftigten schaffen, braucht es neue Formen der Zusammenarbeit – etwa durch Teamarbeit im Betriebsratsgremium, Einbindung der Beschäftigten oder Vernetzungen der Belegschaft vor Ort.  

These 2: Betriebsversammlungen stärken den Betrieb

BetriebsrätInnen brauchen langfristige strategische Ziele, um im Betrieb gestaltend mitwirken zu können. Themen müssen längerfristig aufbereitet, geplant, kommuniziert und bearbeitet werden. Das erfordert eine kontinuierliche Kommunikation des Betriebsrates in der Belegschaft. Im Rahmen dieser sind Betriebsversammlungen Highlights, um die Belegschaft einzubinden und als Betriebsrat stärker zu werden. Diese Chance bleibt oft ungenutzt.  

These 3: Betriebsversammlungen können mehr als ihr Ruf verspricht

Die wenigsten BetriebsrätInnen organisieren – trotz gesetzlicher Möglichkeit – zwei Betriebsversammlungen im Jahr. Dabei können gerade Teilversammlungen hilfreiche Antworten auf veränderte Arbeitsrealität geben.  

These 4: Betriebsversammlungen sind ein nützliches Instrument zur Durchsetzung von Interessen

Betriebsversammlungen haben vielfältige Funktionen, zum Beispiel: Informationsaustausch und Meinungsbildung, Aufbereitung und strategische Platzierung von Themen, Diskussion, Vernetzung, Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und des Bekanntheitsgrades des Betriebsrats, Feiern von Erfolgen, Abstimmungen etc. Mit einem klassischen Frontalvortrag lassen sich diese Möglichkeiten schwer realisieren. Auch für Betriebsversammlung sollten sich BetriebsrätInnen Methoden zur Moderation von Großgruppen bedienen.  

These 5: Der Einsatz von IT unterstützt die Information und die Teilnahme an Betriebsversammlungen.

Moderne Technologien wie virtuelle Betriebsversammlungen oder e-Voting sind unterstützende Maßnahmen für eine Betriebsratsarbeit 4.0.

Was brauchen wir, um diese Herausforderungen gut zu bewältigen?

Ergebnisse aus der Diskussion der BetriebsrätInnen:

  1. Gute Vernetzung mit den KollegInnen ist Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Betriebsversammlung. Technische Veränderungen können dabei unterstützen (z.B. Vernetzung durch WhatsApp-Gruppen).
  2. MitarbeiterInnen-Beteiligung führt zu Aktivierung – es braucht neue Methoden, um die Beteiligung an Betriebsversammlungen zu erhöhen.
  3. Die gesetzliche Möglichkeit von Teilbetriebsversammlungen ermöglicht vor allem in kleineren Betrieben eine lebendigere und effizientere Gestaltung – gesetzliche Möglichkeiten werden bislang zu wenig ausgeschöpft.