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Workshop 1: Zukunft der Arbeitsorganisation

  • Referent: Dr. Hubert Eichmann, FORBA
  • Moderation: Simon Schumich, MA 

Wie wirkt sich der digitale Wandel auf die Zukunft von Beschäftigung und Beschäftigungsverhältnisse aus? Wie gestalten sich Arbeitszeiten und welche Qualifikationen sind zukünftig gefragt? Was bedeutet das für die betriebliche (Re-)Organisation und die Handlungsfelder von BetriebsrätInnen? Diesen Fragen ging Hubert Eichmann auf den Grund, um gemeinsam mit BetriebsrätInnen mögliche Lösungsstrategien zu erarbeiten. 

1. Zukunft der Beschäftigung

Absehbare Verlierer der Digitalisierung sind Jobs mit manuellen Routinetätigkeiten. Diese machen laut WIFO schon jetzt nur einen geringen Teil der Beschäftigung aus (2015: 12,4%). Während Branchen wie Gesundheits- und Sozialwesen, Erziehung und Unterricht, Gastronomie, IKT, Bauwirtschaft oder Kultur- und Kreativwirtschaft wachsen werden, könnte die Beschäftigung in der Sachgüterproduktion oder im Finanz- und Versicherungssektor zurückgehen.

2. Zukunft der Qualifikationen

Der technische Fortschritt hat in den letzten fünf bis zehn Jahren bei einem Großteil der Beschäftigten die Anforderungen an den Job stark verändert. Die wenigsten haben jedoch Angst um den eigenen Arbeitsplatz. Bereits heute arbeiten laut Eurofound 60 Prozent der Beschäftigten zumindest ein Viertel ihrer Arbeitszeit mit Computersystemen. Höhere und breitere Qualifikationen mit einem fächerübergreifenden Wissen werden weiter wachsen, vor allem in den Bereichen Maschinenbau und IT. Gleichzeitig zeichnet sich eine IT-basierte Standardisierung von Tätigkeiten ab, zum Beispiel im Online-Handel. 

Abwertung oder Aufwertung von Qualifikationen – eine Frage des Ansatzes

Gesellschaft und Politik entscheiden, welche Rolle die Technik in der Arbeitswelt einnehmen soll. Nach dem technikzentrierten Szenario mit einer hohen Automation wird Arbeit entwertet. Erfahrung und Wissen von Facharbeitskräften werden durch Software ersetzt. Im humanzentrierten Szenario hingegen wird Technik als Instrument von Menschen eingesetzt. IT-basierte Assistenzsysteme dienen als Unterstützung qualifizierter Fachkräfte. Hier werden Erfahrungen und Fähigkeiten von Beschäftigten gefördert. 

3. Zukunft der Arbeitszeiten – working anytime at anyplace?

Digitalisierung treibt Flexibilisierung weiter voran. Sowohl zeitlich als auch räumlich führen mobile Arbeitsformen zu einer Entgrenzung. Bereits heute sind laut AK Niederösterreich ein Viertel aller Beschäftigten mit tragbaren Geräten mit mobilem Internetzugang ausgestattet. 40 Prozent der Beschäftigten rufen ihre beruflichen E-Mails außerhalb der Arbeitszeit ab, 67% sind gelegentlich außerhalb der Arbeitszeit erreichbar.  

Mehr Handlungsspielraum, höheres Arbeitstempo

Die Auswirkungen der Flexibilisierung können nicht über einen Kamm geschert werden. Während sie für Gutqualifizierte mehr Spielräume bietet, nehmen andere die Zeit- und Ortsunabhängigkeit als sozial isolierend mit erhöhtem Zeitdruck wahr (z.B. Desk Sharing). Langfristig bedeutet das: Mehr Handlungsspielraum und Eigenverantwortung bei höherem Arbeitstempo.  

4. Zukunft der betrieblichen Reorganisation

Digitalisierung und Automatisierung beschleunigen auch die Reorganisation. Interne Umstrukturierungen sind in etlichen Betrieben eine „Dauerbaustelle“. Kern- und Randgruppen der Belegschaft werden dadurch weiter differenziert.  

Wie sieht eine gute Arbeitsorganisation aus?

Bei einer guten Arbeitsorganisation setzt sich die Belegschaft aus qualifizierten und gleichberechtigten Beschäftigten zusammen – ohne Polarisierung zwischen den ArbeitnehmerInnen. Das Arbeitsumfeld fördert Lernen, Beschäftigte haben Handlungs- und Entscheidungsspielräume und die Kommunikation zwischen Beschäftigten wird gefördert. Automation dient zur Überwindung monotoner Arbeiten, ohne am Menschen „vorbei zu steuern“. Arbeitsplätze sind ergonomisch und alternsgerecht gestaltet.

Was brauchen wir, um diese Herausforderungen gut zu bewältigen?

Ergebnisse aus der Diskussion der BetriebsrätInnen:

  • Das Kollektive stärken: Es braucht gemeinsame Bilder und Themen, um vom Individualisierten hin zum Kollektiven zu gelangen.
  • Neue Kommunikationswege, um als Betriebsrat eine „zerrinnende“ Belegschaft zu erreichen (z.B. TeleworkerInnen).
  • Betriebsrat 4.0: Flexible Mitarbeit muss ohne bürokratische Hürden ermöglicht werden (z.B. rechtliche Flexibilisierung bei Betriebsversammlungen)
  • MitarbeiterInnen in den Prozess der Digitalisierung und Mitbestimmung ins Boot holen
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