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Mitbestimmung 4.0

Vortrag von Georg Michenthaler, IFES

„Digitalisierung ist in den meisten Betrieben keine Zukunftsmusik, sondern längst Gegenwart und zum Teil schon wieder Vergangenheit“, so der Sozialforscher Georg Michenthaler. Anhand von zwei Studien* beleuchtet Michenthaler, wie sich Mitbestimmung für BetriebsrätInnen im digitalen Wandel gestaltet.  

Kurz gefasst:

Bislang sind BetriebsrätInnen wenig in den Prozess der Digitalisierung involviert und können entsprechend wenig mitwirken. Ein Großteil der BetriebsrätInnen steht dem digitalen Wandel dennoch positiv gegenüber, wenngleich es eine Kehrseite gibt. Diese betrifft vor allem die Sorge um ältere Beschäftigte und die Vereinbarkeit von Beruf- und Privatleben. BetriebsrätInnen wünschen sich mehr Unterstützung im Prozess des digitalen Wandels – einerseits fachlich, andererseits durch Entlastung von anderen Arbeiten.  

Technik-Einsatz: Digitalisierung ist schon länger im Gange

92 Prozent der Betriebe nutzen regelmäßig zumindest eine computergesteuerte digitale Technologie, vor allem Notebooks oder Tablets mit Anbindung an das Firmennetzwerk. In 43 Prozent der Unternehmen gibt es virtuelle Arbeitsformen wie Teleworking. Die meisten der Technologien wurden bereits vor mehreren Jahren eingeführt. Das zeigt: Digitalisierung ist kein neues Phänomen, sondern schon länger im Gange. 

Vor- und Nachteile: Bessere Arbeitsplätze, höhere Arbeitsbelastung

Die meisten BetriebsrätInnen stehen der Digitalisierung positiv gegenüber, sowohl was Arbeitsbedingungen als auch wirtschaftliche Entwicklungen betreffen. Vorteile sehen sie vor allem hinsichtlich Qualität der Arbeitsplätze (49%), räumlicher und zeitlicher Autonomie (37%) und Kommunikation (36%). „Jeder Vorteil aus der Digitalisierung hat aber auch eine Kehrseite“, so Michenthaler. Skeptisch betrachten BetriebsrätInnen steigende Arbeitsbelastungen (59%), die Situation älterer Beschäftigter (49%) und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (34%).  

Die Treiber der Digitalisierung

Digitalisierung sei nichts, was vorwiegend von KundInnen, LieferantInnen oder BetriebsrätInnen getrieben werde. Die Initiativen gehen vorwiegend von Geschäftsführungen aufgrund ökonomischer Überlegungen aus.

Mitwirkung: BetriebsrätInnen in „klassischen Bereichen“ aktiv

Ebenso deutlich wie problematisch ist die geringe Einbindung von BetriebsrätInnen in den Prozess. Nur 14 Prozent der Befragten wurden aktiv eingebunden. 65 Prozent wurden „nur informiert“, 12 Prozent weder noch. Die geringe Mitbestimmung ist für Michenthaler aber auch eine Holschuld. BetriebsrätInnen fokussieren in ihrer Arbeit noch sehr auf klassische Mitwirkungs-Agenden wie Konfliktlösung, Einkommen, Arbeitszeit und Gesundheit, unterdurchschnittlich jedoch auf Themen, die einen Konnex  zur Digitalisierung aufweisen wie Aus- und Weiterbildung oder Datenschutz und Kontrolle.  

Kommunikation: Soziale Medien sind ausbaufähig

Die Effizienz des sozialen Systems Betriebsrat im Stakeholder-Netzwerk von KollegInnen, Geschäftsführungen, Interessenvertretungen und Öffentlichkeit/Medien ist maßgeblich durch dessen Kommunikationsleistungen bestimmt. Auch in dieser Hinsicht spielen digitale Technologien eine untergeordnete Rolle. Mit ihren KollegInnen kommunizieren BetriebsrätInnen vorwiegend über persönliche Gespräche. „Das ist auch unabdingbar, aber Zielgruppen, die außerhalb des eigenen Blickfelds liegen, werden durch persönliche Gespräche kaum erreicht“, resümiert Michenthaler. Vor allem Jugendliche, Frauen, MigrantInnen und Höherqualifizierte fühlen sich zu wenig angesprochen. Das Intranet als Medium zur raschen Informationsweitergabe wird noch wenig genutzt (32%), ebenso soziale Netzwerke wie Facebook (15%).

Zur Person:

Georg Michenthaler ist wissenschaftlicher Projektleiter am Institut für empirische Sozialforschung (IFES) und forscht dort vorrangig zu Themen der Arbeitswelt.

Studien:

  • Der Strukturwandelbarometer 2016 behandelt auf Basis von über 270 Interviews die Frage: Wie sehen BetriebsrätInnen den digitalen Wandel?
  • Die Studie Betriebliche Mitbestimmung in Österreich (2012) erhebt alle zehn Jahre den Stand der Mitbestimmung unter 500 BelegschaftsvertreterInnen in Österreich.
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