„Geschäftsmodell“ Gewerkschaft neu denken

Begrüßungsworte Erich Foglar, Präsident des ÖGB

Für das Phänomen Digitalisierung gibt es viele Namen: Big Data, Industrie 4.0, Internet of Things (IoT). Was alle Begriffe verbindet: Sie durchdringen immer schneller alle Branchen und brechen bestehende Geschäftsmodelle auf. „Aufgabe der Interessenvertretung ist es, Nutzen und Auswirkungen der Entwicklungen abzuwägen und das Geschäftsmodell Gewerkschaft neu zu denken“, so ÖGB-Präsident Erich Foglar in seiner Begrüßungsrede.  

Digitaler Wandel bringt neue Phänomene

Der derzeitige Wandel sei nicht vergleichbar mit anderen technologischen Umwälzungen. Das Besondere an der Digitalisierung: Sie durchdringt alle Branchen, und zwar gleichzeitig und permanent. Die Zeiten der „Job Economy“ – steigende Wertschöpfung durch Beschäftigung in klassischer Erwerbsarbeit – seien endgültig vorbei.  Industrie 4.0, der steigende Einsatz von Robotern und Geschäftsmodelle im Internet ersetzen zum Teil die menschliche Arbeitskraft. „Auf diese gravierenden Änderungen muss sich die Interessenvertretung einstellen.“ 

Entwicklungen berühren Kerngeschäft von Gewerkschaften

Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen für die Aus- und Weiterbildung von Arbeitskräften? Was geschieht zukünftig mit FacharbeiterInnen? Was bedeutet das, wenn sich Grenzen der Arbeitszeiten und Arbeitsverträge auflösen? „Die Entwicklungen berühren tief das Kerngeschäft von Gewerkschaften, nämlich Verteilungsgerechtigkeit und soziale Sicherheit zu schaffen“, so Foglar. Deutlich wird das am Arbeitsvertrag. Er regelt den Verkauf von Arbeitszeit gegen Entgelt. Immerhin gehen 62 Prozent der Staatseinnahmen auf ihn zurück. „Wenn Arbeitsverträge und Arbeitsrecht umgangen werden und soziale Sicherheit wegfällt – wie sieht dann zukünftig das Geschäftsmodell Gewerkschaft aus?“ 

Mitbestimmung – jetzt mehr denn je

Die Entwicklungen machen deutlich, wie wichtig die Mitgestaltung der Prozesse durch die Interessenvertretung wird. Vor allem für die Belegschaftsvertretung, die an der Schnittstelle zwischen Beschäftigten, Unternehmen, Interessenvertretung und Öffentlichkeit steht. „Um mitgestalten zu können, ist Mitbestimmung nötig. Jetzt mehr denn je!“