14.08.2018

Digitalisierung gestalten – Ergebnisse und Szenarien aus genderspezifischer Perspektive

Ein Jahr lang wurde mit Unternehmen das Thema Digitalisierung aus der genderspezifischen Perspektive beleuchtet und Ergebnisse und Szenarien entwickelt. Der zentrale Befund: Digitalisierung kann nur zukunftsfähig sein, wenn Frauen mitgestalten und an der digitalen Divende teilhaben.

Im Sommer 2017 startete die von der AK Wien und den ÖBB initiierte Dialogreihe „Digitalisierung gestalten“. In drei ergebnisorientierten Gesprächen diskutierten ExpertInnen u.a. von Infineon, Asfinag, Hafen Wien, der Pädagogischen Hochschule, TU-Wien, AIT, Stadt Wien über die unterschiedlichen Strategien der Digitalisierung in Unternehmen. Dabei waren sowohl Transformationsprozesse Thema, als auch welche Jobs sich wie verändern und was diese Veränderung, insbesondere für weibliche Beschäftigte, bedeutet.  

Geschlechtsspezifische Lücke schließen

Eine Diskussion über die Digitalisierung ist ohne Frauen nicht zukunftsfähig. Die Unternehmen sind daher gefordert, die geschlechtsspezifische Lücke bei der Arbeit mit neuen Technologien zu schließen – durch beispielsweise Sicherstellung der digitalen Exzellenz, Gender Budgeting, feministische Perspektiven oder Diskussion darüber, welchen Werten sich der digitale Wandel verpflichtet sieht.  

Zentral ist, dass die Technologien dem Menschen dienen und nicht anders herum. Sie sollen die Arbeit erleichtern, Zugangsbarrieren abbauen, zur Chancengleichheit beitragen und Platz für Kreativität schaffen. Essentiell und entsprechend eine wesentliche Voraussetzung dafür ist es, dass die MitarbeiterInnen den Wandel mitgestalten. So werden möglichst unterschiedliche Perspektiven (Frauen, Männer, Alte, Junge, Ethnie, etc.) integriert. 

Resümee bei der Abschlussveranstaltung  

Die Digitalisierung birgt viele Chancen, es gibt aber auch Risiken und dieser Veränderungsprozess sollte möglichst breit mitgestaltet werden. Folglich ist eine Diskussion über die Digitalisierung ohne Frauen nicht zukunftsfähig, so die Schlussfolgerung des hochrangig besetzten Podiums bei der Abschlussveranstaltung am 19. Juli 2018 im Technologiezentrum Seestadt.  

Silvia Angelo, Vorständin der ÖBB-Infrastruktur, sieht Chancen auf eine Erhöhung des Frauenanteils von aktuell sieben Prozent im Unternehmen durch digitale Hilfsmittel, Beispiel Fahrdienstleistung: „Da hat die Digitalisierung zwar Arbeitsplätze gekostet, es ist aber heute ein Berufsbild, das für Frauen zugänglicher ist.“ Die Arbeit mit und an der Schiene war oft Schwerstarbeit.

Doris Pulker-Rohrhofer, Geschäftsführerin des Hafens Wien, mit 32 Prozent Frauen unter den Beschäftigten, aber nur einer unter den Outdoor-Terminal-Arbeitern, wünscht sich mehr Role-Models in der Technik. „Und zwar nicht nur unter den Auszubildenden, sondern auch jenen, die ausbilden“, ergänzt Sigrun Alten, Leiterin der Lehrlingsausbildung bei Infineon. 

Petra Draxl, Geschäftsführerin AMS Wien, verweist auf Bildungsdefizite: „Österreich hinkt bei der Qualifizierung hinterher und zwar vom Kindergarten bis zu den arbeitsmarktpolitischen Angeboten. Nur wenige sind am Stand des Lernens. Das verlangt große Investitionen in die Bildungslandschaft.“ 

TU-Wien-Vizerektorin Anna Steiger spricht von sehr geringen Anteilen weiblicher Studierender in den Fächern, die die Digitalisierung vorantreiben: „In der Elektrotechnik schrammen wir mit neun Prozent nicht mal an den zehn.“ 

Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl folgert am Podium: „Digitalisierung muss gestaltet werden. Wenn man die Besten will, kann man auf Frauen nicht verzichten.“ Die neun Arbeiterkammern wollen 150 Millionen Euro für eine Digitalisierungsoffensive für Beschäftigte investieren, da die öffentlichen Förderungen fast nur Unternehmern zu Gute kommen.

Katharina Hochfeld vom Center for Responsable Research and Innovation im Fraunhofer Institut verweist auf den großen Wandel: „Wir leben in einem Strukturwandel, welche Berufsprofile, welche technischen Anforderungen in der Zukunft benötigt werden, ist unbekannt. Wichtig sind aber Veränderungsbereitschaft, hohe kognitive Fähigkeit und hohe Lösungskompetenz.“ 

Die Initiatorinnen der Dialogreihe, Ingrid Moritz (AK Wien) und Traude Kogoj (ÖBB-Holding) resümieren: „Digitalisierung kann nur zukunftsfähig sein, wenn sie mit den Frauen stattfindet. Um das zu gewährleisten, müssen sie bei der Entwicklung und Umsetzung von digitalen Veränderungen mitwirken. Öffentliche Förderungen sollen daher nur für Projekte vergeben werden, an denen Frauen maßgeblich mitgestalten.“

Kontakt

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