Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Die Zukunft der Mitbestimmung

Neues wirtschaftliches Umfeld, neue Arbeitsbedingungen – für BetriebsrätInnen hat sich seit dem Inkrafttreten des Arbeitsverfassungsgesetzes und der Aufsichtsratsmitbestimmung einiges getan. Die Digitalisierung von Arbeit, Wirtschaft und Gesellschaft bringt neue Trends, die die Praxis in den Betrieben, aber auch über die Betriebe hinaus, tiefgreifend verändern können. 

Warum wir Mitbestimmung neu denken müssen

Veränderung ist nicht neu – aber wird immer intensiver

Auch ohne den digitalen Wandel sind ArbeitnehmerInnen schon seit langer Zeit mit vielen technischen und organisatorischen Veränderungen in ihren Betrieben konfrontiert. Die BelegschaftsvertreterInnen kennen deshalb den Umgang mit radikalen Umstrukturierungsmaßnahmen schon seit Jahrzehnten und haben einen reichen Schatz an Erfahrung etwa mit Ausgliederungen, Fremdvergaben oder Eigentümerwechseln. All diese Veränderungen hatten bereits in der Vergangenheit massive Auswirkungen auf Arbeitsrealitäten und –bedingungen. Die Digitalisierung bringt nun aber eine neue Dynamik. Es ist wahrscheinlich, dass Veränderungsprozesse nun noch intensiver, noch unvermittelter und noch häufiger auf uns zukommen. Und sie werden sich auf die Arbeitsbedingungen wohl noch tiefgreifender auswirken. 

Betroffene einbeziehen!

Debatten über den digitalen Wandel in der Arbeitswelt dürfen nicht einseitig aus der Perspektive der ArbeitgeberInnen diskutiert werden. Stattdessen sollen sie jene Menschen gleichberechtigt einbeziehen, die die Auswirkungen massiv betreffen werden: die ArbeitnehmerInnen selbst. Dazu müssen wir bestehende Mitbestimmungsmöglichkeiten nutzen und die BetriebsrätInnen mit entsprechenden Ressourcen ausrüsten. Wir brauchen aber auch neues Handwerkszeug, also eine Weiterentwicklung des kollektiven Arbeitsrechts.

Was sagen die BetriebsrätInnen?

Zwischen Zuversicht und Skepsis

Aus Untersuchungen wissen wir, dass BetriebsrätInnen dem digitalen Wandel grundsätzlich positiv gegenüberstehen. Sie hoffen auf positive wirtschaftliche Potenziale für ihre Unternehmen. (LINK Strukturwandelbarometer). Dennoch äußern sie eine Reihe von konkreten Bedenken und sorgen sich um die Auswirkungen auf die Beschäftigten: Arbeitszeit und Freizeit lassen sich etwa kaum mehr abgrenzen, und die Situation für ältere Beschäftigte im Betrieb wird schwieriger.

AK Strukturwandelbarometer

Das Strukturwandelbarometer 2016 behandelt auf Basis von über 270 Interviews die Frage: Wie sehen BetriebsrätInnen den digitalen Wandel?

Langsamer Wandel mit weitreichenden Auswirkungen

Die BetriebsrätInnen berichten auch: Der digitale Wandel ist kein singuläres Ereignis, er passiert in den Betrieben nach und nach über einen längeren Zeitraum hinweg. Kleine Neuerungen wie virtuelle Arbeitsgruppen, soziale Netzwerke oder Videotelefonie werden stetig implementiert und weiterentwickelt.
Für sich alleine genommen scheinen diese Veränderungen keine besondere Tragweite zu haben, doch in Summe haben sie oft enorme Auswirkungen auf die Beschäftigten - etwa auf ihren Datenschutz oder ihre Arbeitszeitregeln.

Mühsam erkämpfte Betriebsvereinbarungen

Eigentlich muss bei vielen wesentlichen Veränderungen im Betrieb laut Arbeitsverfassungsgesetz der Betriebsrat von Beginn an einbezogen werden. Wenn die Firma etwa eine systematische Verarbeitung von personenbezogenen Daten einführt, ist die Zustimmung des Betriebsrates eine rechtliche Notwendigkeit. Dennoch sehen wir in der Praxis, dass verbindliche Regeln für den Datenschutz meist erst vom Betriebsrat eingefordert und dann mühsam erkämpft werden müssen.  

Wenn das Gegenüber fehlt

In der „Arbeitswelt 4.0“ sind ArbeitnehmervertreterInnen außerdem mit einer Menge an „Flexibilisierungen“ konfrontiert, etwa mit internationalen Verflechtungen oder vielen unterschiedlichen Dienstverhältnissen.

Studie: Betriebliche Mitbestimmung in Österreich

Wir haben österreichweit über 2.000 Beschäftigte und 500 Betriebsratsmitglieder nach ihrer Wahrnehmung von Betriebsratsarbeit befragt. Einschätzungen zur Flexibilisierung der Arbeitswelt finden Sie ab Seite 165 - zur Studie ... 

In internationalen Konzernen ist oft kein "autorisierter Verhandlungspartner auf der Arbeitgeberseite" vorhanden, was BetriebsrätInnen zunehmend das Gefühl gibt, nicht mehr für die im Unternehmen arbeitenden Menschen zuständig sein zu können. IT-Anwendungen, die von Dritten außerhalb des Unternehmens gesteuert werden, verstärken diese Problematik.

Diskurs und Praxis in Betriebsvereinbarungen: Was Arbeit 4.0 für den betrieblichen Alltag bereits jetzt bedeutet und welche Rolle Betriebsvereinbarungen dabei spielen, hat die Hans Böckler Stiftung für Deutschland untersucht.

Unsere Forderungen

Diese Phänomene und insbesondere die Digitalisierung bedeuten für Betriebsräte neue Anforderungen. Sie brauchen noch mehr und noch spezialisiertere Kompetenzen und Ressourcen als es bereits jetzt der Fall ist. Um sie dabei zu unterstützen, fordert die Arbeiterkammer unter anderem: 

  • Eine Ausweitung des Geltungsbereichs des Arbeitsverfassungsgesetzes: Alle persönlich und/oder wirtschaftlich abhängigen Beschäftigten müssen davon erfasst werden – das würde etwa auch CrowdworkerInnen einschließen. Es soll außerdem die Möglichkeit bestehen, über Unternehmensgrenzen hinweg Belegschaftsorgane zu wählen. 
  • Eine Erweiterung des Katalogs erzwingbarer Betriebsvereinbarungen: Der digitale Wandel muss gestaltbar sein, und so sollen auch schleichende Veränderungen in Betriebsvereinbarungen geregelt und mit ExpertInnen abgeklärt werden können. Solche Veränderungen sollen auch der Aufsichtsratsmitbestimmung unterliegen. 
  • Eine Ausweitung des Anspruchs auf Bildungsfreistellung: Um die komplexen Änderungen in der Arbeitsorganisation und im Datenschutz besser einschätzen und dabei mitbestimmen zu können, brauchen BetriebsrätInnen mehr Zeit für die Weiterbildung. 
  • Eine mitbestimmungsfreundliche Umsetzung der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung: Nicht zuletzt müssen die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats aus dem Arbeitsverfassungsgesetz auch dort gesichert werden. 

dialog.arbeit.digital: Mitbestimmung 4.0

Nachlese der BetriebsrätInnen-Konferenz vom 24.11.: Wie gestalten wir die Zukunft der Arbeit? Über Strategien für die betriebliche Mitbestimmung.

Was sagen BetriebsrätInnen zum digitalen Wandel?

Wir haben die Stimmung bei fast 300 BetriebsrätInnen abgefragt: Was erhoffen sie sich von der Digitalisieurung, was sind ihre Befürchtungen?

Leben und Arbeit in digitalisierten Zeiten

Eine FALTER-Beilage darüber, wie sich Arbeit und Bildung durch das Netz ändern. Schafft die Digitalisierung Arbeit ab oder kostet sie nur Jobs?

TeilenZu Merkzettel hinzufügen

Facebook-Funktion aktivieren

Drucken
Zu Merkzettel hinzufügen

Verwandte Links

Blog Arbeit & Wirtschaft

Zum Seitenanfang
Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen über Cookies, sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen dazu sowie welche Daten wir wie lange speichern, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Dort können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen.
OK