30.3.2020

Was heißt Kurzarbeit oder Home-Office für die Steuer?

Wegen der aktuellen Corona-Krise haben die Sozialpartner sehr rasch ein neues Kurzarbeitsmodell verhandelt, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Sie sind jetzt auf Kurzarbeit oder arbeiten von zu Hause aus? Dann hat das auch steuerliche Auswirkungen. Wir haben das Wichtigste für Sie zusammengestellt.

Wie wirkt sich meine Kurzarbeit steuerlich aus?

Bei Kurzarbeit erhalten Sie zwischen 80 und 90 Prozent Ihres bisherigen Nettobezugs. Von Ihrem neuen Bruttobezug zieht Ihnen Ihre Arbeitgeberin bzw. Ihr Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge und die Lohnsteuer ab. Sie müssen sich also nicht selbst um Ihre Abgaben kümmern. Die Kurzarbeit alleine führt nicht zu einer Steuernachzahlung beim Finanzamt. Ausnahme: Wenn Sie etwas dazuverdienen, kann es sehr wohl zu Nachzahlungen kommen.

Was ist, wenn ich neben meiner Kurzarbeit etwas dazuverdiene?

Sie haben wegen Ihrer Kurzarbeit Zeit und helfen aus, wo es jetzt an Arbeitskräften mangelt? Das ist auch aus steuerrechtlicher Sicht möglich. Allerdings müssen Sie alle Löhne und Gehälter, die Sie während eines Jahres beziehen, zusammenrechnen.

Ist Ihr Jahreseinkommen geringer als 12.000 Euro, dann fällt dafür keine Lohnsteuer an. Wenn Sie jedoch mehr als 12.000 Euro verdienen, müssen Sie nächstes Jahr eine ArbeitnehmerInnenveranlagung (ANV) beim Finanzamt einreichen. Dann müssen Sie mit einer Steuernachforderung rechnen.

Nähere Informationen zum Zuverdienst finden Sie hier

Sie möchten sich selbst ausrechnen, wie viel Sie ungefähr nachzahlen müssen?
Hier finden Sie unseren Zuverdienstrechner

Beim Zuverdienstrechner sehen Sie den monatlichen Nachzahlungsbetrag. Unser Tipp: Legen Sie für jeden Monat, in dem Sie etwas dazu verdienen, diesen Betrag zur Seite.  

Achtung: Eine genaue Berechnung ist nicht möglich. Der ausgewiesene Nachzahlungsbetrag ist daher nur ein Richtwert. Denn die Höhe der Nachzahlung hängt von mehreren Faktoren ab – etwa von der Höhe Ihres gesamten Jahreseinkommens oder der bereits bezahlten Lohnsteuer. Auch Ihre Ausgaben, die Sie bei der ANV berücksichtigen können, beeinflussen die Höhe der Nachzahlung.

Erhalte ich den Familienbonus bei Kurzarbeit und in welcher Höhe?

Während der Kurzarbeit wird von Ihrem Gehalt weiterhin Lohnsteuer abgezogen. Daher haben Sie grundsätzlich auch weiterhin Anspruch auf den Familienbonus. Durch Ihren geringeren Bruttobezug verringert sich auch die Lohnsteuer. Daher kann es sein, dass sich der Familienbonus während Ihrer Kurzarbeit nicht mehr oder nicht mehr zur Gänze auswirkt. Aber letztlich ist Ihr gesamtes Jahreseinkommen dafür maßgeblich! Ist Ihr Jahreseinkommen für den vollen Familienbonus hoch genug, erhalten Sie mit der ANV die Differenz erstattet. 

Tipp

Ändern Sie beim Familienbonus vorläufig noch nichts! Sie können die Höhe Ihres Jahreseinkommens noch nicht absehen. Stellt sich am Jahresende heraus, dass beim Familienbonus eine andere Aufteilung günstiger ist – dann können Sie das bei der ANV noch immer ändern.

Was ist mit meiner Dienstwohnung oder meinem Firmenauto?

Sie haben eine Dienstwohnung oder ein Firmenauto, das Sie auch privat nutzen können? Wenn Sie in Kurzarbeit sind oder im Home-Office arbeiten, ändert sich daran nichts. In jedem Monat, in dem Sie den Gegenstand nutzen können, muss der Sachbezug bei der Lohn- bzw. Gehaltsverrechnung angesetzt werden.

Im Home-Office entstehen mir Kosten, werden diese übernommen?

Hier stellt sich folgende Frage: Können Sie die Kosten, die Ihnen durch die Arbeit im Home-Office entstehen, bei der ANV als Werbungskosten berücksichtigen? Die momentane Rechtslage sieht Folgendes vor: 

  • Arbeitszimmer
    Eher nein, denn: Ein Arbeitszimmer als Teil des privaten Wohnraums können Sie nur dann absetzen, wenn es sich um den Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen Tätigkeit handelt. Das ist bei einer nur vorübergehenden Zeit eher nicht der Fall. Daher können Sie weder anteilige Strom-, Heizungs- oder Mietkosten absetzen. 
  • Schreibtisch, Bürosessel & Co
    Eher nein, denn: Einrichtungsgegenstände können Sie nur dann als Werbungskosten absetzen, wenn diese Bestandteil eines abzugsfähigen Arbeitszimmers sind.  
  • Internet, Telefon & Co
    Eher ja, denn: Arbeitsmittel sind unabhängig von abzugsfähigen Arbeitszimmern. Das bedeutet, Sie können Ihre anteiligen Kosten für Internet, Telefon, Drucker, Büromaterial und Computer als Werbungskosten absetzen.

Hier finden Sie weitere Informationen zu den Werbungskosten:

Wichtig: Während der Corona-Krise gewinnt das Arbeitszimmer gerade sehr an Bedeutung. Daher ist es durchaus möglich, dass sich hier die Rechtslage noch ändert. Fragen Sie also nach, bevor Sie die ANV für 2020 machen – wir sind selbstverständlich auch dann gerne für Sie da! 

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