Rechtsschutzversicherungen: Ziemlich knifflig!

Die richtige Rechtsschutzversicherung zu finden, das ist für Kon­sum­ent­Inn­en besonders schwierig, denn: Die Komplettpakete setzen sich aus vielen Bausteinen zusammen, darunter eine ganze Reihe von Leistungen und Ausschlüssen.

Gerade bei Neuverträgen gibt es viele spezielle Erweiterungen, die aber wenig werthaltig sind. Hingegen wurde der Versicherungsschutz in wichtigen Be­reich­en zum Teil reduziert. Zudem sind Jahresprämien und Ver­sich­er­ungs­summen sehr unterschiedlich. Das zeigt eine aktuelle AK Studie, bei der An­ge­bote und Verträge von 14 Rechtsschutzversicherungen am Prüfstand standen.

Versicherungsschutz nach Bausteinprinzip

Rechtsschutzversicherungen sollen im Streitfall die Kosten tragen. Es gibt allerdings keine All-Risk-Deckung, sondern Versicherungsschutz nach dem Bausteinprinzip. Die in der AK Analyse untersuchten Privatrechtschutzpakete für Familien (ohne Selbstbehalt) beinhalten neun Standard-Bausteine, wobei jeder einen bestimmten Risikobereich abdeckt.

Erweiterungen machen den Vergleich schwierig

In den letzten Jahren sind zu den Standard-Bausteinen, etwa allgemeiner Ver­trags-, Arbeitsgerichtsrechts- oder Sozialversicherungsrechtsschutz einige Er­weiterungen dazugekommen, zum Beispiel Stalking-, Mobbing- oder Daten-Rechtsschutz. Die Bausteinerweiterungen machen den Vergleich schwierig.

Hilft die Versicherung im Schadensfall?

Außerdem sind Rechtsschutzversicherungen mit unterschiedlichen Risiko­aus­schlüssen, Einschränkungen und Bedingungen versehen. So prüft im Scha­dens­fall der Versicherer in etlichen Bausteinen die Erfolgsaussicht der Wahr­nehm­ung rechtlicher Interessen – falls dies der Versicherer verneint, wird die Übernahme der Kosten ebenfalls abgelehnt.

Bandbreite der Jahresprämien zwischen 250 und 400 Euro

Die AK Studie zeigt eine Bandbreite der Jahresprämien (Komplettpaket ohne Selbstbehalt) zwischen 250 bis 400 Euro (bei zehnjähriger Laufzeit). Die Ver­sich­er­ungs­summen sind ebenso unterschiedlich. Sie belaufen sich auf 85.000 bis 250.000 Euro bei durchaus unterschiedlichen Leistungen. Für eine lang­jähr­ige Bindung (zehn Jahre) wird KonsumentInnen ein Laufzeitnachlass, ein sogenannter Dauerrabatt, eingeräumt.

Erweiterung sind selten werthaltig

Die untersuchten Versicherer bieten im Schnitt drei bis vier Erweiterungen an. Allerdings sind in den Erweiterungen keine wirklich werthaltigen. Denn sie können mit geringen Kostenlimits gedeckelt sein. Oder sie decken Bereiche ab, die bereits durch einen Standard-Baustein abgedeckt sind. So ist zum Bei­spiel die Erweiterung Patienten-Rechtsschutz durch den Standard-Baustein Schadenersatz-Rechtsschutz abgedeckt, wenn es etwa um Schadenersatz wegen eines ärztlichen Aufklärungs- und Behandlungsfehlers geht.

Einschnitte bei Neuverträgen

Bei Neuverträgen gibt es teilweise Einschnitte für KonsumentInnen. So wurde vor einigen Jahren der Versicherungsschutz in wesentlichen Bereichen re­du­ziert, etwa Streitigkeiten im Zusammenhang mit der Veranlagung von Ver­mög­en sind weitgehend vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Die Muster­be­dingungen 2015 sehen weitere Lücken im Versicherungsschutz vor: So sollen arbeitnehmerähnliche Personen im Arbeitsgerichts-Rechtsschutz nur bei besonderer Vereinbarung versichert sein.

Mehr Klarheit für KonsumentInnen

Für KonsumentInnen ist es mittlerweile schwer geworden, den Durchblick im Dschungel der Rechtsschutzversicherungen zu bewahren. KonsumentInnen brauchen mehr Klarheit. Die AK verlangt: übersichtlichere Ver­trags­be­ding­ung­en, Entwicklung eines Produktinformationsblattes, sorgfältige Beratung bei Umstieg in ein Neuprodukt.

Forderung

  • „Aufgeräumte“ Vertragsbedingungen: Die Vertragsbedingungen müssen übersichtlich gestaltet sein. Die Allgemeinen Bedingungen für die Rechtsschutzversicherung (ARB) sind umfangreich und kom­plex. Einige AnbieterInnen haben den Deckungsumfang über gesonderte Klauseln geregelt. Auch die Darstellung des Ver­sich­er­ungs­um­fang­es auf Antragsformularen und Polizzen ist oft un­über­sichtlich.

  • Entwicklung eines Produktinformationsblattes: Die we­sent­lich­en Eckpunkte des Vertrages sollten in einem zwei- bis dreiseitigen Produktinformationsblatt aufgelistet werden, sobald der Ver­sich­er­ungs­nehm­er eine individualisierte Prämienberechnung erhält. Das Infoblatt nützt vor Vertragsabschluss, bietet aber auch einen raschen Überblick im Leistungsfall.

  • Sorgfältige Beratung beim Umstieg in Neuprodukte: Wer seine bereits bestehende Rechtsschutzversicherung wechseln will, sollte sich gewissenhaft beraten lassen. Erfahrungsgemäß werden in der Werbung in Beratungsgesprächen die Produktverbesserungen aus­führ­lich dargestellt, mögliche Verschlechterungen bleiben zu­meist unerwähnt. Der mit einem Umstieg in ein angepriesenes Neu­pro­dukt verbundene Nachteil wird womöglich erst Jahre spät­er sichtbar.

Was Sie bei Rechtsschutzversicherungen be­acht­en sollten

Für KonsumentInnen ist es nicht einfach, das passende Rechtsschutzprodukt zu finden. Die AK gibt Tipps für Neu- und Altverträge.

Tipp

Drei AK Tipps für Neuverträge: 

  • Blick auf Leistung: Wollen Sie eine Rechtsschutzversicherung ab­schließen, achten Sie darauf, welche Leistungen in den aus­ge­wählt­en Bausteinen inkludiert sind. Wichtig ist auch der Blick auf die Risikoausschlüsse sowie die Versicherungssummen im Detail in einzelnen Bausteinen. Eine billigere Prämie kann letztlich teuer sein, wenn wichtige Leistungen ausgespart werden.

  • Freie Anwaltswahl: Achten Sie auf Unterschiede zwischen freier Anwaltswahl und solchen, die der Versicherer vorschlägt (Ver­trau­ens­an­wälte).

  • Laufzeit, Rechte & Co: Was Sie bei der Auswahl des Ver­sich­er­ungs­pro­duktes noch vergleichen und beachten können, sind etwa Laufzeit, Rückforderung eines allfällig gewährten Dauerrabattes auf die Prämie, Kündigungsrechte im Schadensfall. 

Zwei Tipps für KonsumentInnen, die schon einen Rechts­schutz­ver­trag haben: 

  • Nicht leichtsinnig wechseln: Wechseln Sie bei bestehenden Ver­trägen nicht einfach in ein „aufgetuntes“ Paket. Wichtige Leist­ung­en können wegfallen.

  • Achtung, zeitliches Loch: Bei einem Wechsel des Versicherers kann es zu zeitlichen Deckungslücken kommen, wenn der neue Vertrag nicht nahtlos an den alten anschließt. Nur wenige An­biet­er­Inn­en haben standardmäßig Lösungen zur Schließung dieser Lücken.